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Fehlstart der Abgeltungsteuer: von Dieter Lendle (DDI)

Frankfurt/Main, 07.08.2007 10:13 Uhr (Dieter Lendle)

In der monatlichen Kolumne greift Dieter Lendle, Geschäftsführender Vorstand des Deutsche Derivate Instituts greift das aktuelle Thema "Abgeltungsteuer" auf.

Seit Jahren setzt sich die Finanzwelt für die Einführung einer Abgeltungsteuer ein. Die Gleichbehandlung aller Kapitalanlagen, weniger Komplexität durch Pauschalierung, der Rückfluss von Kapital nach Deutschland und die Abschaffung des Kontenabrufverfahrens waren Ziele, die mit der neuen Steuer verbunden wurden.

Leider sieht die Realität nun ganz anders aus. Die Konsensbildung bei der Reform der Unternehmenssteuern hat die Abgeltungsteuer auf der Strecke gelassen. Durch die Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens und der Abzugsmöglichkeit von Werbungskosten sowie weitere Verschlechterungen ergibt sich für Privatanleger eine substanzielle Erhöhung der Steuerlast. Das gerade erst für verfassungskonform erklärte Kontenabrufverfahren bleibt, die Anreize zum Wertpapiersparen bleiben gering und langfristige Sparformen werden nicht gefördert.

In der Übergangsfrist zur Abgeltungsteuer wird der boomende Zertifikatemarkt durch eine diskriminierende Sonderregelung getroffen. Der freie Wettbewerb der Kapitalanlagen wird also auch in Zukunft durch Steuerüberlegungen beeinflusst werden. Wie lange müssen wir noch warten, bis alle Kapitalanlagen gleichgestellt werden und der Staat sich aus dem Wettbewerb heraushält?

Schade, die Abgeltungsteuer hätte einen besseren Start verdient.

 

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