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Zertifikate-Umsätze im Oktober -Ungleichbehandlung bei Abgeltungssteuer bleibt

Frankfurt/Main, 29.11.2007 10:43 Uhr (redaktion)

Umsatz am Derivate-Markt steigt auf 16,52 Mrd. Euro. Anleger setzen auf Teilschutz-Papiere. Produktangebot wächst auf 260.000 Papiere.

Die volatile Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten hat zu einer deutlichen Steigerung der Umsätze am Markt für strukturierte Produkte geführt. Gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres stieg das Umsatzvolumen an den deutschen Börsen im Oktober um 51 Prozent auf 16,52 Mrd. Euro. Im direkten Vergleich mit dem Vormonat September wuchs der Umsatz um 24,5 Prozent. Damit konnte ein Teil des deutlichen Umsatzeinbruchs vom September dieses Jahres (minus 27 Prozent gegenüber August 2007) wieder ausgeglichen werden. Die Ängste gegenüber den Auswirkungen der US-Subprimekrise und den damit verbundenen Bonitätsängsten haben sich offenbar gelegt.

Die Gestaltung der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer mit dem Wegfall der Spekulationsfrist von zwölf Monaten hat die Banken zu einer Beschleunigung der Emissionstätigkeit angeregt. Die Zahl der angebotenen Produkte stieg im Oktober auf das Rekordniveau von 260.711 Papieren. Im Jahresvergleich wuchs die Angebotspalette um 111 Prozent. Im Oktober emittierten die Banken 33.967 strukturierte Wertpapiere. Pro Handelstag kamen 1.476 Papiere neu auf den Markt. An keinem anderen Handelsplatz wird eine derart große Zahl von Produkten angeboten. Im Nachbarland Schweiz sind wegen der hohen Zulassungskosten börslich gerade einmal 18.000 Zertifikate und Hebelprodukte notiert. Der OTC-Markt ist dagegen fünf bis sechs Mal größer.

Zertifikate Gesamtumsatz
Zertifikate Gesamtumsatz

In der Gunst der Anleger standen im Oktober wegen der Berg- und Talfahrt an den internationalen Aktienmärkten vor allem Teilschutz-Zertifikate wie Bonus-Papiere. Deren Handelsvolumen nahm um 29,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit auf einen Marktanteil von 34,6 Prozent zu. Gegenüber dem Vormonat September kamen die Bonus-Zertifikate auf einen Umsatzzuwachs von 32 Prozent. Wesentlich deutlicher ist das Umsatzwachstum der Discount-Zertifikate gegenüber dem Vorjahr.

So sprang das Handelsvolumen um mehr als 40 Prozent auf rund 2,1 Mrd. Euro und sicherte den Rabatt-Papieren einen Marktanteil von 26,2 Prozent. Gegenüber dem September 2007 nahm der Umsatz um 19,4 Prozent zu. Der Handel bei den Index- und Partizipationszertifikaten stieg gegenüber dem Oktober 2006 um rund 20 Prozent auf 1,76 Mrd. Euro an. Der Septemberwert 2007 verbesserte sich um knapp 12 Prozent. Bei den Anlage-Zertifikaten fokussierten sich die Anleger im Oktober 2007 wieder vermehrt auf die Einzelgeschichten und setzten auf Aktien- Zertifikate. Der Marktanteil stieg gegenüber dem Vormonat um 3,5 Prozentpunkte auf 44,4 Prozent und 3,5 Mrd. Euro. Index- Produkte sind aber mit einer Quote von 49,1 Prozent und einem Volumen von 3,9 Mrd. Euro dominierend.

Zertifikate Börsenplätze
Zertifikate-Umsätze nach Börsenplätze

Ein ähnliches Bild ist auch bei den Optionsscheinen zu beobachten. Hier ist der Marktanteil der Aktienprodukte um 7,5 Prozentpunkte auf 54,20 Prozent und 1,68 Mrd. Euro gewachsen. Bei den Knockout-Produkten verschoben sich die Marktanteile um 3,3 Prozentpunkte geringfügig zu Gunsten der Aktien. Allerdings bleiben die Index-Knockout-Papiere mit einem Marktanteil von 74 Prozent gegenüber den Aktien-Papieren (17 Prozent) dominierend.

Zertifikate Anbieter
Zertifikatevolumen nach Anbieter

In der Rangliste der Emittenten gab es keine nennenswerte Verschiebung. Es führen mit der Commerzbank (29,3 Prozent) vor der Deutschen Bank (18,40 Prozent) zwei Filialbanken. Mit einem Volumen von 1,5 Mrd. Euro und einem Marktanteil von 9,4 Prozent rangiert mit der ABN Amro eine Nicht-Filial-Bank an dritter Stelle. Der Umsatz der Commerzbank stieg gegenüber dem September um 35 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro, der der Deutschen Bank um nur 12 Prozent auf 3,04 Mrd. Euro an. Der Handelsumsatz der künftig zur Royal Bank of Scotland gehörenden ABN Amro wuchs um 28 Prozent auf 1,55 Mrd. Euro. Nach den Umsatzeinbußen in den Vormonaten konnte der Emittent seinen Umsatz stabilisieren.

Ungleichbehandlung von Zertifikaten und Fonds bei Abgeltungssteuer bleibt bestehen. Privilegien der Millionärsfonds gekippt.

Der Finanzausschuss des Bundestags hat die steuerlichen Regelungen für Zertifikate nicht mehr verbessert. Das geht aus dem Text des Änderungsantrags der Bundestagsfraktionen CDU/CSU und SPD hervor. Der Bundesrat wird sich in einer abschließenden Beratung noch einmal am 30. November mit dem Jahressteuergesetz beschäftigen. Erfahrungsgemäß kommt es da allerdings zu keiner wesentlichen Änderung. Auch die Regelungen für die Publikumsfonds wurden nicht angetastet. Beim Kauf bis Ende 2008 können Anleger so den steuerlich günstigen Bestandsschutz sichern. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass Anleger oder Interessengruppen wegen der Ungleichbehandlung der Assetklassen den Rechtsweg beschreiten.

Aus dem Änderungsantrag geht ferner hervor, dass der Gesetzgeber ein wichtiges Schlupfloch für steuersensitive Anleger dicht macht: Es werden die Privilegien für private Spezialfonds-Investoren geschlossen. Damit gehören die in Luxemburg aufgelegten sogenannten „Millionärsfonds“ zu den Verlierern. Alle ab dem 10. November 2007 erworbenen Anteile an Spezialfonds und vergleichbaren Vehikeln werden von der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer erfasst. Für sie entfällt der Bestandsschutz, der für die Publikumsfonds gilt. Entsprechend dieser Regelung sind alle Fondsanteile, die bis Ende 2008 erworben werden, von der Abgeltungssteuer ausgenommen.

Luxemburg hatte erst im Februar die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Privatanleger geschaffen, Spezialfonds in eigener Sache aufzulegen. Sie konnten wie bei einer freien Vermögensverwaltung gestaltet und verwaltet werden. Ab einer Mindestanlagesumme von 1,25 Millionen Euro hätten Privatinvestoren dem deutschen Fiskus ausweichen können. Diese Möglichkeit entfällt nun sowohl für in- wie auch ausländische Spezialinvestmentvermögen, wie es in einer Stellungnahme der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD heißt. Darüber hinaus seien auch andere Fondsstrukturen von der neuen Regelung betroffen, sofern diese „entweder eine besondere Sachkunde der Anleger“ oder eine Mindestbeteiligung von 100.000 Euro voraussetzen.

 

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