München, 20.04.2008 12:42 Uhr (redaktion)
Im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal bei Siemens hat der frühere Konzernchef Heinrich von Pierer Berichten über angebliches Fehlverhalten widersprochen und das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht.
Der Leiter der Münchener Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe), am Freitag habe auf Wunsch des früheren Vorstandschefs und Aufsichtsratschefs von Siemens ein Gespräch der Strafverfolger mit ihm stattgefunden. Das Gespräch werde am Montag fortgesetzt. Die Frage, ob gegen Pierer ermittelt werde, habe Schmidt-Sommerfeld unbeantwortet gelassen, so die Zeitung.
Über seinen Anwalt widersprach Pierer laut "Süddeutscher" Berichten, er haben Manager mit den Worten, sie sollten sich wie "Soldaten von Siemens" verhalten, zu verdächtigen Zahlungen aufgefordert. In der Zeitung "Welt am Sonntag" meldete sich Pierer laut Vorabbericht nun auch persönlich zu Wort. Das Blatt zitierte Pierer mit den Worten: "Den Ausspruch 'Soldaten von Siemens' habe ich nie benutzt. Das ist auch nicht meine Terminologie". Generell könne er sich momentan mit Blick auf die Gespräche mit der Staatsanwaltschaft nicht weiter äußern, sagte Pierer der Zeitung demnach weiter. Die Vorwürfe gegen ihn im Schmiergeldskandal seien aber falsch.
In der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bestätigt, sie wolle Pierer an der Spitze ihres hochrangigen Innovationsrates ablösen. Als Grund führte sie an, dass mit der Gründung der Deutschen Nationalakademie Leopoldina und der Nationalen Technikakademie neue Strukturen für die Beratung in diesem Sektor entstanden seien. "Ich glaube, dass wir wie in anderen Ländern die nationale Investitionsbegutachtung diesen nationalen Institutionen übergeben sollten", sagte die Kanzlerin. Auf die Korruptionsaffäre bei Siemens ging Merkel nicht ein. Diese war in Medien als möglicher Grund für die Ablösung von Pierers genannt worden.
Siemens hatte Ende Januar dubiose Zahlungen in mehreren seiner Geschäftsbereiche eingeräumt. Infolge des Schmiergeldskandals war Pierer vergangenen April von seinem Posten als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten. Merkel hatte ihm für seine politische Tätigkeit in dem Beraterkreis stets Respekt gezollt. Der frühere oberste Anti-Korruptionsbeauftragte Albrecht Schäfer hatte kürzlich mitgeteilt, er habe Pierer bereits vor Jahren über den Verdacht systematischer Schmiergeldzahlungen informiert. Pierer bestreitet jede Kenntnis.
» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen