Köln, 27.02.2008 16:22 Uhr (FS)
Wer schaut da noch auf Nokia? Bei BMW fallen über 8000 und bei Henkel mehr als 3000 Stellen weg (weltweit). Die Gewerkschaften sprechen vom "Kulturbruch" im Umgang mit den Beschäftigen.
Sparen, sparen, sparen ist angesagt. Wofür eigentlich?
Margenverfall, Globalisierung, zu hohe Produktionskosten und Börsendruck. Die Liste der Gründe zur massiven Entlassung ist lang. Warum gespart werden muß hatte der Henkel-Chef Ulrich Lehner bereits 2004 erklärt:
"Ab 2007 will Henkel durch die Reorganisation der Firma jährlich 125 Millionen Euro sparen. Dadurch soll der Gewinn steigen. Zunächst verursacht die Restrukturierung allerdings für die Jahre 2004 bis 2006 Kosten in Höhe von rund 400 Millionen Euro. Die zusätzlichen Kosten würden sich aber nicht auf die Jahresprognose für 2004 auswirken. Das Wachstum des Betriebsergebnisses soll für dieses Jahr "im mittleren Zehnprozentbereich" liegen.
BMW
"Auf der Jagd nach höheren Gewinnmargen streicht der BMW-Konzern mindestens 8100 Stellen" - so die Überschrift einer Nachrichtenagentur. In Deutschland seien 5000 Zeitarbeiter und 2500 fest angestellte Beschäftigte betroffen, teilte Personalvorstand Ernst Baumann am Mittwoch in München mit. Im Ausland fallen demnach 600 Jobs weg. Bleibt der Dollar nachhaltig schwach, könnten laut Baumann weitere Stellenstreichungen folgen. BMW beschäftigt insgesamt knapp 108.000 Mitarbeiter, davon 80.000 in Deutschland.
Die Münchner verbuchen zwar immer neue Spitzenwerte bei Gewinn, Umsatz und Verkaufszahlen, leiden aber stark unter dem schwachen Dollar und hohen Rohstoffpreisen. Bei der Rendite liegt BMW weit hinter Konkurrenten wie Audi oder Mercedes.
Baumann führte aus, von den 5000 betroffenen Zeitarbeitern hätten 2500 das Unternehmen bereits im vergangenen Quartal verlassen. Die zweite Hälfte folge bis Jahresende. Dann werde BMW noch 3200 Zeitarbeiter beschäftigen.
Von den fest angestellten Beschäftigten hätten mehrere Hundert Auflösungsverträge unterzeichnet, sagte Baumann. BMW setze zudem auf natürliche Fluktuation und Altersteilzeit. Der Stellenabbau erfolgt auf freiwilliger Basis, denn in einem Abkommen zur Beschäftigungssicherung hat der Konzern betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2013 ausgeschlossen. Die IG Metall Bayern pochte auf die Vereinbarung und warf dem Vorstand Kulturbruch und "kurzsichtiges Renditedenken" vor.
Wie viele Arbeitsplätze konkret in den Werken München, Dingolfing und Regensburg wegfallen, wollte der Personalchef nicht sagen. Die Reduzierung der Stammbelegschaft von rund drei Prozent gelte für alle Standorte außer Leipzig. In dem 2005 eröffneten Werk "wird es weder bei den Zeitarbeitskräften noch bei der Stammbelegschaft zu einschneidenden Maßnahmen kommen".
Für den größten Stellenabbau seit den 1990er Jahren muss der Konzern hohe Rückstellungen bilden: "Das wird sicher ein dreistelliger Millionenbetrag sein", sagte Baumann. Ab 2009 würden aber die Personalkosten um 500 Millionen Euro pro Jahr sinken. BMW will bis 2012 insgesamt sechs Milliarden Euro sparen und die operative Umsatzrendite im Auto-Segment auf acht bis zehn Prozent steigern.
Um die Personalkosten zu senken, müssen auch die verbleibenden Mitarbeiter einen Beitrag leisten. Die Erfolgsbeteiligung für 2007 wird laut Baumann nicht höher ausfallen als die für 2006. "Auch der Vorstand ist betroffen." Für 2006 hatten die Beschäftigen bis zu 156 Prozent eines Monatsgehalts als Prämie erhalten. Zudem sollen Vereinbarungen über Zeitarbeitskonten, kürzere Pausen und veränderte Schichtzulagen sparen helfen.
Bis 2012 werde BMW konzernweit wieder die Belegschaftsstärke von 2007 erreichen, sagte Baumann. Vor allem hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte wie Ingenieure oder Maschinenbauer würden eingestellt, allein in diesem Jahr 500. Auch in den USA baut BMW Stellen auf. "Wir werden auch in Zukunft den größten Teil der Mitarbeiter in Deutschland beschäftigen, aber den größten Teil der Produkte außerhalb verkaufen", sagte der Personalchef. Voraussetzung seien Fortschritte in der Produktivität, weil der Absatz künftig langsamer wachse als in den vergangenen Jahren. BMW will die Zahl der verkauften Autos bis 2012 auf 1,8 von 1,5 Millionen im Jahr 2007 steigern.
Und bei Henkel
Trotz Millionengewinnen will die Henkel AG ein Sparprogramm auflegen. Es könnte 3.000 Mitarbeiter den Job kosten. Wo die Stellen abgebaut werden, ist noch unklar. Der Betriebsrat wurde von den Plänen überrascht.
Siemens und PIN haben es diese Woche vorgemacht, Henkel zieht nach: Auch die Düsseldorfer wollen Arbeitsplätze abbauen. "Möglicherweise sind 3.000 Arbeitsplätze weltweit betroffen", sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber WDR.de am Mittwoch (27.02.08). Allerdings gebe es noch keine konkreten Pläne, an welchen Standorten Kündigungen ausgesprochen würden. In Deutschland hat Henkel 10.000 Mitarbeiter, davon 6.000 in der Zentrale in Düsseldorf. Weltweit beschäftigt der Konsumgüterhersteller 53.000 Menschen.
"Wir hoffen, dass wir bei der Präsentation der Quartalszahlen im Mai nähere Informationen über den Stellenabbau geben können", sagte der Sprecher. Die Zahl 3.000 resultiere daraus, dass Henkel ab 2011 jährlich 150 Millionen Euro Kosten sparen wolle. Dies entspreche in etwa 3.000 Stellen. Konzernchef Ulrich Lehner betonte, dass der Arbeitsplatzabbau sozialverträglich erfolgen soll. Die Henkel-Mitarbeiter sind nach Unternehmensangaben am Vormittag über die Sparpläne informiert worden.
Ähnliche Sparprogramme 2001 und 2004
"Wir sind vom Stellenabbau sehr überrascht", sagt Winfried Zander. Der Betriebsratsvorsitzende hofft, dass Henkel auch diesmal auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Der Konzern hatte bereits ähnliche Sparprogramme 2001 und 2004 aufgelegt. Seinerzeit nutzten die Düsseldorfer sämtliche Instrumente, um Personal abzubauen: Vorzeitige Pensionierung, Altersteilzeit, Qualifizierung und Versetzung innerhalb des Konzerns. "Die Rahmenbedingungen haben sich aber in den vergangenen drei Jahren geändert", sagt Zander. Nun müsse man schauen, wie viele ältere Mitarbeiter überhaupt noch da seien, die man in Pension schicken könne.
(reuters,WDR,dpa)
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