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Bundeskartellamt:Deutsche zahlen derzeit womöglich zu hohe Preise für ihr Erdgas

Bonn/Essen, 05.03.2008 18:45 Uhr (redaktion)

Das Bundeskartellamt leitete Missbrauchsverfahren gegen 35 Gasversorger ein. Eine vorläufige Untersuchung habe ergeben, dass die Gaspreise sowohl für Industriekunden als auch für Verbraucher teils bis 45 Prozent voneinander abwichen.

Die betroffenen Versorger machten knapp 20 Prozent des gesamten deutschen Erdgasmarkts aus. Unter den Firmen befinden sich auch zahlreiche Gesellschaften der zwei größten Versorger Eon und RWE.

Das Kartellamt wendet erstmals ein neues Gesetz an, das seit Jahresbeginn eine schärferes Vorgehen gegen hohe Preise erlaubt. Von dem Missbrauchsverfahren seien rund vier Millionen Gaskunden betroffen, erklärte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer. Sie bezögen knapp 20 Prozent des gesamten in Deutschland abgesetzten Erdgases. Heitzer erklärte, einige Firmen hätten die Preise auf Höhen getrieben, die bei wirklichem Wettbewerb nicht durchsetzbar wären. Das Untersuchungsergebnis lege nahe, dass der Wettbewerb im Gassektor immer noch "erschreckend gering" sei.

Heitzer kritisierte, die Preise seien auch dort nicht niedriger, wo die Gebühren für die Durchleitung des Gases geringer seien. Für die Untersuchung des Marktes zog das Kartellamt nun Netz-Gebühren und staatliche Abgaben vom Gesamtpreis ab. Steuern und Gebühren machen derzeit 29 Prozent beziehungsweise 16 Prozent des Gesamtpreises aus. Der Preis für das Gas selber macht laut Kartellamt 55 Prozent des Endpreises aus, den die Verbraucher auf ihrer Rechnung sähen.

Das Verfahren sei auf Basis des im November vom Bundestag beschlossenen neuen Wettbewerbsrechts eingeleitet worden, hieß es. Seit diesem Jahr gilt ein neuer Paragraph im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), dem Kartellrecht. Damit darf das Kartellamt Strom- und Gaspreise leichter prüfen, wenn es vermutet, dass ein Unternehmen zu viel verlangt.

Ein Eon-Sprecher sagte, es seien fünf der sieben Regionalgesellschaften betroffen. Dabei handle es sich um die Gesellschaften Bayern, Hanse, Edis, Mitte und Avacon. Ein RWE-Sprecher sagte, es seien Beteiligungsgesellschaften in Nordrhein-Westfalen, in Südwestdeutschland und in Ostdeutschland betroffen. Der Energieversorger EnBW teilte mit, er sei nicht im Visier des Kartellamts. Vattenfall erklärte, es lägen keine Erkenntnisse vor, ob Vertriebspartner betroffen seien. Für das Frühjahr kündigten rund ein Fünftel der Versorger höhere Preise an.

 

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