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Siemens macht Pharmaexperten zum neuen Konzernchef

München, 20.05.2007 19:55 Uhr (redaktion)

Der weitgehend unbekannte Pharmamanager Peter Löscher wird Chef des Technologieriesens Siemens. Wie der Münchner Konzern am Sonntag nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mitteilte, fängt der 49-Jährige am 1. Juli bei Siemens an. Der amtierende Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld tritt Ende Juni ab.

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme würdigte den in Österreich geborenen Löscher als internationale Persönlichkeit, der den krisengeschüttelten Konzern gut kenne. Zudem komme er von außen, was wichtig sei. "Ich bin überzeugt davon, dass die schwierige Aufgabe, Siemens aus der gegenwärtigen Situation in eine gute Zukunft zu führen, bei Peter Löscher in den besten Händen liegt", sagte Cromme.

Löscher sitzt 2006 im Vorstand des US-Konzerns Merck, einem der weltweit führenden Pharmaunternehmen. Zuvor war Löscher lange Jahre für die Hoechst AG tätig und später Manager der Gesundheitssparte bei General Electric. Gearbeitet hat er bereits neben Deutschland und den USA auch in Spanien, Großbritannien und Japan. Löscher, der sich in Wien, Hong Kong und an der US-Eliteuniversität Harvard in Wirtschaftswissenschaften ausbilden ließ, sprach von einer "großen Ehre und Herausforderung".

Der traditionsreiche Siemens-Konzern wird seit Monaten von mehreren Korruptionsaffären erschüttert. Die Staatsanwaltschaft in München prüft zum Beispiel gerade Geldströme im Umfang von 200 Millionen Euro; Siemens selbst betrachtet 420 Millionen als kritisch. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld von früheren Mitarbeitern und deren Komplizen aus der Firmenkasse abgezweigt und als Schmiergeld im Ausland verwendet worden ist. In einem anderen Fall sollen Millionen an eine managementfreundliche Arbeitnehmerorganisation geflossen sein.

AFFÄREN FORDERN PROMINENTE OPFER

Über die Skandale stolperten der 49-jährige Kleinfeld sowie der frühere Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Firmenchef Heinrich von Pierer, obwohl in beiden Fällen eine persönliche Verstrickung bislang nicht bekannt ist. Kleinfeld hatte Ende April seinen Rückzug erklärt, obwohl er in seinen zwei Jahren im Amt alle Geschäftsziele erreicht hatte. Er gab auf, weil der Aufsichtsrat wegen der Korruptionsaffären die Verlängerung seines Vertrags weiter hinauszögern wollte. Kleinfelds berufliche Zukunft ist noch offen.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat äußerten sich zufrieden mit der Nachfolgeregelung. Löscher sei nach den jüngsten Gesprächen wohl in der Lage, den Konzern in ruhigeres Fahrwasser zu führen. "Er hat den Arbeitnehmervertretern zugesagt, dass es unter seiner Führung keine Kahlschlagpolitik in Deutschland und anderswo geben wird und er alles tun wird, die Arbeitsplätze bei Siemens zu sichern", hieß es in einer Mitteilung. Siemens hat weltweit über 470.000 Beschäftigte.

Neben dem Chefposten gibt es im Zentralvorstand der Münchner eine weitere Veränderung. Der bisherige Chef der Gebäudetechniksparte, Heinrich Hiesinger, wird ab Juni in das oberste Führungsgremium des Konzerns einziehen. Der 46-Jährige wird Europa-Chef und ab 2008 auch das Personalressort leiten. Als Europa-Chef ersetzt er Johannes Feldmayer, der zuletzt nach seiner zeitweiligen Verhaftung im Zusammenhang mit einer der Schmiergeldaffären von seinen Aufgaben entbunden worden war. Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmayer Untreue vor, was dieser abstreitet.

 

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