Frankfurt/Main, 27.04.2008 10:01 Uhr (redaktion)
Deutsche Großbanken drängen auf Beginn der Fusionswelle. Während sich die Deutsche Bank für zwei große heimische Privatkundeninstitute stark macht, deutete die Postbank erstmals an, auch für einen europäischen Partner offen zu sein.
Es wäre erstrebenswert, wenn aus den vier großen Banken der Republik zwei führende Privatkundeninstitute entstünden, die in der europäischen Liga eine bedeutendere Rolle spielen könnten, sagte der Deutschland-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, am Freitag bei einer Branchenveranstaltung der "Financial Times Deutschland" im hessischen Eltville. Wie mögliche Fusionen unter den vier Geldhäusern - also Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank und Dresdner Bank - aussehen könnten, sei jedoch noch völlig offen. "Wir müssen uns zusammenschließen, weil unsere Nachbarn größer geworden sind", machte er deutlich.
Postbank-Chef Wolfgang Klein betonte dagegen: "Aus vier mach zwei ist für mich keine Notwendigkeit." Man müsse Konsolidierung "durchaus auch in einem europäischen Kontext sehen". Die Muttergesellschaft Deutsche Post prüft derzeit, wie die Zukunft ihrer Banktochter aussehen könnte. Eine Option ist ein Verkauf des bei anderen Banken heiß begehrten Geldhauses.
Der Vorstandschef der zur Allianz gehörenden Dresdner Bank, Herbert Walter, zeigte sich skeptischer. "Eine Konsolidierung der deutschen Banken wäre sicher der Schritt in die richtige Richtung, aber sie löst nicht das Problem des internationalen Wettbewerbsdrucks", sagte er. Private Finanzinstitute müssten sich stärker spezialisieren und effizienter werden. Die Allianz hatte kürzlich angekündigt, ihre Banktochter aufzuspalten in eine Privatkunden- und Investmentbanking-Sparte. Ein separater Verkauf der beiden Bereiche gilt als sehr wahrscheinlich.
Seit Wochen dominieren Gerüchte über das zukünftige Aussehen der deutschen Bankenlandschaft die Medien und Kapitalmärkte. Am Freitag hatte die Deutsche Bank die Spekulationen von Börsianern angeheizt, als sie Interesse an der möglicherweise bald zum Verkauf stehenden Citibank äußerte. Wenn das zur US-Bank Citigroup gehörende Institut auf den Markt komme, werde die Deutsche Bank es sich anschauen, sagte Fitschen. An der Börse zogen sämtliche Finanztitel an. Reuters hatte aus Finanzkreisen vor ein paar Tagen erfahren, dass Citigroup-Chef Vikram Pandit einen Verkauf der auf Privatkunden spezialisierten Deutschland-Tochter oder Teilen davon prüft. Seine Entscheidung wird für Anfang Mai erwartet.
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