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IKB-Übernahme: Commerzbank-Vorstand sieht für Übernahme wenig Nutzen

Frankfurt/Main, 21.12.2007 11:10 Uhr (redaktion)

Bei der Commerzbank schwindet das Interesse an einer Übernahme der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB.

"Ich bin nicht sicher, wie hoch der Nutzen für unsere Aktionäre, Kunden oder Mitarbeiter ist, wenn wir uns hier positionieren", sagte der designierte Institutschef Martin Blessing der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). "Die meisten Kunden der IKB oder zumindest sehr viele davon haben ohnehin schon mit uns Bankbeziehungen", sagte der Vorstand, der im Mai Klaus-Peter Müller an der Bankspitze ablösen soll. In den vergangenen Monaten hatte die Commerzbank wiederholt Interesse an der IKB angemeldet.

Neben der zweitgrößten deutschen Bank wurden zuletzt auch der angeschlagenen WestLB Chancen eingeräumt, bei der IKB zum Zug zu kommen. Auch Finanzinvestoren und die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank hatten den Finger gehoben. Nach Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt musste die IKB im Sommer durch eine milliardenschwere Finanzspritze der Großaktionärin KfW und der gesamten deutschen Kreditwirtschaft vor dem Kollaps bewahrt werden. In den vergangenen Wochen waren dann neue Risiken bekannt geworden, die ein neues Rettungspaket nötig machten. Die staatliche KFW soll nach dem Willen der Bundesregierung ihren Anteil von 38 Prozent an der IKB nun rasch verkaufen.

Blessing hält in Folge der Krise an den Kreditmärkten mehrere größere Übernahmen und Fusionen unter Banken für wahrscheinlich. "Jede Verwerfung auf den Finanzmärkten hat in der Vergangenheit zu großen Zusammenschlüssen geführt", sagte er. "Nun könnte es eine neue Konsolidierungswelle geben." Sein Institut stehe dabei aber nicht unter Handlungsdruck. Die Commerzbank wird immer wieder selbst als Übernahmekandidat gehandelt.

Blessing, der im Vorstand bislang für das Mittelstandsgeschäft verantwortlich ist, sagte, in seinem Bereich sei von einer Kreditklemme bislang nichts zu spüren. Das Volumen der Darlehen an mittelständische Kunden sei sogar gewachsen. "In den letzten drei Monaten haben wir das Neugeschäft um weitere 3,5 Prozent gesteigert", sagte Blessing. Die "Mittelstandsbank" der Commerzbank habe dieses Jahr 3000 bis 4000 Kunden hinzugewonnen. Inklusive des Geschäfts mit kleineren Unternehmen sei die Kundenzahl um 40.000 auf gut 560.000 gestiegen. Ein Wachstum in dieser Größenordnung werde auch für die kommenden Jahre angepeilt.

Blessing betonte allerdings, dass wegen der zu erwartenden Konjunktureintrübung 2008 die Risikovorsorge der Mittelstandsbank steigen werde. Daher dürfte im Gegenzug die Eigenkapitalrendite in diesem Geschäft trotz steigender Erträge sinken. Dies liege auch an den höheren Kapitalanforderungen durch die Einführung der neuen aufsichtsrechtlichen Regeln (Basel II), sagte Blessing. "Im Unterschied zu anderen Geschäftsbereichen werden wir im Mittelstandsgeschäft eine höhere Kapitalbelastung haben."

 

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