Frankfurt/Main, 04.04.2008 15:43 Uhr (redaktion)
Für Deutschland rechnet der Bankenverband 2008 weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 %.
Dies entspreche in etwa der Potenzialrate. Weber: „Die deutsche Wirtschaft kehrt somit vom Boom der Jahre 2006 und 2007 zu einer durchschnittlichen Entwicklung zurück. Für Schwarzmalerei besteht deshalb kein Anlass.“
Zusammenfassung des Konjunkturberichts
Die Perspektiven für die Weltwirtschaft haben sich eingetrübt. Vor allem in den USA wird ein Schrumpfen der Wirtschaft immer wahrscheinlicher. Zudem drohen auch in den dynamisch wachsenden Schwellenländern binnenwirtschaftliche Belastungen durch den zunehmenden Inflationsdruck. Eine globale Rezession ist aus heutiger Sicht jedoch nicht zu befürchten. In den USA dürfte die expansive Geld- und Fiskalpolitik einen tiefen Wirtschaftseinbruch verhindern, und die Schwellenländer sollten dank ihrer guten Fundamentaldaten auf einem soliden, wenngleich etwas flacheren Wachstumspfad bleiben.
Auch im Euro-Raum haben die wirtschaftlichen Belastungen weiter zugenommen. Neben den direkten und indirekten Folgen der schwächeren US-Konjunktur dämpfen vor allem der starke Euro und die hohen Energiepreise die konjunkturellen Aussichten. Im Gegensatz zu den USA halten sich die konjunkturellen Frühindikatoren aber im positiven Bereich und signalisieren eine Fortsetzung des Wachstums. Für 2008 ist im Euro-Raum mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,6 % zu rechnen, der sich 2009 leicht auf 1,9 % beschleunigt.
Die langsamer wachsende Weltwirtschaft und die Euro-Aufwertung werden die Industriekonjunktur in Deutschland zwar bremsen, angesichts der verbesserten internationalen Wettbewerbsfähigkeit vieler heimischer Unternehmen aber nicht aus der Bahn werfen. Zudem ist hierzulande in diesem Jahr mit einer Normalisierung des privaten Konsums zu rechnen, der 2007 wegen der Mehrwertsteuererhöhung regelrecht eingebrochen ist. Mit einer Wachstumsrate von 1,6 % in diesem und 1,8 % im kommenden Jahr wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach zwei Boomjahren wieder zu einer durchschnittlichen Entwicklung zurückkehren.
Die kräftige Erholung am deutschen Arbeitsmarkt ist ein klarer Beleg dafür, dass sich die beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre auszahlt. Umso verwunderlicher ist es, dass die Wirtschaftspolitik erfolgreiche Reformansätze teilweise wieder zurücknimmt. So erhöht die längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ebenso wie die geplante Aussetzung des „Riester-Faktors“ in der Rentenformel die Kosten der Sozialversicherungen. Die Möglichkeit, die Lohnzusatzkosten weiter zu senken und die Arbeitsmarkterholung zu stützen, wird damit leichtfertig vertan. Vor allem aber sind dies in Sachen Reformpolitik die falschen Signale.
Mit Blick auf die ungünstigeren Prognosen für die Weltkonjunktur ist in den kommenden Monaten mit einer Beruhigung bei den Rohstoffpreisen zu rechnen. Von großer Bedeutung für die Preisentwicklung ist daher die laufende Tarifrunde. Sollte diese situationsgerecht ausfallen, dürfte die Inflationsrate in Deutschland und im Euro-Raum im zweiten Halbjahr wieder unter die Marke von 2,5 % sinken.
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, trotz des gestiegenen Inflationsdrucks den Leitzins seit Sommer letzten Jahres konstant zu halten, ist sachgerecht und gut begründet. Vor allem ist es den europäischen Währungshütern gelungen, die längerfristigen Inflationserwartungen niedrig zu halten, was es den Tarifparteien erleichtern sollte, sich am längerfristigen Preistrend und nicht an der aktuellen Inflationsrate zu orientieren. Gleichwohl bietet das aktuelle Niveau und der rasche Anstieg der Teuerung Anlass zur Sorge. Ohne die stabilitätspolitische Unterstützung seitens der Lohnpolitik drohen höhere Inflationserwartungen. Dies könnte die Geldpolitik letztlich dazu zwingen, ihren moderaten Kurs zu verlassen.
(Quelle: Bankenverband)
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