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Vom Mieter zum Eigentümer - 9 Prozent der Mieter würden ihre Wohnung gern kaufen

Köln, 26.11.2007 12:00 Uhr (redaktion)

Bei besseren Rahmenbedingungen dürften allerdings noch weit mehr daran interessiert sein, ihre eigenen vier Wände zu erwerben. Dies sind zentrale Ergebnisse einer neuen Studie zur Wohnungsprivatisierung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für den Zentralen Immobilienausschuss (ZIA). Außerdem: Wer eine Wohnung kauft, will meist hohen Mieten entgehen und fürs Alter vorsorgen.

Deutschland gilt als Mieternation. Etwa 58 Prozent der Haushalte sind in einer Mietwohnung zu Hause – so viel wie in keinem anderen EU-Land. Das hat in den vergangenen Jahren viele Investoren dazu bewogen, in den deutschen Wohnungsmarkt einzusteigen, um Wohnungen zu renovieren und dann gewinnbringend weiter zu verkaufen. Denn Unternehmen sehen ein lohnendes Geschäft darin, ihre Bestände an die Mieter zu veräußern.

Doch welche Kaufmotive hatten ehemalige Mieter tatsächlich? Und welches Potenzial steckt noch in der Wohnungsprivatisierung, also dem Verkauf von Wohnungen an die jeweiligen Mieter? Diesen und anderen Fragen ist das IW im Rahmen einer Studie für den Zentralen Immobilienausschuss (ZIA) nachgegangen. Hierzu wurden über 6.000 Haushalte angeschrieben, deren Mitglieder entweder in großen Wohnanlagen als Mieter leben oder aber bereits Eigentum in solchen Gebäuden besitzen. Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

 

Für fast 30 Prozent der Befragten liegt die laufende Zins- und Tilgungslast sogar unter der früheren Mietzahlung, d.h. die Haushalte haben mehr Geld zur freien Verfügung.


 

Besonders Haushalte mit einem Nettoeinkommen bis 1.750 Euro stehen in dieser Beziehung gut da: Sie berappen für ihre vier Wände in der Hälfte der Fälle genauso viel oder weniger als noch zu ihrer Zeit als Mieter. Geholfen haben wohl auch die historisch niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre.

Wer mehr verdient, der zahlt hingegen meist auch mehr für die eigene statt für die gemietete Wohnung. Dies spricht dafür, dass einkommensstärkere Haushalte die Immobilie über einen größeren Tilgungsanteil schneller entschulden möchten.

Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass über 84 Prozent aller neuen Eigentümer gleich viel oder sogar weniger für die Zins- und Tilgungsleistungen aufwenden, als sie geplant haben. Der Wohnungskauf war also mehrheitlich wohl durchdacht.

Zurückhaltende Mieter. Nur etwa 9 Prozent der Mieter würden laut der IW-Umfrage die Wohnung, in der sie zu Hause sind, gerne kaufen. Bei den unter 50-Jährigen und den Familien liegt die Quote mit rund 14 Prozent etwas höher. Dennoch sind diese Werte beachtlich, denn die befragten Mieter verdienen eher unterdurchschnittlich und leben typischerweise in älteren Wohnanlagen.

Dass die Mehrheit der Mieter kein Interesse hat, ihr Wohnzimmer, Küche und Co. zu kaufen, liegt insbesondere an zwei Dingen: Zum einen fürchten die Mieter die finanzielle Belastung aus einem Kauf. Angesichts der Erfahrungen der Eigentümer scheint diese Sorge jedoch vielfach unbegründet zu sein. Bessere Infos tun somit not. Zum anderen verweisen viele Befragte auf das schlechte soziale Umfeld. Weitere Investitionen der Wohnungsgesellschaften, beispielsweise in Jugendzentren und Grünflächen, könnten dies verbessern und manch schlummerndes Kaufinteresse wecken.

Die Wohnungsgesellschaften können darüber hinaus noch mehr tun, um ihren Mietern die Wohnungen schmackhaft zu machen:


 

So gaben über 50 Prozent der Familien an, dass ihnen die Kaufentscheidung deutlich leichter fallen würde, wenn sie mit der Wohnungsgesellschaft eine Rücknahmevereinbarung schließen könnten.


 

Würden die Eigentümer zum Beispiel arbeitslos, hätten sie die Möglichkeit, die Wohnung an das Wohnungsunternehmen zu verkaufen, aber weiterhin als Mieter darin zu leben. Auch ein Zuschuss zu den Erwerbsnebenkosten, wie der Grund­erwerbsteuer und den Notarkosten, käme etwa der Hälfte der jüngeren Mieter entgegen. Ein Teil der Wohnungsgesellschaften überdenkt derzeit solche Modelle, auch in Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Ein besonderer Schwerpunkt der IW-Untersuchung lag auf dem Bereich der Altersvorsorge. Sie ist neben der Angst vor zu hohen Mieten einer der Hauptgründe für einen Wohnungskauf (Grafik):

Kaufen statt Mieten
Kaufen statt Mieten


 

Etwa 70 Prozent der Befragten sehen im Kauf von Immobilien eine sinnvolle Ergänzung der Altersvorsorge; für rund die Hälfte ist sie sogar die wichtigste Form.


 

Wohnungseigentümer setzen jedoch nicht nur auf ein Pferd, was Vorsorge angeht. Gut 70 Prozent der besser verdienenden Eigentümer zahlen neben den Tilgungen für ihre vier Wände in einen Rentenvertrag ein (Grafik). Damit haben sie gegenüber den Mietern die Nase vorn. Auch unabhängig von Alter, Einkommen und Familienstand liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Eigentümer einen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen haben, über 6 Prozentpunkte höher als bei Mietern. Eigentlich paradox, sind doch die Mieter viel mehr auf eine private Vorsorge angewiesen, da sie im Rentenalter nicht mietfrei wohnen können und somit eine Belastung mehr zu schultern haben.

Wohnung als Eigentum
Wohnung als Eigentum

Die Befürchtung, dass Immobilien andere Anlagen verdrängen, kann also verworfen werden. Diese Behauptung war die Begründung, um Immobilien nicht in die Riesterrente zu integrieren. Viele Befragte wünschen sich aber genau das:


 

Über 55 Prozent der unter 50-jährigen Mieter fiele es leichter, sich zum Wohnungskauf zu entschließen, gäbe es wie bei der Riester-Rente auch dafür Zulagen und Steuervorteile.


 

Angesichts der Erfahrungen mit den Eigentümern und der Tatsache, dass nur die Hälfte der betrachteten Mieter einen Altersvorsorgevertrag hat, spricht viel dafür, dass Wohneigentum für einige Haushalte ein guter Startpunkt für die private Vorsorge ist.

 

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