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Facelift statt Motortuning

Köln, 30.03.2007 11:50 Uhr (redaktion)

Kein Aprilscherz: Am Sonntag, den 1. April 2007 startet Teil 1 der Gesundheitsreform. Neue Vertragsfreiheiten für Kassen und Ärzte sowie Wahlmöglichkeiten für die Versicherten sollen künftig den Wettbewerb anheizen. Doch schon ab 2009 droht Teil 2 der Reform, der Gesundheitsfonds, den Wettbewerb wieder abzuwürgen. Dann werden die Preisunterschiede zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse vermutlich sogar kleiner sein als vor der Reform.

Ab April müssen gesetzliche Krankenkassen Tarife anbieten, bei denen sich die Versicherten beispielsweise verpflichten, mit jedem Leiden erst einmal zu ihrem Hausarzt zu gehen. Gleichzeitig können die Versicherungen mit ihren Mitgliedern Selbstbehalte vereinbaren oder Beiträge zurückzahlen, wenn Versicherte wenig Kosten verursacht haben. Zudem dürfen sie mit einzelnen Leistungsanbietern gesonderte Honorarvereinbarungen treffen.

Nutzen die Kassen diese neuen Vertragsfreiheiten, stehen den Mitgliedern Wahlmöglichkeiten in bisher nicht gekannter Vielfalt offen. Das sollte den Wettbewerb im Gesundheitswesen kräftig in Fahrt bringen. Denn je stärker sich die Beitragslasten von Tarif zu Tarif unterscheiden, desto eher wird das Kostenbewusstsein der Versicherten geweckt.

Im Jahr 2009 droht dem rekonvaleszenten Gesundheitssystem jedoch ein Rückfall. Denn ab dann gilt für alle Kassen ein einheitlicher Beitragssatz. Klamme Kassen werden einen Zusatzbeitrag erheben dürfen – maximal 1 Prozent des beitragspflichtigen Monatseinkommens. Andere Versicherungen können ihren Mitgliedern weiterhin Beiträge zurückerstatten, allerdings hat der Gesetzgeber auch hier eine Grenze eingezogen. Die Preise zwischen den Kassen werden daher nur innerhalb dieser Spannbreite schwanken.

Würde die Reform bereits heute gelten, beliefe sich der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse auf maximal 1.327,50 Euro pro Jahr. Da hatte das Gesundheitssystem bislang mehr Musik unter der Haube – selbst ohne die neuen Vertragsfreiheiten. Wer am 1. Januar 2007 von der teuersten zur günstigsten bundesweit geöffneten Kasse wechselte, spart in diesem Jahr gemeinsam mit seinem Arbeitgeber bis zu 1.500 Euro.

Mit anderen Worten: Statt das Gesundheitssystem durch mehr Wettbewerb leistungsfähiger und effizienter zu machen, gibt der Gesetzgeber den Versicherten und Kassen sogar weniger Anreize, sich wirtschaftlich zu verhalten.

© Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

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