München, 27.11.2007 14:16 Uhr (Holger M. Schmidt)
Wie kann ich den finanziellen Spielraum meines Unternehmens erweitern - ohne Haus und Hof zu verpfänden? Das fragen sich mittelständische Unternehmer zuweilen, wenn die Kreditlinie ihres Betriebs ausgeschöpft ist. Eine Möglichkeit hierzu ist der Verkauf offener Forderungen - speziell für Industriezulieferer und -dienstleister.
Der Fall
Ein mittelständisches Unternehmen hat einen vorübergehenden Liquiditätsengpass - zum Beispiel, weil es mehrere Großaufträge vorfinanzieren muss. Oder weil es mit einigen Großkunden lange Zahlungsziele vereinbart hat. Also wendet sich der Inhaber des Unternehmens an seine Hausbank mit der Bitte, die Kreditlinie zu erhöhen. Der Firmenkundenbetreuer würde dem Unternehmer gerne helfen, denn er weiß: Der Betrieb ist gesund. Seine Auftragsbücher sind voll, und in drei, vier Wochen wird das Unternehmen wieder ausreichend Kapital haben - bis in einigen Monaten das Liquiditätsproblem voraussichtlich erneut auftaucht.
Problem
Der Firmenkundenbetreuer kann dem Unternehmer aber nicht helfen. Denn die Kreditlinie erhöhen darf er nicht. Dies würden die Eigenkapitalrichtlinien der Bank nur gestatten, wenn der Unternehmer Haus und Hof verpfänden würde. Das möchte der Familienvater aber nicht - auch zum Schutz seiner Familie. Wie kann also der Liquiditätsengpass behoben werden? Oder noch besser: Wie kann dafür gesorgt werden, dass ein solcher Engpass künftig nicht mehr auftritt? Eine Möglichkeit hierzu ist der sogenannte Forderungsverkauf.
Die Liquidität steuern
Im europäischen Ausland ist dies ein weit verbreitetes Mittel, um die Liquidität von Unternehmen zu sichern. In Frankreich werden pro Jahr Forderungen im Wert von fast 100 Milliarden Euro verkauft; in England sogar von 240 Milliarden Euro. In Deutschland hingegen fristet dieses Finanzierungsinstrument noch ein Mauerblümchen-Dasein - vor allem weil noch wenige Banken diese Dienstleistung anbieten. Entsprechend gering ist das Wissen über dieses Finanzierungsinstrument. So fürchten zum Beispiel manche Unternehmen, ein Forderungsverkauf könne ihrem Image, wirtschaftlich gesund zu sein, schaden. Diese Befürchtung ist unbegründet. Denn ein Unternehmen verschuldet sich nicht, wenn es offene Forderungen verkauft. Es verkauft vorhandene Aktiva.
Dessen ungeachtet muss der Forderungsverkauf gewisse Grundbedingungen erfüllen, wenn es für Unternehmen ein geeignetes Instrument zum Steuern der Liquidität sein soll:
So funktioniert ein Forderungsverkauf
Wie diese Art des Forderungsverkaufs funktioniert, sei an einem fiktiven Beispiel illustriert: Unternehmen "Schaff-viel" ist immer wieder weitgehend ausgeschöpft, während es zugleich hohe Außenstände hat. Diese Liquiditätsengpässe möchte der Inhaber künftig vermeiden, um einen größeren unternehmerischen Handlungsspielraum zu haben. Also kontaktiert er zum Beispiel die HAWK Deutschland GmbH, die sich auf den Ankauf von Forderungen mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat. Der Inhaber von Schaff-viel teilt HAWK bei einem Treffen mit, von welchen Debitoren sein Unternehmen gerne Forderungen verkaufen möchte - zum Beispiel, weil es mit ihnen lange Zahlungsziele vereinbart hat oder weil die offenen Forderungen eine bestimmte kritische Höhe überschreiten. Das Unternehmen Schaff-viel bestimmt also selbst, von welchen Kunden es Forderungen verkauft.
Daraufhin werden die ausgewählten Kunden bezüglich ihrer Bonität und Zahlungsmoral bewertet. Außerdem wird mit Schaff-viel für jeden Kunden ein Limit vereinbart, bis zu dem HAWK Forderungen an ihn aufkauft. Aus der Addition der Limits ergibt sich der Gesamtbetrag, bis zu dem ein Forderungsverkauf möglich ist - zum Beispiel 100.000 oder 250.000 Euro, abhängig vom Liquiditätsrahmen, den Schaff-viel benötigt. Dieser Betrag wird in einem Rahmenvertrag festgeschrieben.
