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Martin Blessing wird neuer Chef der Commerzbank

Frankfurt/Main, 06.11.2007 16:29 Uhr (redaktion)

Vorstandschef Klaus-Peter Müller übergibt nach der Hauptversammlung im Mai 2008 das Zepter an den fast zwanzig Jahre jüngeren Martin Blessing. Müller selbst will wie erwartet für den Aufsichtsrat kandidieren.

zweitgrößte deutsche Bank teilte am Dienstag neben dem Managementwechsel deutlich höhere Belastungen wegen der Krise im US-Hypothekenmarkt mit. Im dritten Quartal musste sie 291 Millionen Euro abschreiben - das ist deutlich mehr als angekündigt. Anleger hatten jedoch mit noch größeren Verlusten gerechnet und reagierten erleichtert: Die Commerzbank-Aktie kletterte um fast vier Prozent auf 28,18 Euro und setzte sich an die Spitze im Leitindex Dax.

Blessing verfüge über die besten Voraussetzungen, um die Commerzbank auf ihrem Wachstumskurs weiter voranzubringen, sagte Müller über seinen designierten Nachfolger. Er selbst hatte den den 44-jährigen 2001 von der Allianz-Gruppe zur Commerzbank geholt. Zunächst war der ehemalige McKinsey-Berater dort für das Privatkundengeschäft zuständig, später wechselte er in die Mittelstandssparte, dem Herzstück der Bank, das er zum rentabelsten Geschäftsbereich des Geldhauses ausbaute. Zuletzt erwirtschaftete der Bereich eine operative Eigenkapitalrendite von 42,5 Prozent. Die Gesamtbank erwartet für 2007 eine bereinigte Nachsteuerrendite von gut zwölf Prozent.

Auslöser für Müllers Wechsel in den Aufsichtsrat ist der Rückzug von dessen derzeitigen Chefs. Martin Kohlhaussen ist 72 Jahre alt und muss deshalb nach der Hauptversammlung im nächsten Jahr aufhören.

Der operative Gewinn der Commerzbank stieg im dritten Quartal trotz der höheren Belastungen aus der US-Hypothekenkrise um sieben Prozent auf 361 Millionen Euro. Der Überschuss lag dank steuerlicher Verlustvorträge mit 339 Millionen Euro sogar fast 60 Prozent über dem Vorjahresquartal. Analysten hatten allerdings mit deutlich mehr gerechnet. "Die Zahlen waren zwar vom Nettoergebnis her schwach, aber dass die Abschreibungen auf das US-Subprime-Engagement nur 291 Millionen Euro betragen, wird mit Erleichterung aufgenommen", resümierte ein Händler. Bereits im zweiten Quartal hatte die Bank wegen der Probleme an den weltweiten Kreditmärkten rund 40 Millionen Euro abgeschrieben. Die Bank hatte ursprünglich angekündigt, im dritten Quartal noch einmal so viel wertberichtigen zu müssen.

Der Provisionsüberschuss der Commerzbank stieg im vergangenen Vierteljahr um 13 Prozent auf 810 Millionen Euro. Die Zinserträge gingen dagegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast fünf Prozent auf 999 Millionen Euro zurück. Im Handelsergebnis hinterließ die Finanzkrise deutliche Spuren: Es brach um fast 30 Prozent auf 124 Millionen Euro ein. Positiv schlugen allerdings leicht gesunkene Verwaltungskosten von 1,28 (Vorjahreszeitraum: 1,29) Milliarden Euro sowie eine reduzierte Risikovorsorge für faule Kredite von 107 (415) Millionen Euro zu Buche.

 

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