Frankfurt/Main, 30.12.2007 13:38 Uhr (redaktion)
Zwar werden in der nächsten Woche aus der Unternehmenswelt kaum Impulse erwartet, doch stehen aus den USA gleich am ersten Handelstag möglicherweise entscheidende Konjunkturdaten auf den Terminkalendern. Und die Ermordung der pakistanischen Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto hat die gespannte Lage in der Region in den Vordergrund gerückt.
"Die Euphorie, die wir zu Beginn dieses Jahres hatten, sehe ich für 2008 nicht", erklärt Anlagestratege Heino Ruland vom Beraterhaus FrankfurtFinanz. Der Dax hat 2007 mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen. In der letzten, auf eineinhalb Tage geschrumpften Handelswoche des Jahres behauptete der Leitindex sein Niveau der Vorwoche von rund 8000 Zählern.
Am Mittwoch wird der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der USA im Fokus stehen. "Der ISM-Index als entscheidender Vorindikator könnte ein Signal geben, dass die US-Konjunktur doch nicht so positiv ist wie manche hoffen", warnt NordLB-Analyst Tobias Basse.
Einige Analysten schließen nicht aus, dass der Index unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Punkten fällt, was eine schrumpfende Volkswirtschaft anzeigt. Problematisch ist laut Basse aber vor allem die vermutlich weiter hohe Preiskomponente. "Das illustriert das klassische Dilemma, in dem die Fed steckt", erläutert er. Wegen des Inflationsrisikos dürfte die US-Notenbank (Fed) nämlich kaum Spielraum für Zinssenkungen haben, die andererseits aber der Wirtschaft wieder auf die Sprünge helfen könnten.
Angesichts dieses Szenarios ist auch Basse für den Dax zu Jahresbeginn eher skeptisch. "Auf einen Test der Rekordmarke von 8151 Punkten würde ich eher nicht wetten", spielt er auf das Allzeithoch vom 13. Juli an. Auch Ruland sieht keinen Grund, warum man zu Beginn des Jahres wieder auf Aktien setzen sollte. "Die geopolitischen Unsicherheiten tragen dazu bei, dass einige Anleger lieber Kasse machen werden", erklärt er.
Daneben gilt das Augenmerk dem US-Arbeitsmarkt. Händler warnten, dass die wöchentliche Statistik zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe eher auf eine Enttäuschung hindeute. Am Montag stehen die Absatzzahlen vom US-Häusermarkt an. Am Mittwoch wird die Mitschrift der letzten Fed-Sitzung im alten Jahr veröffentlicht. Dabei hatte die US-Notenbank (Fed) die Zinsen um einen viertel Prozentpunkt gesenkt.
Da in der ersten Woche des Jahres in Deutschland nur an drei Tagen gehandelt wird, dürften die Umsätze spärlich bleiben, sagten Händler. Insgesamt sind die Börsianer für das Jahr 2008 aber zuversichtlich, wenn auch der Dax nicht mehr ganz so schnell steigen dürfte. Analysten sagen auf Sicht von zwölf Monaten im Schnitt einen etwa sechsprozentigen Anstieg des Leitindex auf 8500 Punkte voraus.
Die erste Vorentscheidung zur Nominierung der Präsidentschaftskandidaten in den USA für die Wahl im November dürfte kaum Einfluss auf die Börsen haben. Die Mitglieder beider Parteien werden in Iowa am Donnerstag ihre Favoriten benennen. Die ersten echten Vorwahlen finden in der folgenden Woche in New Hampshire statt. Eine Entscheidung über die Bewerber wird Anfang Februar erwartet, wenn in mehreren bevölkerungsreichen Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden.
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