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Auszug Studie Deutschland 2020: Die Mittelschicht schrumpft dahin - Hintergrund

Berlin, 04.05.2008 18:57 Uhr (redaktion)

In einem Interview mit der Welt am Sonntag sagte McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern der Zeitung, "das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren hatten, hat nicht ausgereicht, um bei den Leuten anzukommen".

Im Rahmen der Studie "Deutschland 2020. Zukunftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft", die die Unternehmensberatung McKinsey erstellt hat, wir deutlich: Weniger als die Hälfte der Bevölkerung werde bis zum Jahr 2020 noch ein Einkommen auf Durchschnittsniveau erzielen.

Dies seien zehn Millionen Menschen weniger als noch Anfang der 90er-Jahre. Zur Einkommensmittelschicht zählten alle, die 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienten. Im Jahr 2006 habe dies einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro entsprochen.

Bleibe Deutschland auf dem eingeschlagenen Wachstumspfad, könnten dem Zeitungsbericht zufolge fast 30 Prozent der Bürger mit ihrem Einkommen aus der sogenannten Mittelschicht fallen. Grundlage der Berechnungen sei ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent bis zum Jahr 2020. "Das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren hatten, hat nicht ausgereicht, um bei den Leuten anzukommen", sagte McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern der Zeitung. "Wir haben es nicht geschafft, die Sozialsysteme ausreichend zu unterfüttern und Rentensteigerungen zu ermöglichen."

Diesen Berechnungen hat die Unternehmensberatung dem Bericht zufolge ein "Chancenszenario" mit einem jährlichen Wachstum von drei Prozent gegenübergestellt. Darin könne sich das mittlere Einkommen gegenüber dem Jahr 2006 um über 40 Prozent auf rund 36.000 Euro erhöhen.

Kern der Studie
Auf Basis von Bottom-up-Analysen der Branchen Automobil- und Maschinenbau, Chemie, Hightech, Banken, Versicherungen und Asset Management, Konsumgüter, Gesundheitswesen, Transport und Logistik, Telekommunikation sowie des öffentlichen Sektors hat McKinsey zwei Szenarien für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2020 formuliert. Das Fazit: Eine erhebliche Dynamisierung der Wirtschaft ist erforderlich, aber auch möglich. Wenn jetzt die Weichen auf unternehmerische Erneuerung und stärkeres Wachstum gestellt werden, ist eine positive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft erreichbar.

Das McKinsey Global Institute (MGI) analysiert zudem seit Jahren die weltwirtschaftlichen Trends und Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund ist die Studie Deutschland 2020 eine wirtschaftliche Perspektive, keine politische Agenda. Mit der Untersuchung möchte McKinsey einen Beitrag leisten zur Diskussion über die wirtschaftliche und damit letztlich auch gesellschaftliche Zukunft Deutschlands. Die Faktenbasis der Studie schafft eine Grundlage dafür, Klarheit über Unternehmens- und Industrieperspektiven zu erlangen und den notwendigen gesamtwirtschaftlichen Wandel voranzutreiben.


 

Denn ein Wachstum von 3 Prozent ist nach Analysen von McKinsey möglich aber auch erforderlich, um die gewohnten Lebens- und Sozialstandards zu halten.


 

Nur dann können breite Schichten der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und die finanzielle Sicherung der Sozialsysteme gewährleistet werden. Bei weniger Wachstum hingegen gerät die Mittelschicht weiter unter Druck, da die wirtschaftliche Basis für den Wohlstand breiter Bevölkerungsteile entfällt.

Die Unterschiede durch mehr Wachstum wären für die gesamte Bevölkerung deutlich spürbar: Das mittlere Einkommen würde gegenüber 2006 real um über 40% – von 25.000 EUR pro Kopf auf rund 36.000 EUR im Jahr 2020 steigen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt würde sich entspannen, der Mangel an hoch qualifiziertem Fachpersonal wäre das vordringliche Problem. Insgesamt müssten mehr als 6 Millionen zusätzliche Beschäftigte mobilisiert werden. Dafür müssten ältere Arbeitnehmer länger und Frauen stärker am Erwerbsleben teilnehmen, junge Menschen schneller ihre Ausbildung beenden und Deutschland für in- und ausländische Spitzenkräfte attraktiver werden. Mit 700.000 Menschen ohne Job bleibt im 3-Prozent-Szenario zwar im Bereich der Geringqualifizierten immer noch eine deutliche Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Im dann stark gewachsenen Sektor haushaltsnaher Dienstleistungen und im Einzelhandel können jedoch auch Menschen ohne Berufsausbildung verstärkt Beschäftigung finden.

Wegen der gesunkenen Arbeitslosigkeit ist nach einer erfolgreichen Dynamisierung der Wirtschaft die Finanzierung der Sozialleistungen kein beherrschendes Thema mehr, zumal kapitalgedeckte Eigenvorsorge und Selbstverantwortung an Bedeutung gewinnen und die umlagefinanzierte Sozialversicherung ergänzen.

(Quelle: McKinsey;ThomsonReuters)

 

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