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Überraschender Rücktritt: Wurde EnBW-Chef Claassen Opfer einer Intrige?

Karlsruhe, 20.06.2007 17:40 Uhr (FS)

Die EnBW hat den überraschenden Rücktritt ihres Vorstandes, Prof. Dr. Utz Claassen mitgeteilt. Lt. Pressemitteilung "...dass er aus strukturellen, professionellen, persönlichen und familiären Gründen für eine Neubestellung zum 1. Mai 2008 und damit für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung steht."

Nach SWR-Recherchen sind aber offenbar andere Gründe ausschlaggebend für den Rückzug des Managers: So sollen die beiden EnBW-Hauptaktionäre, die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) und der französische Stromriese EdF, sich bereits vor Wochen darauf verständigt haben, dass sie den Vertrag mit Vorstandschef Utz Claassen nicht mehr verlängern wollen.

Unter größter Geheimhaltung hätten sie Personalberater losgeschickt, um einen Nachfolger zu suchen und seien offenbar bereits fündig geworden. Claassen soll davon erst gestern Nachmittag Wind bekommen haben, als auf einer Sitzung der Aktionäre der neue Favorit gehandelt wurde. Als Konsequenz habe er daraufhin noch am Abend der Führungsebene des Konzerns seinen Verzicht auf eine Vertragsverlängerung mitgeteilt.

Die Mehrheitsaktionäre EdF und OEW teilten inzwischen offiziell mit, dass sie die persönliche Entscheidung Claassens respektierten. Beide sind mit jeweils 45,01 Prozent an der Energie Baden-Württemberg AG beteiligt. Es werde alles getan, um eine "gute Kontinuität" in den Geschäften des Versorgers zu sichern, erklärten sie. Claassen war 2003 zum EnBW-Chef berufen worden und hatte das angeschlagene Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen gebracht. Spekulationen über seine Zukunft reichen von einer unternehmerischen Betätigung bis hin zu einem Wechsel in die Politik.

Weiter in der offiziellen Mitteilung:

"Mit der erfolgreich abgeschlossenen Sanierung, der planmäßigen Umsetzung der überaus ehrgeizigen Ziele des Kostensenkungsprogrammes Top Fit, drei Rekordergebnissen und drei Rekorddividenden in Folge sowie der durchgreifenden und nachhaltigen Professionalisierung der Strukturen und Abläufe im Unternehmen und der erfolgten strategischen Neuausrichtung betrachtet Prof. Claassen seine Mission mit Ablauf seines derzeitigen Dienstvertrages als erfüllt und sieht damit die Möglichkeit, sich dann nach Ablauf seiner Amtszeit anderen Dingen zuzuwenden."

Ticket-Affäre noch nicht ausgestanden

Claassen hatte in den vergangenen Monaten viel mit der Justiz zu tun. Die Staatsanwaltschaft hat in der Affäre um verschenkte WM-Tickets gegen ihn Anklage wegen Vorteilsgewährung erhoben. Der Energieboss soll Ende 2005 insgesamt sieben Landespolitikern Gutscheine für kostenlose WM- Eintrittskarten angeboten haben. Ein Prozesstermin steht bisher nicht fest.

Snapshot EnBW Aktie (Stand: 20.06.2007)

EnBW Aktiensnapshot vom 20.06.2007
EnBW Aktiensnapshot vom 20.06.2007

 

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