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Update-Biosprit: Verordnung ist vom Tisch - Gabriel stoppt Einführung

Berlin, 02.04.2008 10:08 Uhr (redaktion)

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) stoppt die umstrittene Biosprit-Verordnung. "Wir tun das nicht", sagte Gabriel im ARD-Morgenmagazin.

04.04.2008
Die Verordnung sieht eine Erhöhung des Bioethanolanteils für Benzin ab 2009 von fünf auf bis zu zehn Prozent vor. "Weit über drei Millionen" Fahrzeuge vertragen diesen Kraftstoff namens E10 laut Gabriel aber nicht. Es gehe nicht um ein umweltpolitisches Ziel, sondern darum, der Autoindustrie zu helfen, fügte der Minister hinzu.

Der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) teilte mit, rund 3,3 Millionen Fahrzeuge ausländischer Hersteller vertrügen E10 nicht oder seien noch nicht überprüft worden. Hinzu kommen nach Angaben des Branchenverbandes VDA knapp 190.000 Autos deutscher Hersteller.

Er habe sich zum Stopp der Verordnung entschieden, um eine "lange Debatte und erneute Verunsicherung über denkbare Nachrüstungsmöglichkeiten oder Terminverschiebungen" zu vermeiden, sagte Gabriel.

Das Umweltministerium war lange von einer Zahl von 375.000 Autos ausgegangen, die den neuen Biosprit-Kraftstoff nicht vertragen. Es stellte sich aber heraus, dass es nur um die Autos deutscher Hersteller ging.

02.04.2008
Die Einführung der umstrittenen Biosprit-Sorte E-10 steht vor dem Scheitern. Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Mittwoch vertragen weit über zwei Millionen Autos in Deutschland keinen Biosprit-Anteil von zehn Prozent.
Damit wäre die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gesetzte Grenze um 100 Prozent überschritten. Der Minister will die entsprechende Verordnung stoppen, falls mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen sind. Sie müssten sonst teureren SuperPlus-Kraftstoff tanken.

Mit den Zahlen vertraute Experten sagten Reuters, die im Verband der Automobilhersteller (VDA) zusammengeschlossenen deutschen Hersteller rechneten mit etwa 330.000 Autos, die den Sprit nicht vertrügen. Hinzu kämen allerdings noch über zwei Millionen betroffene Importautos. Unklar sei zudem, für wie viele Motorräder der Treibstoff schädlich sei.

Das Umweltministerium wollte die Angaben nicht kommentieren. Es erwarte die Zahlen am Donnerstag, sagte ein Sprecher. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) erklärte hingegen, diese Woche sei wohl nicht mehr damit zu rechnen. Ein VDA-Sprecher betonte, der Verband halte an den Angaben fest, dass nicht mehr als 375.000 Autos inländischer Hersteller betroffen seien. (reuters)

02.04.2008 - 09:51
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verwies in den "Stuttgarter Nachrichten" vom Mittwoch auf bestehende Unsicherheiten über die Anzahl von Fahrzeugen, die den Kraftstoff mit einer Beimischung von zehn Prozent Bioethanol (E-10) nicht vertragen.

"Wir setzen die Verordnung nicht in Kraft, solange wir keine klaren Zahlen haben. Und wir werden sie nicht in Kraft setzen, wenn die Zahl eine Million Fahrzeuge übersteigt", sagte der SPD-Politiker. Der ADAC hatte kürzlich gewarnt, mindestens drei Millionen Fahrzeuge würden sich für den Betrieb mit dem neuen Biosprit nicht eignen.

Gabriel hatte die Verordnung im Februar nach Berichten über Probleme unerwartet vieler Motoren mit E-10 erstmal auf Eis gelegt. Er hatte deren Zukunft von Zahlen abhängig gemacht, die ihm die Autoindustrie bis Ende März liefern sollte. Bislang aber liegen diese Zahlen offenbar noch nicht vor. Anfangs hatte der Verband der Autoindustrie (VDA) lediglich von etwa 375.000 Autos gesprochen, für die es Probleme geben dürfte und die deshalb auf das teurere SuperPlus umsteigen müssten.

"Wir müssen uns auf Herstellerdaten verlassen können", unterstrich Gabriel. Zugleich griff er die Mineralölindustrie an. "Der ADAC will seine Mitglieder zu Recht auch schützen. Aber seine Einwände spiegeln die Interessen des Verbandes der deutschen Mineralölindustrie wieder. Die wollen eigentlich keine Biokraftstoffe beimischen", sagte er. Die Umweltpolitik werde nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn Millionen Autofahrer an die SuperPlus-Tankstelle müssten.

Der ADAC hatte berichtet, Millionen von Fahrzeugen würden den neuen Biosprit technisch nicht vertragen und müssten bei seiner Einführung auf teureres SuperPlus umsteigen. Zudem müssten die Nutzer des neuen Biosprits draufzahlen, denn die Bioethanol-Beimischung erhöhe den Kraftstoffverbrauch. Der Automobilclub hatte daher gefordert, die Einführung des E-10 auf 2012 zu verschieben. (reuters;BMU)

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Die offizielle Roadmap zur Einführung von Biosprit können Sie hier downloaden

 

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