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DIHK: Wirtschaftliche Lage ist instabiler geworden

Berlin, 14.02.2008 14:38 Uhr (redaktion)

Kein Ende des Aufschwungs, aber größere Risiken für die marktwirtschaftliche Dynamik: Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

"Der Aufschwung ist noch nicht zu Ende. Die wirtschaftliche Lage ist aber instabiler geworden. Die DIHK-Wachstumsprognose von 2 Prozent ist daher mehr Hoffnungs- als Erwartungswert", berichtete DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben heute in Berlin, wo er gemeinsam mit DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier die Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2008 vorstellte.

"Export und Investitionen tragen den Aufschwung", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass neben den Turbulenzen auf den Finanzmärkten auch der jüngste staatliche Regulierungskurs in Deutschland der marktwirtschaftlichen Dynamik den Atem nehme. "Die Unternehmen wollen zwar immer noch neu einstellen. Die Beschäftigung dürfte aber mit 300.000 neuen Arbeitsplätzen nur noch knapp halb so stark steigen wie im letzten Jahr."

Die Umfrage zeige auch, so Wansleben, dass Deutschland nicht auf einen konsumgetriebenen Aufschwung hoffen könne. Alles müsse daher daran gesetzt werden, den Investitionsstandort Deutschland zu stärken.

"Die Konjunktur ist noch im grünen Bereich", lautete das Fazit von DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier, der in Berlin Einzelheiten der Erhebung erläuterte. Der Kursrutsch an den Börsen Ende Januar habe zwar für Unsicherheit gesorgt, die Geschäftserwartungen und die Investitionspläne für die kommenden zwölf Monate aber kaum beeinflusst.

6 Prozent der Firmen rechnen der Umfrage zufolge für die kommenden zwölf Monate mit besseren Geschäften, 58 Prozent erwarten eine gleich bleibende Entwicklung und 16 Prozent eine Verschlechterung. Damit liege der Erwartungssaldo mit zehn Prozentpunkten trotz des Rückgangs von fünf Punkten gegenüber Herbst 2007 noch deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt von plus zwei Prozentpunkten, sagte der DIHK-Chefvolkswirt.

Die wesentlichen Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2008

Wirtschaftslage
Die deutsche Wirtschaft beurteilt ihre Geschäftslage immer noch gut. Trotz der zu Jahresbeginn 2008 offen zu Tage getretenen Abkühlung der US-Konjunktur, der Finanzmarktturbulenzen und anderer Belastungsfaktoren verharrt der Geschäftslagesaldo auf dem positiven Niveau des vergangenen Herbstes. Die Risse im Konjunkturbild spiegeln sich bislang kaum in der Stimmung der Unternehmen wider.

Erwartungen
Zu Jahresbeginn 2008 trüben sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen leicht ein – den Sorgen um die Weltwirtschaft zum Trotz. Dies bestätigt auch eine aktuelle Nachbefragung der Unternehmen aus Anlass der jüngsten Turbulenzen auf den Kapitalmärkten. Immer noch robuste Exportgeschäfte sowie die ausgeprägte – wenngleich mittlerweile etwas geringere – Investitionsneigung der Unternehmen legen den Grundstock für das Wachstum 2008. Die Übertragung der außenwirtschaftlichen Impulse auf den inländischen Konsum stockt jedoch weiter: Die immensen Belastungen durch die Mehrwertsteuererhöhung sowie durch gestiegene Ölpreise machen einen Gutteil der Kaufkraftgewinne infolge des weiteren Beschäftigungsaufbaus zunichte.

Export
Die Exporte trotzen dem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld und dem starken Euro. Die Ausfuhrerwartungen der Unternehmen bewegen sich zu Jahresbeginn 2008 auf einem fast so hohen Niveau wie im vergangenen Herbst, obschon sich die Gangart der Weltkonjunktur inzwischen verlangsamt hat. Vor allem die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen macht sich bezahlt. Der Exportwirtschaft gelingt es deshalb zunehmend, auf Wachstumsmärkten in Schwellenländern erfolgreich Fuß zu fassen – dies stabilisiert die Exporterwartungen.

Investitionen
Die Investitionsausgaben werden auch in diesem Jahr ansteigen. Insgesamt hat der Investitionsaufschwung jedoch an Dynamik verloren. Die geringere Expansion ist vor allem den Vorzieheffekten – aufgrund der Abschaffung der degressiven Abschreibungsregel zum Jahresende 2007 – geschuldet. Auch das leicht eingetrübte Konjunkturbild lässt die Unternehmen jetzt etwas verhaltener planen. Trotz Hypothekenmarktkrise und Börsenturbulenzen spüren die meisten Unternehmen bislang noch keine Verschlechterungen bei den Kreditkonditionen – aber die Finanzierung risikoreicherer Projekte sowie für bonitätsschwache Unternehmen steht seitens der Kreditinstitute zunehmend auf dem Prüfstand.

Beschäftigung
Die Luft für den Aufschwung am Arbeitsmarkt wird dünner. Die Personalpläne der Unternehmen sind mittlerweile nicht mehr so expansiv wie noch im Vorjahr. Doch die Unternehmen planen auch im Jahr 2008, per Saldo weiter Beschäftigung aufzubauen. Dass der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt holpriger wird, liegt am Fachkräftemangel – insbesondere in exportorientierten Branchen. Zudem haben sich die Personalpläne verbrauchsorientierter Wirtschaftszweige stark reduziert. Ursache ist, dass der private Konsum noch immer nicht den Anschluss an den bislang export- und investitionsgetriebenen Aufschwung gefunden hat.

 

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