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Leichter zum Kredit -KFW Bank übernimmt 50% Ausfallrisiko

Frankfurt/Main, 03.07.2007 10:25 Uhr (redaktion)

In einem Interview mit der MittelstandDirekt erläutert Walter Steffes, Abteilungsdirektor Information & Beratung bei der KFW, die verbesserten Bedingungen für Mittelständler Unternehmerkredite zu erhalten.

Ab sofort übernimmt die KfW die Hälfte des Risikos, wenn eine Bank einen Unternehmerkredit vergibt. "Das erleichtert den Zugang zum Kredit – vor allem für diejenigen, die bislang mangels Sicherheiten abgelehnt wurden", sagt Walter Steffes von der KfW und stellt noch weitere Verbesserungen in Aussicht.

MittelstandDirekt:
Ab Juli 2007 bietet die KfW beim Unternehmerkredit für Mittelständler und Freiberufler eine 50prozentige Haftungsfreistellung an. Was genau bedeutet das?

Walter Steffes:
Die Haftungsfreistellung bezieht sich zunächst nur auf das Verhältnis zwischen Hausbank und KfW. Wie gehabt vergibt die Hausbank den Kredit an den Endkunden.
Neu ist, dass die KfW den Banken und Sparkassen anbietet, die Hälfte des Kreditausfallrisikos zu übernehmen. Im Falle des Scheiterns der Finanzierung würde die KfW 50 Prozent des Ausfalls übernehmen.

Damit wird den Banken die Entscheidung erleichtert, einen Kredit zu vergeben, insbesondere in Grenzfällen.

MittelstandDirekt:
Braucht der Unternehmer dann keine anderen Sicherheiten mehr?

Walter Steffes:
Doch. Auch für einen Unternehmerkredit müssen grundsätzlich "bankübliche Sicherheiten" hinterlegt werden. Welche Sicherheiten die Bank konkret verlangt, richtet sich nach den bankinternen Vorgaben, darauf nimmt die KfW keinen Einfluss. In der Regel kann sich das Kreditinstitut jedoch mit weniger Sicherheiten zufrieden geben, als das ohne Haftungsfreistellung der Fall ist.

Im Falle des Ausfalls ist es auch die Bank, die die Sicherheiten verwertet. Der Erlös wird zur Tilgung eingesetzt, einen verbleibenden Schaden teilen sich Bank und KfW dann zu jeweils 50 Prozent.

MittelstandDirekt:
Welche Bedeutung hat die Haftungsfreistellung? Was wird sich dadurch verändern?

Walter Steffes:
Wir schaffen mit der Haftungsfreistellung einen zusätzlichen Anreiz für die Banken, auch denjenigen Kunden eine Finanzierung anzubieten, die sonst mangels Sicherheiten keinen Kredit bekommen würden.

Wir haben das Instrument Haftungsfreistellung ja bereits früher angeboten, damals war es bei den Banken sehr gefragt. Es wurde zum 1.4.2005 auch nur deshalb eingestellt, weil wir damals das risikogerechte Zinssystem eingeführt haben.

Hierbei kann die Hausbank ihr Risiko in Abhängigkeit von der Bonität des Kunden und seiner Sicherheiten besser bepreisen: Ist die Bonität und Besicherung gut, ist der Kredit günstig. Ist die Bonität und die Besicherung weniger gut, ist der Kredit teurer.

Dieses System hat sich am Markt gut etabliert. Allerdings scheint für Banken das Risiko bei Kunden mit schlechterer Bonität und/oder wenig werthaltigen Sicherheiten nach wie vor zu hoch.

Dank der Haftungsfreistellung kann die Bank nun ihr Kreditausfallrisiko auf die Hälfte reduzieren. Wir hoffen, dass es damit auch für die schwächeren Kunden einfacher wird, einen Unternehmerkredit zu bekommen.

MittelstandDirekt:
Werden durch die Risikoübernahme die Kredite teurer?

