Globale politische Entwicklungen wie die US-Strafzölle oder das Hin und Her in Italien zerren an den Nerven der Finanzmarktteilnehmer. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
01.06.2018 11:20 Uhr
FINANZMÄRKTE UND ITALIEN

Anleger und Börse | Italien zerrt an den Nerven der Finanzmarkt Akteure

Brüssel/Rom, 01.06.2018 11:20 Uhr (Klaus Stopp)

US Straf­zölle, Italien und der Euro. Die poli­ti­schen Unsi­cher­heiten in Europa sowie auch die allge­meine Markt­stim­mung rund um den Globus wirken sich derzeit negativ auf den Euro aus.

Informationen zum Autor:
Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Trotz diverser Themen, die in normalen Zeiten die Finanzmärkte weltweit beschäftigen würden, dreht sich momentan alles um die Frage: „Was macht Italien mit dem Euro und seinen Partnern?“ Hatte einst Helmut Kohl noch darauf gedrungen, dass Italien zu den Gründungsmitgliedern der gemeinsamen Währung gehört, so muss man sich inzwischen fragen, ob das wirklich eine gute Idee war. Politisch kann man es immer noch nachvollziehen, aber wirtschaftlich war Italien schon lange Zeit eines der Sorgenkinder Europas. Dies von der drittstärksten Wirtschaftsnation im Euroraum zu behaupten, lässt bereits tief blicken!

So hat Italien einen Schuldenberg angehäuft, der getrost als einer der höchsten bezeichnet werden kann. 2,3 Billionen Euro Schulden und davon der größte Teil bei der eigenen Bevölkerung, das macht die Sache für eine kommende Regierung nicht einfacher. Käme es zu einem Schuldenschnitt, so wäre auch die eigene Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen und das gilt es aus Sicht der populistischen Parteien, zu vermeiden. Noch weiß niemand, ob Italien in den kommenden Monaten auf Neuwahlen zusteuert oder es doch noch zu einer populistischen Regierungskoalition kommen wird.

(Conte startet den Tag als Premier "Ich bin aufgeregt")

Jedoch wird auch ein erneuter Urnengang der italienischen Bevölkerung keine neuen Machtverhältnisse hervorbringen. Zu groß sind die Vorbehalte innerhalb des italienischen Volkes, das sich schon seit Jahren von den Deutschen bevormundet sieht und in Deutschland erinnert man sich an die Anfänge der „Griechischen Tragödie“. Auch damals waren die Deutschen die bösen Nachbarn, die nicht bereit waren, die Zeche der anderen zu bezahlen. Jedoch wurden anschließend Kompromisse im Umgang mit Athen eingegangen und darin liegt zum Teil auch die Ursache für die jetzige Krise. Die fehlgeleitete Euro-Rettungspolitik hat Begehrlichkeiten in vielen Ländern geweckt und den Aufstieg der radikalen Parteien erst möglich gemacht. Gemäß dem Motto: „Warum sparen, wenn es auch anders geht?“

Geeintes Europa - wichtiger denn je

Doch wie will man dieser Krise Herr werden und ist das überhaupt noch möglich? Im Vergleich zu Griechenland reden wir hier um einen zehnmal höheren Fehlbetrag, der refinanziert werden muss. Und wenn die Ideen der möglicherweise noch gestärkt aus Neuwahlen hervorgehenden antieuropäischen Bewegungen umgesetzt werden, so könnte das zum Platzen aller Träume eines geeinten Europas führen. In Zeiten einer schon lange nicht mehr für möglich gehaltenen Betonung eigener Interessen und Machtansprüche der US-Regierung wäre ein geeintes Europa wichtiger denn je.

Aber geschwächt durch Brexit und die Abkehr vom Solidaritätsgedanken innerhalb Europas sind die einzelnen Staaten nicht in der Lage, eine gemeinsame Antwort auf politische Fehlentwicklungen zu geben. Und jetzt auch noch das! Italien hat ein ganz anderes Gewicht in der Eurozone, als das Griechenland je hatte. Sollte sich Italien von dem gemeinsamen Wirtschaftsraum und dem Euro abwenden, so wäre das nicht mehr zu kompensieren. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen und den Ausspruch von Mario Draghi „Whatever it takes“ aus dem Jahre 2015 auf die neue Zeitrechnung übertragen, denn es ist an er Zeit, dass endlich unsere Politiker wach werden und ihrerseits Maßnahmen zum Zusammenwachsen Europas entwickeln.

Immer nur auf die Europäische Zentralbank und die von ihr durchgeführten Ankaufprogramme zu setzen, ist keine Lösung, sondern nur ein Verschieben der Probleme in die Zukunft. Denn es ist an der Zeit, dass sich die Politiker ihrer Verantwortung bewusst werden und sich nicht nur hinter den Notenbankern verstecken.

Wie blank die Nerven der Finanzmarkt-Akteure liegen, zeigt die Entwicklung der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen in Italien, die am 4. Mai noch mit ca. 1,71 Prozent und am gestrigen Mittwoch in der Spitze über 3,10 Prozent zu Buche stand, was natürlich auch Auswirkungen auf die Renditen anderer Peripheriestaaten hatte, die ebenfalls unter Druck kamen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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