Hat nun Schaff-viel eine Forderung an einen der ausgewählten Kunden, dann tritt das Unternehmen diese an HAWK ab. Dies geschieht weitgehend papierlos via Download und Internet. Binnen 24 Stunden erhält Schaff-viel daraufhin 80 Prozent des Rechnungsbetrags. Der Rest wird dem Unternehmen gutgeschrieben, sobald der Kunde gezahlt hat oder spätestens 90 Tage nach Fälligkeit - selbst wenn der Kunde nicht zahlt. Dies ist möglich, weil die angekauften Forderungen versichert sind.
Eine sich stets neu füllende Geldquelle
So verfährt Schaff-viel mit allen Forderungen, die gegenüber den im Rahmenvertrag fixierten Kunden entstehen, und zwar so lange bis das vereinbarte Limit erreicht ist. Dann kann das Unternehmen entweder das Limit erhöhen, was in der Regel binnen 24 Stunden möglich ist. Oder Schaff-viel wartet, bis der Kunde abgetretene offene Forderungen beglichen hat. Dann kann das Unternehmen wieder offene Forderungen, die es an den Kunden hat, verkaufen. Hierfür ein Beispiel:
Nehmen wir an, für den Kunden A legte Schaff-viel im Rahmenvertrag ein Limit von 60.000 Euro fest und von den bereits verkauften Forderungen sind noch 50.000 Euro offen, also nicht bezahlt.
Dann kann Schaff-viel noch Forderungen im Wert von 10.000 Euro verkaufen. Zahlt nun der Kunde aber eine Rechnung über 20.000 Euro, dann erhöht sich dieser Betrag automatisch wieder auf 30.000 Euro. Der Forderungsverkauf funktioniert also ähnlich wie ein Dispokredit. Der Vorteil für das Unternehmen: Es muss nicht bei jeder neuen offenen Forderung nachfragen, ob ein Forderungsverkauf möglich ist. Es hat vielmehr eine feste Planungsgrundlage zum Steuern seiner Liquidität.
Für diesen Service zahlt das Unternehmen monatlich eine fixe Bereitstellungsgebühr. Deren Höhe hängt von der Zahl der Debitoren und den vereinbarten Limits ab. Außerdem zahlt das Unternehmen Zinsen für die abgetretenen Forderungen, die noch nicht beglichen sind - für maximal 90 Tage, sofern der Kunde nicht zuvor bezahlt. Der Zinssatz basiert auf dem Euribor, dem durchschnittlichen Zinssatz für Termingelder im Interbankengeschäft, und wird wöchentlich aktualisiert. Hinzu kommt ein vereinbarter Margenaufschlag.
Viele Vorteile - auch für die Hausbank
Ein Forderungsverkauf in der oben skizzierten Form hat für mittelständische Unternehmen zahlreiche Vorteile:
Das Unternehmen hat eine vertraglich fest fixierte und somit zuverlässige zweite Finanzierungsquelle. Das erhöht den unternehmerischen Handlungsspielraum. Zudem steigt die Liquidität des Unternehmens, weshalb es auch mit seinen Lieferanten bessere Konditionen aushandeln kann. Hinzu kommt: Dadurch, dass das Unternehmen die verkauften Forderungen unmittelbar als Haben verbuchen kann, steigt seine Eigenkapitalquote (siehe Grafik).
Hierdurch verbessert sich auch sein Rating. Das Unternehmen kommt also leichter und günstiger an Kredite. Zudem kann es gegenüber den Banken selbstbewusster agieren. Und dies - und das ist wichtig - ohne die Beziehung zur Hausbank zu belasten. Der Grund: Da der Forderungsverkauf bankenunabhängig erfolgt, muss die Hausbank nicht befürchten: - Das Unternehmen möchte mittelfristig seine Geschäftsbeziehung mit uns lösen.
Mehr unter www.hawkfinance.de
Zum Autor:
Holger M. Schmidt ist Geschäftsführer der HAWK Deutschland GmbH, Orleanstr. 34, 81667 München.
Tel.: 089/44109971, Fax: 089/44118668
E-Mail: holger.schmidt@hawkfinance.de
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