Walter Steffes:
Nein. Für den Endkunden verändert sich an den Zinskonditionen nichts. Für die Bank verringert sich allerdings anteilig die Risikomarge, denn sie muss sich diese mit der KfW teilen.

MittelstandDirekt:
Wer kann einen Unternehmerkredit bekommen?

Walter Steffes:
Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmer sowie Freiberufler mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro, die expandieren oder ihr Unternehmen modernisieren. Der Höchstkredit für Investitionen beträgt 10 Millionen Euro, eine Mindestsumme gibt es nicht. Auch Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland können gefördert werden.

Die Unternehmen müssen bereits seit mindestens zwei Jahren am Markt sein. Für Gründer und Jungunternehmer gibt es andere Programme mit Haftungsübernahme der KfW, zum Beispiel Mikro-Darlehen und StartGeld oder das Unternehmerkapital Gründung.

Ausgeschlossen von der Haftungsfreistellung ist die Finanzierung der Betriebsmittel.

MittelstandDirekt:
Lohnt es sich für Unternehmer, jetzt eine neue Anfrage zu starten, wenn die Bank in der Vergangenheit die Vergabe eines Kredites abgelehnt hat?

Walter Steffes:
Zunächst einmal sollte sich ein Unternehmer nach einer Kreditablehnung genau die Gründe dafür ansehen und mit dem Firmenkundenberater besprechen. Viele Gründe können für eine Ablehnung ausschlaggebend sein. Wenn die Kreditvergabe an mangelnden Sicherheiten gescheitert ist, kann eine erneute Anfrage durchaus sinnvoll sein.

Sind aber andere Gründe ausschlaggebend für eine Ablehnung - ist die Bonität etwa zu niedrig oder überzeugt das Investitionsvorhaben nicht - , dann hilft auch das Instrument der Haftungsfreistellung nicht.

MittelstandDirekt:
Bei Programmen für Gründer mit kleinem Kapitalbedarf wie StartGeld und Mikro-Darlehen gibt es bislang eine 80prozentige Haftungsfreistellung, Presseberichten zufolge ist sogar eine 100prozentige Risikoübernahme geplant. Stimmt das?

Walter Steffes:
Wir arbeiten derzeit an einem neuen, verbesserten Produkt für Existenzgründer. Wir planen, die beiden Programme ab nächstem Jahr zusammenzufassen. Um das neue Angebot für die Banken noch attraktiver zu machen, wollen wir ihnen anbieten, 100 Prozent des Ausfallrisikos zu übernehmen. Dies soll den Zugang von Existenzgründern zu Finanzmitteln noch einmal erheblich verbessern.

MittelstandDirekt:
Wo bekomme ich Informationen über die Möglichkeiten der KfW-Kredite?

Walter Steffes:
Auf jeden Fall bei uns und auch bei Hausbanken oder Kammern. Oft ist es aber sinnvoll, vor dem Gespräch mit der Bank eine Erstberatung der KfW in Anspruch zu nehmen. Diese wird kostenlos in den Beratungszentren der KfW in Berlin, Frankfurt am Main und Bonn angeboten.

Außerdem gibt es in Zusammenarbeit mit den Kammern regelmäßig monatliche KfW-Sprechtage an bundesweit über 50 Standorten. Thema dieser Finanzierungsberatungen für Gründer und mittelständische Unternehmen sind allgemein öffentliche Mittel, also nicht nur KfW-Kredite. Denn für manche Projekte können Landesförderungen günstiger sein.

Damit die Beratung möglichst viel bringt, ist es sinnvoll, dass die Planung für das zu finanzierende Projekt schon relativ konkret ist. In etwa einer Stunde zeigt der Berater dem Gründer oder Unternehmer dann die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten auf und gibt Tipps, zum Beispiel was an dem Businessplan noch verbessert werden könnte oder wie er sich auf ein Bankgespräch vorbereiten kann.

02.07.2007, die Fragen stellte Alrun Jappe, unique relations

 

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