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Interview zum Thema Limited - Rechnungslegung, Prüfung und Publizität

Nürnberg, 05.09.2007 11:40 Uhr (redaktion)

Für das Interview zum Thema "Limited und GmbH- Reform" konnten wir Herrn Michael Wiehl, Rechtsanwalt bei Rödl & Partner, gewinnen.

Herr Wiehl, die Tagespresse überschlägt sich mit Lob über die einfache und schnelle Gründung einer Limited in Deutschland. Gründungsagenturen im Internet erleben einen nie dagewesenen Boom. Herr Wiehl, was ist dran am Siegeszug der Limited in Deutschland?

In der Tat findet die englische Limited in Deutschland regen Zuspruch. Gerade kleine Unternehmen oder Handwerksbetriebe betrachten die Limited als ideale Gesellschaftsform. Und tatsächlich - die Vorteile sind verlockend. Internetanbieter ermöglichen eine „Blitzgründung“ innerhalb von 24 Stunden bei Kosten von nur wenigen Hundert Euro. Als Stammkapital genügt £ 1,00. Die unbürokratische Gründung und die vermeintlich einfache Handhabung einer Limited haben einen Boom ausgelöst. Nie war es in Deutschland leichter, Unternehmer zu werden und eine Gesellschaft zu gründen.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Nun, möglich gemacht hat diese rasante Entwicklung der Europäische Gerichtshof. Dieser erklärte es als mit der Niederlassungsfreiheit in Europa unvereinbar, dass eine ausländische Gesellschaftsform im Inland nicht anerkannt wird. Im viel zitierten „Centros“-Urteil ging es erstmals um die Anerkennung einer englischen Limited in Dänemark. Für Deutschland wurde diese Rechtsprechung im sogenannten „Überseering“-Urteil des EuGH bestätigt. Diese Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs bildete das Ende der bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland vorherrschenden „Sitztheorie“. Diese besagte - vereinfacht gesprochen -, dass eine Gesellschaft sich immer nach dem Recht zu richten hat, welches an ihrem Sitz gilt. Abgelöst wird die Sitztheorie von der nunmehr vorherrschenden „Gründungstheorie“, wonach sich das Recht einer Gesellschaft immer nach dem Staat richtet, in dem die Gesellschaft gegründet wurde. Eine zwangsläufig in England zu gründende Limited mit Sitz in Deutschland unterliegt somit nunmehr vollumfänglich englischem Recht, nach früherer deutscher Ansicht deutschem Recht.

Warum wird die Limited als so attraktiv empfunden?

Die Limited stellt sich als im Vergleich zur deutschen GmbH vermeintlich unbürokratischere Gesellschaftsform dar. Als Vorteile werden zum einen das nicht nennenswerte Mindestkapital von nur £ 1,00, zum anderen die schnelle und weitgehend reibungslose Gründung, beispielsweise durch professionelle Gründungsagenturen im Internet angesehen.

Welche Gefahren sind mit der Wahl einer ausländischen Rechtsform wie der Limited verbunden?

Angesichts der Leichtigkeit der Gründung einer Limited von Deutschland aus wird häufig übersehen, dass die Limited als englische Gesellschaftsform in allen Teilbereichen vollumfänglich englischem Recht unterliegt, auch was die gesellschaftsrechtlichen „Spielregeln“ wie Gesellschafterversammlungen, Beschlussfassungen und Besetzung der Organe betrifft. Dabei sind Einzelheiten wie etwa im Bereich der Geschäftsführerhaftung noch größtenteils ungeklärt. Sie kann unter Umständen schärfer als nach deutschem Recht ausfallen. Nach wie vor völlig ungewiss ist auch, wie sich der Geschäftsführer im Falle drohender Insolvenz zu verhalten hat. Hauptthema ist hier die Insolvenzverschleppungshaftung. Hinzu kommt als weiterer erheblicher Nachteil, dass eine in England gegründete, aber von Deutschland aus betriebene Gesellschaft in beiden Ländern einer Handelsregisterpflicht unterliegt. Auch das englische Recht kennt umfangreiche Offenlegungs- und Publizitätsvorschriften. So sind jährlich - neben den Offenlegungsverpflichtungen in Deutschland - nach englischem Recht anerkannte Jahresabschlüsse und ein sog. „Annual Report“ beim dortigen Register einzureichen. Verstöße hiergegen werden empfindlich sanktioniert. Man könnte verallgemeinernd sagen, dass das geringere Haftungssubstrat durch strengere Kontrolle kompensiert wird. Die Nachteile einer solchen doppelten Registerpflicht liegen auf der Hand. So sind doppelte Gebühren zu bezahlen, außerdem fallen Folgekosten für Übersetzungen, für die häufig notwendige Beratung im ausländischen Recht etc. an.

Welche Konsequenzen zog der deutsche Gesetzgeber aus dem Siegeszug der Limited?

Nun, der deutsche Gesetzgeber ist daran, zu reagieren. So hat die Bundesregierung einen umfangreichen Gesetzesentwurf zur Modernisierung des GmbH-Rechts vorgelegt. Demnach soll das Mindeststammkapital von bislang EUR 25.000,00 auf EUR 10.000,00 gesenkt werden. Ferner soll die Eintragung von GmbHs beschleunigt werden. Weitere Themen der geplanten Reform sind die Erhöhung der Transparenz sowie die Verschlankung des Eigenkapitalersatzrechts. All diese Reformvorschläge zielen darauf ab, die GmbH im Wettbewerb mit ausländischen Gesellschaftsformen wieder attraktiv und wettbewerbsfähig zu machen.

Ihr Fazit, Herr Wiehl?

Wer die deutsche GmbH vorschnell als Auslaufmodell bezeichnet, tut ihr Unrecht. Gerade in jüngerer Zeit mehren sich die Berichte, dass die Limited für deutsche Unternehmer doch nicht, wie offenbar geglaubt, die ideale Gesellschaftsform darstellt. So dient ein gewisses gesetzlich vorgeschriebenes Mindeststammkapital als Seriositätsschwelle im kaufmännischen Verkehr. Aus Sicht möglicher Geschäftspartner ist die Limited daher nicht unbedingt die erste Wahl, vor allem nicht gegenüber Banken. Darüber hinaus ist abzusehen, dass die Limited anfällig für Missbrauch ist. Ein Pauschalurteil über diese Gesellschaftsform ist sicherlich fehl am Platz. Es mag Fälle geben, in denen die Limited bei richtiger Beratung tatsächlich die richtige Gesellschaftsform ist, für das Gros der Neugründungen in Deutschland ist und bleibt die „traditionelle“ GmbH aber die bessere Alternative.

Herr Wiehl, vielen Dank für das Gespräch!

Michael Wiehl
Michael Wiehl -Fachanwalt für Steuerrecht

 

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