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Industrie startet durch - volle Auftragsbücher für das neue Jahr

Berlin, 08.01.2008 17:03 Uhr (reuters)

Die Industrie hat die Euro-Stärke im Herbst gut weggesteckt und überraschend ein dickes Auftragsplus eingefahren.

Bei den Unternehmen gingen im November preis- und saisonbereinigt 3,4 Prozent mehr Bestellungen ein, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Der Flugzeugbauer Airbus und andere Industriefirmen profitierten dabei von Großaufträgen, die Milliarden in die Kassen der Unternehmen spülen. "Die Aussichten für eine aufwärts gerichtete Industrieproduktion haben sich für die nächsten Monate insgesamt wieder verbessert", prognostizierte das Ministerium.

Die Inlandsbestellungen erhöhten sich vor allem wegen der starken Nachfrage nach Vorleistungsgütern um 4,2 Prozent und damit deutlicher als die Auslandsaufträge. Diese zogen um 2,8 Prozent an. Von Reuters befragte Volkswirte, die für November im Schnitt mit einem Auftragsrückgang um 1,8 Prozent gerechnet hatten, sprachen von einer wahren Auftragsflut. "Wir hatten erneut einen Monat mit überdurchschnittlich vielen Großaufträgen. Der sehr starke Anstieg nach bereits vier Prozent im Vormonat ist dennoch sehr beachtlich", sagte Alexander Koch von Unicredit. Nach den ersten beiden Monaten des Schlussquartals 2007 zeichne sich ab, dass die Dynamik wieder deutlich an Fahrt gewonnen habe.

Auch Airbus profitierte von der Entwicklung und füllte seine Bücher im November. Auf der Luftfahrtschau in Dubai gingen nach Listenpreisen Aufträge in Höhe von mehr als 28 Milliarden Dollar ein. Der europäische Flugzeugbauer produziert an mehreren Standorten in Deutschland, so dass ein Teil der Auftragssumme hierzulande verbucht wird. Allerdings sind in der Branche bei großen Orders Preisnachlässe die Regel.

Der Auftragseingang ist neben der Produktion das wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturbarometer. Viele Experten zeigten sich daher zuversichtlich, dass das dicke Auftragspolster den Unternehmen Auftrieb bis weit ins neue Jahr bescheren wird: "Derzeit sehen wir noch keine Anzeichen für eine Verlangsamung", sagte Heinrich Bayer von der Postbank.

Für Sorgenfalten bei Konsumgüterherstellern dürfte jedoch sorgen, dass deren Auftragseingang um 1,1 Prozent zurückgegangen ist. Als gutes Omen kann allerdings gelten, dass die Sparte im Inland mehr Aufträge an Land zog. Die Hoffnung auf eine Fortsetzung des robusten Aufschwungs 2008 gründet sich unter anderem auf der Zuversicht, dass der private Konsum für die nachlassende Dynamik im Ausfuhrgeschäft in die Bresche springt. "Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt 2008 um zwei Prozent anziehen wird", sagte Arnd Schäfer von der WestLB. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte jüngst seine Vorhersage auf unter zwei Prozent korrigiert. Die Regierung legt am 23. Januar ihren Jahreswirtschaftsbericht vor.

 

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