Finanzen Markt & Meinungen Startseite

 

Update: Wurde Porsche-Chef Wiedeking auf VW-Werksgelänge abgehört?

Wolfsburg/Stuttgart, 27.04.2008 09:56 Uhr (redaktion)

Das in einem Hotelzimmer von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gefundene Babyfon ist nach Einschätzung der Strafverfolger wohl nicht Teil einer filigranen Abhöraktion.

28.04.2008
"Das wirkt nicht wie ein großer Lauschangriff", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag. "Ich will das nicht bagatellisieren, würde es aber auch nicht zu hoch hängen wollen." Seit Donnerstag vergangener Woche liege der Behörde eine Anzeige wegen Verletzung der Vertraulichkeit vor. Der Vorfall soll sich am 15. November vergangenen Jahres in einem Hotel auf dem VW-Werksgelände zugetragen haben, einen Tag vor einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats. "Der lange Zeitraum, der seitdem vergangen ist, erhöht nicht gerade unsere Ermittlungsmöglichkeiten, sagte der Behördensprecher.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass ein Gast das Gerät vergessen habe, sagte der Sprecher. Medienberichten zufolge hatte eine Nachfrage in dem Hotel aber ergeben, dass über Wochen keine Familie in dem Zimmer gewohnt habe, die ihr Babyfon vergessen haben könnte. Das Babyfon sei offenbar vor Bezug der Suite durch Wiedeking gefunden worden, sagte der Sprecher.

27.04.2008
Das niedersächsische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermitteln übereinstimmenden Berichten von "Spiegel" und "Focus" zufolge wegen einer Abhöraktion, die gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gerichtet sein könnte.

Porsche habe bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Abhörens gestellt, sagte ein Porsche-Sprecher am Samstag. Es stimme, dass etwas gefunden worden sei. Ein VW-Sprecher bestätigte den Fund eines Babyfons in einem Zimmer eines Hotels auf dem VW-Gelände. VW habe ebenfalls Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Focus" zufolge geht es um die Nacht vor einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats am 16. November 2007. Wiedeking sei damals in einer Suite des Hotels Ritz-Carlton auf dem Wolfsburger VW-Gelände abgestiegen. Am nächsten Morgen habe der Porsche-Sicherheitsdienst das Zimmer überprüft und unter dem Sofa ein eingeschaltetes Babyfon entdeckt, das offenbar während des gesamten Aufenthalts von Wiedeking aktiviert gewesen sei. Dem "Spiegel" zufolge hatte der Sicherheitsdienst allerdings das Gerät bereits am Abend entdeckt, da Wiedeking misstrauisch gewesen sei. Eine Nachfrage in dem Hotel habe ergeben, dass über Wochen keine Familie in dem Zimmer gewohnt habe, die ihr Babyfon vergessen haben könnte, schreibt der "Spiegel" weiter.

Porsche habe VW erst vor wenigen Tagen über den Vorfall informiert, berichtete "Focus" zudem. VW habe am Mittwoch das Landeskriminalamt eingeschaltet. Das Magazin zitierte einen VW-Sprecher mit den Worten, VW habe mit der Sache nichts zu tun.

Einen Abhörfall gab es auch in der Porsche-Zentrale. Porsche habe Anzeige erstattet, weil Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück abgehört worden sei, sagte ein Sprecher. Laut "Focus" war der Lauschangriff gegen das Festnetz-Telefon von Hück in seinem Büro in Zuffenhausen gerichtet. Hücks Büro werde nun abhörsicher ausgebaut, meldete das Magazin weiter. Hück liegt mit VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh über Kreuz. Kern des Konflikts ist der Streit über die Mitbestimmung in der neuen Porsche Holding, in der sich die VW-Arbeitnehmer unterrepräsentiert fühlen. Der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen als VW-Großaktionär streiten seit Monaten mit Wiedeking und Porsche über die Machtausweitung des Sportwagenherstellers, der Volkswagen übernehmen will.

"Spiegel" und "Focus" berichten außerdem über einen schon länger zurückliegenden Abhörfall. Die Privatwohnung von Ex-VW-Vorstand Wolfgang Bernhard sei verwanzt gewesen. VW wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern.

(ThomsonReuters)

 

» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen