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Unternehmensfinanzierung: Kredite leichter zu haben

Köln, 13.12.2007 09:49 Uhr (redaktion)

Deutsche Unternehmen bekommen wieder leichter Kredite von Banken. Dazu trägt nicht nur die verbesserte Konjunktur bei, sondern auch die engere Zusammenarbeit der Firmen mit ihren Geldhäusern. Allerdings haben es bestimmte Teile des Mittelstands nach wie vor schwer, sich ein Darlehen zu verschaffen, wie eine Umfrage der KfW Bankengruppe in Zusammenarbeit mit 26 Verbänden ergeben hat.

Neue Maschinen kaufen oder den Firmensitz erweitern: Für diese Investitionen sind Unternehmen öfter auf Kredite angewiesen. Denn nicht immer verfügen sie über genügend eigene Mittel. Im Vorjahr fiel es allerdings jedem dritten Unternehmen schwer, Geld von den Banken zu erhalten.

Zu Beginn dieses Jahres entspannte sich die Situation jedoch. Laut einer Studie der KfW Bankengruppe hatten im ersten Quartal 2007 nur noch gut 20 Prozent der Unternehmen den Eindruck, die Kreditinstitute seien bei der Vergabe von Darlehen strenger geworden. Jede sechste Firma meldete sogar das Gegenteil. Einen so hohen Anteil an positiven Antworten gab es seit dem Jahr 2001 nicht mehr.

Und daran hat sich auch im Gefolge der US-Finanzkrise wenig geändert, wie die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln belegt.

Der Aufwärtstrend gilt jedoch nicht für alle: Unter den befragten 4.200 Betrieben haben sich zwei Gruppen herauskristallisiert, die einen besonders schweren Stand haben:

 

Diese Einschätzung wird von größeren Mittelständlern nahezu vorbehaltlos geteilt: Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 10 Millionen Euro haben meist keine Probleme, einen Kredit zu bekommen.


 

Die besten Karten bei den Banken besitzen in der Regel die Großunternehmen aus der Industrie: Gemessen an der Bilanzsumme verfügen sie zumeist über ein Eigenkapital von 30 Prozent und mehr. Das macht solche Betriebe aus Sicht der Geldhäuser zu weniger riskanten Kunden und somit attraktiv.

Größere Firmen hatten den kleineren auch noch in anderer Hinsicht etwas voraus. Denn je höher die Erlöse ausfielen, desto häufiger stockten die Banken die maximale Summe auf, die sie einem Betrieb zu leihen bereit waren.

Mehr Spielraum bei Krediten
Mehr Spielraum bei Krediten

Für 28 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2,5 Millionen und 50 Millionen Euro erhöhte sich die Kreditlinie. Bei den Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von bis zu 2,5 Millionen Euro traf dies nur auf 17 Prozent zu.

Das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung kommt in einer Studie zum gleichen Ergebnis. Es teilt allerdings auch die Einschätzung, dass deutsche Unternehmen im Allgemeinen wieder leichter Darlehen erhalten. Das liegt unter anderem daran, dass viele ihren Eigenkapitalanteil erhöht haben.

Auf die Kreditwürdigkeit wirkt sich das aber erst aus, wenn die Bank davon erfährt. Deshalb müssen Unternehmen ihren Geldgebern genaue Einblicke in die Firmenbücher gewähren. So können die Kreditinstitute beurteilen, welcher potenzielle Kunde Geld auch wieder zurückzahlen kann. Dieses sogenannte Rating ist mittlerweile fast zur Regel geworden.

Rating Ergebnisse
Rating Ergebnisse


 

Rund 78 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro haben sich einem Rating durch ihre Bank unterzogen. Die kleineren Mittelständler taten dies immerhin zu 45 Prozent.


 

Dass Geldhäuser Informationen über die Finanzlage ihrer Kunden einholen, kommt nicht von ungefähr: In der EU setzen die Banken so die seit Anfang 2007 geltenden Vorschriften des Basel-II-Abkommens um. Es gibt vor, bei der Kreditvergabe an Unternehmen deren Bonität zu berücksichtigen. Ein hoher Eigenkapitalanteil ist hierfür sehr wichtig. Betriebe können ihn beispielsweise durch Gewinne aus wirtschaftlich guten Zeiten erhöhen.

Kritiker sehen jedoch eine Gefahr: Die Basel-II-Regeln könnten prozyklisch wirken. Im Boom bewerten Banken die Bonität der Unternehmen besser und geben ihnen leichter Darlehen. Trüben sich im Abschwung die Bilanzen, sinken die Ratings und die Kreditinstitute drehen den Geldhahn wieder zu – ein Mechanismus, der eine Wirtschaftskrise verstärken kann.

Von einer solchen Talfahrt ist Deutschland derzeit aber weit entfernt. Das Investitionsverhalten der von der KfW befragten Firmen bestätigt die momentan gute Lage:


 

Sieben von zehn Betrieben gaben an, in den vorangegangenen zwölf Monaten Investitionen getätigt zu haben – meist, um ihre Geschäfte zu erweitern.


 

Dafür hatte nicht jedes Unternehmen genügend eigenes Geld. Deshalb beantragten etwa 33 Prozent einen Kredit – zwei Drittel dieser Firmen bekamen ihn bewilligt. Für den Rest, der leer ausging, bedeutete das jedoch nicht unbedingt das Ende der vorgesehenen Investition: Gut 27 Prozent setzten das Projekt langsamer um, und jeder dritte Betrieb mit Kreditabsage backte einfach kleinere Brötchen. Die übrigen Unternehmen gaben ihre Zukunftspläne allerdings auf.

Dabei gibt es gerade für investitionswillige Mittelständler Unterstützung nicht nur durch Bankkredite. Auch die Europäische Union, der Bund und die Länder greifen Firmen unter die Arme – durch Fördermittel.

Fördermittel
Übersicht Fördermittel


 

Fast jedes fünfte befragte Unternehmen hat bei der öffentlichen Hand finanzielle Hilfe erbeten. Von den ostdeutschen Betrieben beantragten etwa drei von zehn Unterstützung, von den westdeutschen dagegen lediglich 16 Prozent.


 

Dass staatliche Mittel im Osten eine größere Rolle spielen, hat einen einfachen Grund: Viele Förderprogramme gelten ausschließlich für Ostdeutschland oder sie werden – wie die Regionalförderung der EU – im Osten flächendeckend angeboten, im Westen aber nur partiell.

Hinzu kommt, dass sich von Rügen bis zum Erzgebirge gerade junge Betriebe um Fördergelder bemühten – und diese Newcomer können sowohl die speziellen Programme für Ostdeutschland nutzen als auch die für Existenzgründer.

 

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