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WestLB: Aufsichtsratchef Gerlach geht frühzeitig

Düsseldorf, 03.12.2007 09:54 Uhr (redaktion)

Der Streit um die Zukunft der WestLB, die durch Fehlspekulationen in Schwierigkeiten geraten ist, hat zu personellen Konsequenzen geführt. Aufsichtsratschef Rolf Gerlach wird sein Amt vorzeitig zum Jahresende niederlegen (WDR).

Gerlach ziehe damit die Konsequenz aus den "monatelangen Querelen und Meinungsverschiedenheiten im Eigentümerkreis über die Zukunft der Bank", teilte der Westfälisch-Lippische Sparkassen- und Giroverband am Donnerstag (29.11.07) mit, dessen Präsident Gerlach ist. Der 54-jährige Bankmanager hatte sich für eine Fusion der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eingesetzt und war damit auf Widerstand in der nordrhein-westfälischen Landesbank gestoßen.

 
In seiner Rücktrittserklärung betonte Gerlach, die Dringlichkeit einer schnellen Entscheidung über die Zukunft der WestLB werde unter den Eigentümern "sehr unterschiedlich eingeschätzt". Deshalb sei es geboten, "von der auf Moderation und Ausgleich angelegten Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden früher als vereinbart Abstand zu nehmen".

NRW-Finanzminister Linssen kritisiert Gerlach
Gerlachs Amtszeit wäre erst Ende März 2008 geendet. Die beiden Sparkassenverbände Westfalen und Rheinland halten die Mehrheit an der WestLB. Das Land NRW ist mit einem Anteil von rund 38 Prozent größter Einzelaktionär. Als Nachfolger Gerlachs ist der künftige Präsident des Rheinischen Sparkassenverbandes, Michael Breuer, im Gespräch. Der frühere NRW-Europaminister ist ab Januar Präsident des Sparkassenverbandes.

Gerlach hatte die Landesregierung mit seinem Vorstoß für eine schnelle Fusion von WestLB und LBBW verärgert. Finanzminister Helmut Linssen (CDU) kritisierte am Donnerstag im Finanzausschuss des Landtags, dass die Landesregierung erst aus der Presse von dem Vorhaben erfahren habe.

Früher von Eigenhandelsrisiken gewusst?
Der WestLB-Aufsichtsratschef war in den vergangenen Wochen auch in einer anderen Frage in die Kritik geraten. Mehrfach wies Gerlach Berichte als falsch zurück, er habe als Aufsichtsratschef deutlich früher von den Risiken im Eigenhandel der WestLB gewusst, als er zugebe. Die WestLB hatte durch Aktienspekulationen 604 Millionen Euro verloren. Darüber war Ende Juli der damalige Vorstandsvorsitzende Thomas Fischer gestürzt.

Das mit Spannung erwartete Gutachten der Citigroup zur Zukunft der WestLB wird nach Angaben von Linssen erst Ende kommender Woche vorliegen. Bislang kenne er erst Vorentwürfe, sagte Linssen. Das Gutachten werde eine "sehr präzise Analyse" aller Zahlen der Bank enthalten. Ursprünglich war das Gutachten für Ende November erwartet worden. Die Landesregierung lässt seit September ihre Möglichkeiten für den Landesanteil durch die Investmentbank prüfen.

(www.wdr.de)

 

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