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Haben Landesbanken 80 Mrd. Euro in riskante Wertpapiere investiert?

Frankfurt/Main, 27.01.2008 13:03 Uhr (reuters)

Die Landesbanken LBBW, BayernLB, WestLB und HSH Nordbank haben einem Magazinbericht zufolge fast 80 Milliarden Euro in riskante Wertpapiere investiert.

Wegen der US-Kreditkrise seien damit allein bei den Bayern Abschreibungen von mehr als zwei Milliarden Euro zu erwarten, meldete das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag vorab ohne Angabe von Quellen. Angeblich prüfen die öffentlichen Banken die Ausgliederung ihrer riskanten Wertpapiere in eine separate Gesellschaft.

Ein Sprecher der Bayerischen Landesbank lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab. Es gebe noch keine Zahlen, sagte er lediglich. Diese würden erst mit der Jahresbilanz im April veröffentlicht. Bayerns Finanzminister Erwin Huber hatte den Abschreibungsbedarf in der vergangenen Woche mit bisher 100 Millionen Euro beziffert und weitere Wertberichtigungen darüber hinaus angekündigt.

Allein 20 Mrd. Euro bei der WestLB
Für die angebliche Gesamtinvestitionssumme der vier Landesbanken war keine Bestätigung zu erhalten. Allein das einschlägige Engagement der WestLB wird in Eignerkreisen jedoch mit 20 Milliarden Euro angegeben. Die WestLB hatte am Montag erklärt, sie erwarte einen Jahresverlust von einer Milliarde Euro. Zudem entstünden in der Bilanz Wertminderungen in einer Höhe von einer weiteren Milliarde Euro. Die Eigner der Bank - Land, Sparkassen und Landschaftsverbände - hatten sich bereiterklärt, zwei Milliarden Euro zuzuschießen.

Einen Bericht des "Spiegel", wonach Rating-Agenturen bis zu vier Milliarden Euro frisches Kapital für die WestLB fordern, wies eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums am Samstag zurück: "Die Forderung der Rating-Agenturen gibt es nicht." Im Umfeld der Bank hieß es ebenfalls, diese Zahl sei nicht genannt worden.

Zurückgewiesen wurden auch "Focus"-Angaben über Sondierungen für eine gemeinsame Zweckgesellschaft der Landesbanken, in denen die von der US-Immobilienkrise belasteten Papiere gebündelt werden sollen. In Finanzkreisen hieß es am Samstag zwar, es gebe Überlegungen zu einer bundesweiten Risikogesellschaft für die Landesbanken. Auch das Bundesfinanzministerium sei mit diesen Gedankenspielen befasst worden. Dort sagte ein Sprecher jedoch: "Das ist kein Thema des Bundes, das ist ein Thema der Länder." Man habe sich damit auch nicht befasst. "Derartige Pläne gibt es nicht", sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die HSH Nordbank erklärten, ihnen seien solche Überlegungen nicht bekannt.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen hatte am Donnerstag vor dem Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags gesagt, es werde darüber nachgedacht, "ob man alles, was mit Subprime zu tun hat, ausgliedern kann". Offen sei aber, wie die Garantien für die Risiken gestellt werden könnten. Deshalb könne es keine schnelle Einigung geben: Eine Lösung "wie Kai aus der Kiste" sei nicht zu erwarten.

Gliederung Sparkassen
Gliederung Sparkassenverband (Zum vergrößern bitte auf das Bild klicken)

 

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