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Mittelstand: DIHK-Chefvolkswirt präsentiert Umfrage zu Auslandsinvestitionen

Berlin, 25.03.2008 15:54 Uhr (FS)

Trotz abgeschwächter Weltkonjunktur und leicht verschlechterten Finanzierungsbedingungen drängen deutsche Industrieunternehmen nach Erkenntnissen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) weiterhin mit hohem Kapitaleinsatz ins Ausland.

Wie aus der aktuellen DIHK-Erhebung "Investitionen im Ausland" hervorgeht, setzen 41 Prozent der befragten Industrieunternehmen Kapital jenseits der deutschen Grenzen ein – vor zehn Jahren waren es nur rund 30 Prozent. Und: Die inländischen Investitions- und Beschäftigungspläne der im Ausland investierenden Unternehmen liegen höher als in der Gesamtwirtschaft.

"Hohe Auslandsinvestitionen, insbesondere um Märkte zu erschließen, stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und festigen die inländische Beschäftigung", fasst DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Für 2008 rechne der DIHK mit erneut rund 100.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe.

Dieser Beschäftigungsaufbau sei "angesichts des jahrelangen Rückgangs an Industriebeschäftigung von durchschnittlich knapp 90.000 pro Jahr in der Dekade vor 2006 ein gutes Zeichen für den Industriestandort Deutschland", so Treier.

Dennoch blieben Chancen für die Beschäftigungsentwicklung ungenutzt: "Erstmals seit dem Krisenjahr 2003 wollen wieder mehr Industrieunternehmen – vor allem aufgrund von erwarteten Kostensteigerungen im Inland – ihre Auslandsproduktion ausweiten. Sorgen bereiteten den Unternehmen der zunehmende Fachkräftemangel, das absehbare Ende der moderaten Arbeitskostenentwicklung, die Einführung von Branchenmindestlöhnen, der aktuelle Entwurf für eine Erbschaftsteuerreform sowie der starke Euro. Auch macht sich die Knappheit an kostengünstigen Grundstücken, zunehmende Umweltauflagen und die Dauer von Genehmigungsverfahren negativ bemerkbar."

Viele Industrieunternehmen nutzen laut Treier derzeit die verbesserte Geschäftslage, um vor allem in den Staaten Mittel- und Osteuropas ein zweites Standbein für Produktion im Ausland aufzubauen. "Die Unternehmen schaffen sich damit die Flexibilität, auf eine tatsächliche Verschlechterung der Standortbedingungen rasch mit Produktionsverlagerungen zu reagieren", erklärt der Chefvolkswirt. Wenn dieser Fall eintrete, halte der DIHK "eine Verlagerung von jährlich bis zu 50.000 Industriearbeitsplätzen pro Jahr in die neuen EU-Mitgliedsaaten seit 2004 einschließlich der Ukraine und der Türkei für möglich".

 

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