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Zukunftsmarkt bAV: Deutsche unterschätzen verfügbares Kapital in der Rente

Nürnberg, 05.09.2007 11:26 Uhr (Patrick Maihöfer)

Aktuelle Informationen zu Fragen der betrieblichen Altersversorgung.

Nach wie vor unterschätzt der Großteil der Deutschen die Versorgungssituation im Alter. Die meisten deutschen Arbeitnehmer erwarten, dass sie im Alter ungefähr 70 Prozent ihres letzten Brutto-Haushalts-Einkommens vor Renteneintritt zur Verfügung haben werden. Tatsächlich werden sie stattdessen nur 56 Prozent erreichen. Diese Zahlen ermittelte das Fondsmanagement-Unternehmen Fidelity International in dem nun vorliegenden Fidelity REAL-Index.

Durch diesen Index liegt erstmals eine Kennzahl vor, die das deutsche Versorgungsniveau im Alter umfassend und objektiv abbildet. Bei der Erhebung wurde ebenfalls konkret ermittelt, dass 81 Prozent der Befragten der Meinung sind, im Alter einigermaßen gut abgesichert zu sein. 59 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, ihren Lebensstil im Alter im Großen und Ganzen beibehalten zu können. In diesen Fällen scheint das „böse Erwachen“ im Alter vorprogrammiert zu sein.

Das alarmierende Ergebnis der Erhebung muss als Chance für die Betriebliche Altersversorgung verstanden werden, die erheblich ausgebaut werden muss. Denn im Vergleich zu privaten Vorsorgemaßnahmen führt sie ein vergleichsweise bescheidenes Dasein. Konkret bedeutet dies, dass nur 18 Prozent der Erwerbstätigen, die zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung Altersvorsorge betreiben, dies über betriebliche Versorgungsmaßnahmen tun.

Allerdings ist eine Verschiebung der Vorsorgemaßnahmen hin zur betrieblichen Altersversorgung absehbar und zwingend. Aufgrund der stetig ansteigenden Lebenserwartung rückt die ordentliche finanzielle Absicherung des Alters mehr und mehr in den Mittelpunkt des Bewusstseins der Bundesbürger.

Derzeit leisten die öffentlich-rechtlichen Pflichtsysteme mit einem Anteil von rund 85 Prozent den weitaus größten Beitrag zur Alterssicherung in Deutschland. Die betriebliche Altersversorgung trägt im Gegenzug lediglich 5 Prozent zu den Alterseinkünften bei. Angesichts der Leistungsrücknahmen der gesetzlichen Rente wird es aber zu Verschiebungen bei den relativen Gewichten im Drei-Säulen-Modell hin zur privaten und insbesondere zur betrieblichen Altersvorsorge kommen.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass in etwa 30 Jahren, die gesetzliche Rente in Deutschland nur noch etwa zwei Drittel zu den gesamten Alterseinkünften beitragen wird. Eine Finanzierung der Altersbezüge muss somit in Zukunft auch verstärkt über betriebliche Vorsorgeinstrumente erfolgen. Laut Aussage des renommierten Freiburger Renten- und Sozialexperten Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen verkörpert die betriebliche Altersversorgung vor diesem Hintergrund die ausbaufähigste Säule im deutschen Alterssicherungssystem.

Dieser Umstand muss auch von der Politik wahrgenommen werden und diese ermutigen, die Vorteile und Attraktivität der betrieblichen Altersversorgung auch zukünftig durch die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu fördern, statt sie zu untergraben.

 

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