Dresden, 14.04.2008 11:27 Uhr (redaktion)
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) tritt laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" von allen Ämtern zurück. Zwei Skandale als Grund benannt. Im Anhang des Artikels ist der Lebenslauf von Prof.Dr. Georg Milbradt aufgeführt.
Nachfolger solle Finanzminister Stanislaw Tillich (CDU) werden, berichtet die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Unionskreise. Für den Mittag ist in Dresden eine Pressekonferenz von Milbradt angesetzt.
Die unter Milbradt gegründete SachsenLB war Ende 2007 nach Spekulationen auf dem ins Trudeln geratenen US-Hypothekenmarkt eilig verkauft worden, um Milliardenverluste zu vermeiden. Milbradt steht seither in der Kritik. In einem Untersuchungsausschuss des Landtags hatte er vor wenigen Wochen die Übernahme politischer Verantwortung für das Bank-Desaster abgelehnt. Milbradt war von November 1990 bis Februar 2001 Finanzminister, seit 2002 ist er Ministerpräsident.
Milbradt ist wegen den Milliardenverlusten bei der SachsenLB unter Druck geraten. Aber auch auf Grund seiner Privatgeschäfte mit der SachsenLB. Laut Spiegel habe sich Milbradt zusammen mit seiner Frau Angelika an einem geschlossenen Immobilienfonds beteiligt, mit dem 1996 der 88 Millionen Euro teure Neubau der sächsischen Landesbank in Leipzig finanziert wurde. Pikant: Das Investment fand statt, als Milbradt Finanzminister im Kabinett Biedenkopf war und damit qua Amt Chef des Verwaltungsrats der im August 2007 notverkauften SachsenLB.
Die Milbradts hatten ihre Fondsbeteiligung, die rund 50.000 Euro betragen soll, teilweise über einen Kredit der Landesbank finanziert. Die Staatskanzlei bestätigte das Investment, sieht aber keinen Interessenkonflikt.
Vita:
Geboren am 23. Februar 1945 in Eslohe/Sauerland, aufgewachsen in Dortmund, wo die Familie, die aus Wongrowitz in der Nähe von Posen stammt, nach Kriegswirren und Flucht schließlich landete.
Konfession: römisch-katholisch. Verheiratet seit 1975 mit Prof. Angelika Meeth-Milbradt, 2 Söhne.
1964 Abitur in Dortmund. Im gleichen Jahr Beginn des Studiums der Fächer Volkswirtschaft, Jura und Mathematik an der Universität Münster. Diplom als Volkswirt 1968 ("sehr gut"), Promotion zum Dr. rer. pol. 1973 ("summa cum laude"), Erwerb der Lehrbefugnis für Volkswirtschaft 1980.
Von 1970 bis1980 Assistent am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Münster, anschließend bis 1983 Vertretung eines Lehrstuhls für Finanzwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Mainz.
In den Jahren 1983 bis 1990 Finanzdezernent der Stadt Münster, später außerdem zuständig für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften. Auszeichnung mit dem "eisernen Steuergroschen" des Bundes der Steuerzahler und als "wirtschaftsfreundlichste Stadt" durch die Zeitschrift "Wirtschaftswoche".
Seit 1985 zudem apl. Professor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Münster. Zahlreiche Seminare an den Universitäten in Münster und später in Dresden, Vorträge und Gastvorlesungen an anderen Hochschulen.
Von November 1990 bis Februar 2001 Sächsischer Staatsminister der Finanzen. Während dieser Zeit u.a. Aufsichtsratsvorsitzender der Sächsischen Aufbaubank und des Flughafens Dresden, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Leipzig-Halle, Verwaltungsratsvorsitzender der Sächsischen Landesbank, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Mitglied des Bundesrates und des Vermittlungsausschusses. Seit Oktober 1994 Mitglied des Sächsischen Landtages, direkt gewählt im Wahlkreis 53 (Westlausitz I).
Seit 1973 Mitglied der CDU. 1991 in den Landesvorstand, im November 1999 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Sächsischen Union gewählt; Mitglied des Bundesvorstandes der CDU seit April 2000.
Landesvorsitzender der Sächsischen Union seit September 2001.
Ministerpräsident des Freistaates Sachsen seit dem 18. April 2002.
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