München, 28.03.2008 17:43 Uhr (redaktion)
Die bayerischen Sparkassen sind bereit, Garantien für milliardenschwere Risikopapiere der BayernLB zu übernehmen.
04.04.2008
"Wir können den Schirm aufspannen", sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Bayern, Siegfried Naser, dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Die Institute seien dafür ebenso wie die Kommunen und der Freistaat Bayern gerüstet. "Ob die Garantie überhaupt jemals fällig wird, wird erst in sechs Jahren entschieden." Ein Teil werde sicher ausfallen. "Ein Teil der absoluten Irrationalitäten wird sich bis dahin aber entspannt haben", sagte Naser.
Die Landesbank hatte am Donnerstag angekündigt, 24 Milliarden Euro an Risikopapieren in eine Zweckgesellschaft auszulagern. Davon sollen rund sechs Milliarden mit Garantien gegen Ausfälle abgesichert werden. Die BayernLB kommt für die ersten 1,2 Milliarden Euro auf. Für die restliche Summe laufen Verhandlungen mit den Eigentümern, dem Freistaat Bayern und den Sparkassen des Landes. Die BayernLB hat die Finanzkrise bislang 4,3 Milliarden Euro gekostet.
Das von der BayernLB bekundete Interesse an der angeschlagenen IKB beurteilt Naser skeptisch. "Aber mal anschauen kostet ja nichts", sagte er. Er bekräftigte seine Forderung nach einer Fusion der BayernLB mit der LBBW zu einer "Südbank". "Das halten wir nach wie vor für den völlig richtigen Weg", sagte der Sparkassen-Präsident.
(reuters)
03.04.2008
Die Finanzkrise hat bei der BayernLB deutlich tiefer ins Kontor geschlagen als bislang angenommen. Insgesamt summierten sich die Belastungen für die zweitgrößte deutsche Landesbank bis Ende März auf 4,3 Milliarden Euro, wie die BayernLB am Donnerstag in München mitteilte. 2,3 Milliarden Euro davon schlagen sich direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder. Bisher habe sich aus dem kritischen Portfolio an forderungsbesicherten Wertpapieren von 24 Milliarden Euro aber ein tatsächlicher Zahlungsausfall von nur 100 Millionen Euro ergeben.
Die BayernLB will wie die Düsseldorfer WestLB die kritischen Wertpapiere mit Garantien über sechs Milliarden Euro hinterlegen. Künftige Ausfälle des Portfolios würde zunächst die BayernLB selbst tragen mit 1,2 Milliarden Euro. Über die restlichen 4,8 Milliarden Euro stehe die Bank in Gesprächen mit ihren Eigentümern und der EU-Kommission. Die konkrete Ausgestaltung der Risikoabschirmung stehe noch nicht fest.
Die zweitgrößte deutsche Landesbank schloss einen Verlust im laufenden Jahr nicht aus. Insgesamt summierten sich die Belastungen bis Ende März auf 4,3 Milliarden Euro. Nach heutigem Stand ist die BayernLB damit - nach der beinahe pleitegegangenen und inzwischen verkauften SachsenLB - die am schwersten von der Kreditkrise getroffene Landesbank.
Die Summe übersteigt selbst die jüngste Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), der vier Milliarden Euro Belastung als "möglich" bezeichnet hatte. Die kritischen Papiere sollen nun nach dem Vorbild der WestLB in eine Zweckgesellschaft ausgelagert werden, für die eine Garantie von sechs Milliarden Euro notwendig wird. Diese soll zumindest zum Teil das Land und damit der Steuerzahler tragen.
Der neue Bankchef Michael Kemmer konnte bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in München nicht ausschließen, dass die Bank in diesem Jahr in die Verlustzone rutscht. Es sei aber "unseriös", in dieser Marktlage Prognosen zu machen. 2007 war der Gewinn bereits um über 82 Prozent auf 175 Millionen Euro eingebrochen. "Die Krise hat für die BayernLB erhebliche Auswirkungen", sagte Kemmer. Eine "unmittelbare Bedrohung" für die Bank bestehe aber nicht.
Allein in den ersten drei Monaten 2008 sind mit zwei Milliarden Euro fast so hohe Wertberichtigungen entstanden wie im gesamten vergangenen Jahr, als die BayernLB 2,3 Milliarden Euro verkraften musste. "Die Märkte sind zu Beginn von 2008 noch einmal massiv zurückgegangen", sagte Kemmer. Er hatte Anfang März den Chefposten von Werner Schmidt übernommen, der wegen einer fehlgeschlagenen Kommunikationsstrategie in Zuge der Krise von der Landesregierung aus dem Amt gedrängt wurde. Auch andere Geldhäuser wie die Deutsche Bank hatten von Januar bis März noch einmal massive Abschreibungen verbucht.
(reuters)
28.03.2008
Die Banken schneiden Salami. Erst 1,9 Mrd. Euro, jetzt sollen es bis zu 4 Mrd. Euro Belastung durch die Subprime-Krise sein. Kreisen zufolge machen sich der Freistaat Bayern und die Sparkassen als Eigentümer bereits auf Garantien für das Kreditinstitut gefasst.
Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein halte eine Belastung von vier Milliarden Euro für möglich, zitierte der "Nordbayerische Kurier" den CSU-Politiker in einer Vorabmeldung am Freitag. Damit müsste die BayernLB praktisch ihr komplettes Portfolio von hochriskanten US-Subprime-Wertpapieren für wertlos erklären. Bisher hatte die Bank Belastungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Beckstein erklärte dem Zeitungsbericht zufolge, er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über diesen Betrag hinausgehen werden. Die BayernLB war für eine Stellungnahme zu den drohenden Belastungen zunächst nicht zu erreichen.
Die bayerischen Sparkassen und der Freistaat Bayern prüften Bürgschaften für das Geldhaus, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums wollte sich am Freitag nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz der BayernLB am 3. April. Ein Sprecher der Bank selbst sagte zu möglichen Garantien vom Land und von den bayerischen Sparkassen, der Aspekt werde gegebenenfalls in der Pressekonferenz thematisiert.
Der BayernLB droht eine Herabstufung ihres Finanzstärke- Ratings durch die Agentur Moody's, die wie Beckstein befürchtet, dass sich die Abschreibungen und Wertkorrekturen bei dem Institut noch verdoppeln könnten. Die Bank hält nach eigenen Angaben Papiere in einem Volumen von über vier Milliarden Euro, die im Zusammenhang mit schlecht besicherten Krediten in den USA stehen. Moody's hatte erklärt, ohne Maßnahmen zur Stärkung des Kapitals oder zur Senkung der Risiken drohe eine Herabstufung.
Bei der mit Verlusten kämpfenden WestLB waren die Eigner bereits mit Garantien in die Bresche gesprungen, um eine Herabstufung und damit eine teurere Refinanzierung für die Düsseldorfer Bank zu verhindern. Dort haftet allein das Land - und damit der Steuerzahler - für drei Milliarden Euro. Auch die NRW-Sparkassenverbände stützen das Institut.
Ein Sprecher des Bayerischen Sparkassenverbands bekräftigte, dass die Institute der Landesbank die Stange hielten. "Beide Eigentümer stehen fest hinter ihrer Bank." Ein Sprecher der Landesbank sagte: "Der Vorstand steht in ständigem Kontakt mit den Eigentümern."
(reuters)
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