Berlin, 29.02.2008 14:51 Uhr (redaktion)
Aller Voraussicht nach werden die russischen Bürger am Sonntag für Dmitri Medwedew als ihren neuen Präsidenten stimmen. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation bedeutet dies Kontinuität und weiterhin marktwirtschaftlichen Kurs. Dazu steht Medwedew mittelfristig für eine stärkere Öffnung von Politik und Gesellschaft und wird eigene Akzente in Wirtschafts- und Sozialpolitik setzen. Für deutsche Unternehmen stehen die Zeichen damit weiter auf Wachstum.
Russland überflügelt 2008 China
Unter den größten Schwellenmärkten wächst der russische Absatzmarkt am schnellsten. Nach deutschen Exporten von zuletzt 28,2 Milliarden € – ein Wachstum von über 20 Prozent ggü. 2006 – sagt die Auslandshandelskammer in Moskau weitere 20 % Ausfuhrwachstum für das Jahr 2008 vorher. Damit dürfte für deutsche Exporteure Russland China als größten unter den Schwellenmärkten ablösen. Hohe Einkünfte aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie weiterer Modernisierungsbedarf führen dazu, dass deutsche Maschinen, Anlagen und Automobile Exportschlager bleiben. Die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und die damit verbundenen Projekte werden darüber hinaus die Aktivitäten in den nächsten Jahren beflügeln.
Gemachte russische Hausaufgaben
Reformen in Russland wurden angepackt: Eine umfassende Steuerreform – mit Einheitssteuersatz von 13 Prozent auf Einkommen –, ein modernisiertes Devisen-, Arbeits- und Bodenrecht und eine stetige Professionalisierung des Geschäftslebens, der Verwaltungen und Gerichte führen dazu, dass die Unternehmen unter sich verbessernden Bedingungen arbeiten. Die deutsche Wirtschaft ist mit 3.000 Firmenpräsenzen in Moskau die größte ausländische Kaufmannschaft. Großunternehmen – wie zum Beispiel Volkswagen mit seiner Fertigung südwestlich von Moskau – und Mittelständler engagieren sich und demonstrieren damit die steigende Qualität der Investitionsbedingungen.
Auslandshandelskammer in Moskau gegründet
Vor diesem Hintergrund haben über 500 vorwiegend deutsche Gründungsmitglieder Ende 2007 die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) gegründet. Bei der ersten Mitgliederversammlung Ende März werden auch russische Unternehmensvertreter in den Vorstand gewählt, so dass die Arbeit der Kammer auf einer breiten und bilateralen Basis steht. Die AHK will mit den zu gewinnenden russischen Mitgliedsunternehmen zu der Plattform für die deutsch-russischen Beziehungen werden. Sie vereint dabei die Aufgaben einer Mitgliederorganisation mit dem öffentlichen Auftrag zur Außenwirtschaftsförderung und ist damit auch praktiziertes Public-Private-Partnership.
Einbindung Russlands in europäische Strukturen und Weltwirtschaft forcieren
Deutsche Unternehmen setzen auf die Partnerschaft mit Russland. Die Bundesregierung sollte sich deshalb für die zügige Verhandlung eines neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommens zwischen EU und Russland sowie dessen baldigen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) stark machen. Auf der praktischen Ebene sollte das Visumsverfahren für russische Geschäftsleute im Rahmen der Schengenverpflichtungen möglichst „kundenfreundlich“ ausgestaltet werden, um einen reibungslosen und kurzfristigen Geschäftsreiseverkehr zwischen Deutschland und Russland zu sichern. So könnten die Rahmenbedingungen für die deutsch-russische Wirtschaftskooperation weiter verbessert werden.
(DIHK; Reiner Perau)
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