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Private Equity-Branche im Rampenlicht (EVCA)

Brüssel, 03.12.2007 10:29 Uhr (Javier Echarri)

Die Private Equity-Branche steht seit einiger Zeit im Rampenlicht des öffentlichen Interesses. Übernahmen und Beteiligungen großer bekannter Unternehmen lassen scheinbar keinen Zweifel an der Gefräßigkeit internationaler Beteiligungsfirmen. In einer Zeit, in der auch mittelständische Betriebe die Vor- und Nachteile von außerbörslichem Beteiligungskapital diskutieren und Private Equity als Alternative zum schwer erhältlichen Bankkredit in Betracht ziehen, ist es an der Zeit, einen Blick auf einige wichtige Tatsachen zu werfen.

Allein Im letzten Jahr wurden über 7.500 Unternehmen in Europa durch Private Equity finanziert. Unter ihnen sowohl neu gegründete Unternehmen als auch Mittelständler und große börsennotierte Aktiengesellschaften. Wir sprechen also von einer Branche, die eine entscheidende Rolle bei Aufbau und Restrukturierung von Unternehmen sowie der Unterstützung der gesamten Wirtschaft spielt.

Mittelstand profitiert am stärksten
Am meisten Aufsehen erregen momentan die großen Buyout-Deals, die zwar die höchsten Summen auf sich ziehen, aber mit 31 europäischen Transaktionen im Jahr 2006 den kleinsten Teil der Gesamtzahl aller Beteiligungen ausmachen. Diese Buyouts beziehen sich in der Regel auf Unternehmen, die unproduktiv geleitet oder finanziert werden und die ihre Bilanzen überprüfen und weniger teure Finanzierungswege beschreiten müssen, wenn sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben sollen. Doch von den meisten Private Equity-Investitionen profitieren eindeutig die kleinen und mittelständischen Unternehmen:


 

90 Prozent der im letzten Jahr mit Private Equity finanzierten Unternehmen beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter.


 

Schließlich ist die Gründungs- und Frühphasenfinanzierung besonders wichtig für die europäische Wirtschaft, wenn es darum geht, Innovationen zu fördern und hochwertige Jobs zu schaffen. 5,9 Mrd. Euro flossen im letzten Jahr als Investition in 2250 Unternehmen. Diese aktive Art der Investition hat mittlerweile globale Marktführer wie Skype oder Alantos hervorgebracht.

Dazu gehört auch die deutsche Business-Networking-Plattform Xing, die 2005 von Wellington Partners mit Venture Capital finanziert wurde. Seit Ende 2006 wird die Xing AG an der Frankfurter Börse notiert und beschäftigt aktuell 87 Mitarbeiter. Der erfolgreiche Börsengang hing maßgeblich von der Unterstützung und der großen Erfahrung des deutschen Beteiligungsunternehmens ab.

Hauptkritikpunkte Transparenz und Arbeitsplatzabbau
Doch wie kommt die massive Kritik an Private Equity zustande? Die hartnäckigsten Kritikpunkte im Hinblick auf große Buyout-Transaktionen beziehen sich neben dem gewachsenen Anteil aufgenommenen Fremdkapitals und der zahlreichen Besteuerungsfragen auf die beiden Themen Transparenz und Arbeitsplatzsicherung. Das Thema Transparenz muss man differenziert beleuchten. Ohne Zweifel muss die Kommunikation mit allen Beteiligten während des weiteren Wachstums der Branche gesteigert werden; Diese Lektion haben wir gelernt und werden wir befolgen. Fest steht aber auch, dass jedes Fondsmanagement seine Investoren regelmäßig und detaillierter als AGs informiert. Auf Seiten des Unternehmens sind jedoch die Geschäftsführer der finanzierten Firmen wie in anderen Unternehmen auch dafür verantwortlich, ihre Kunden, Lieferanten und Angestellten über Absichten und Pläne zu informieren, ohne dadurch ihre Wettbewerbsstellung auf Spiel zu setzen. Zum Zeitpunkt einer Investition veröffentlichen die meisten Fondsmanager eine Pressemitteilung und öffentlich zugängliche Branchendaten sowie die Kernfakten über das Investment. Diese Offenlegungen geschehen natürlich nur, wenn sie die Wettbewerbsposition nicht gefährden oder wenn die Verkäufer des Unternehmens solche Veröffentlichungen nicht verbieten. Nicht öffentlich zugänglich sind die Planungen zur Marktpositionierung oder Einzelheiten der Finanzierung. Dies gilt allerdings für alle privaten Unternehmen gleichermaßen.

Der zweite und zugleich am emotionalsten hervorgebrachte Kritikpunkt betrifft die Arbeitsplätze. Zahlreiche Studien zeigen, dass langfristig selbst große Buyout-Deals Arbeitsplätze über das Ausgangsmaß hinaus schaffen. Bei diesen Transaktionen handelt es sich um eine Kernkompetenz der Beteiligungsbranche und ist notwendig für das Überleben von vielen großen europäischen Unternehmen. Dies gilt auch, wenn eine solche Umstrukturierung kurzfristig schmerzhaft sein kann. Hinzu kommt, dass die meisten großen Buyouts nur mit Unterstützung von Gewerkschaften und Betriebsräten realisiert werden und ein Stellenabbau in den meisten europäischen Ländern gar nicht ohne das Einverständnis von Betriebsräten oder den jeweiligen regionalen Regierungen möglich ist.

Einige europäische Länder haben die Vorteile von Private Equity klar erkannt und daher Steuervorteile für diese Form der Investition eingeführt, um Anreize für die Gründung und den Aufbau von Unternehmen zu schaffen. Die Steuerentlastungen mögen variieren, aber es bleibt eine entscheidende Unterstützung für die Kreation und den Aufbau erfolgreicher Unternehmen, in denen wirkliches Engagement und finanzielle Risiken beteiligt sind. Private Equity wird in ganz Europa durch die Gesetzgeber und durch eigene Codizes der Branche reguliert. Doch was die Branche vor allem braucht, sind vergleichbare Rahmenbedingungen in der ganzen EU. Schließlich sind wir der dritte Pfeiler der privaten Investitionen, und kein Mensch braucht vor uns Angst zu haben.

www.evca.com

 

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