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UPDATE: Yahoo-Übernahme durch Microsoft - Yahoo-Chef leckt die Wunden

San Francisco, 04.05.2008 10:42 Uhr (redaktion)

Die Übernahme ist ersteinmal geplatzt, nachdem Microsoft-Chef Ballmer das Angebot am Samstag (03.05.08) zurückgenommen hat. Yahoo-Chef Jerry Yang sinniert und die Aktionäre sind launisch.

06.05.2008
Yahoo-Chef Jerry Yang sagte am Montag der Nachrichtenagentur Reuters, der Internetkonzern stünde neuen Vorschlägen Microsofts offen gegenüber. Yang steht nun unter dem starkem Druck seiner Aktionäre, eine glaubhafte Strategie zu präsentieren. Sie werfen ihm vor, die Gespräche mit überzogenen Forderungen aus der Bahn geworfen zu haben. Bei seinen Verhandlungen mit Google über eine Allianz erzielte Yahoo Kreisen zufolge bislang noch keine Einigung.

Der Abbruch der Gespräche sei eine Entscheidung Microsofts gewesen, betonte Yang. Er habe gemischte Gefühle, was das Scheitern der Gespräche mit Microsoft angehe. "Wir haben verhandelt, um eine gemeinsame Grundlage zu finden, und dann haben sie am Samstag beschlossen zu gehen." Der Mitbegründer des Internetkonzerns wollte noch am Dienstag den Yahoo-Angestellten seine Sicht der Dinge darlegen.

Microsoft hatte am Wochenende nach dreimonatigem Ringen sein Übernahmeangebot zurückgezogen, nachdem Yahoo auch ein um fünf Milliarden auf 47,5 Milliarden Dollar aufgestocktes Angebot als zu niedrig abgelehnt hatte. Während der weltgrößte Softwarekonzern nicht mehr als 33 Dollar je Aktie zahlen wollte, forderte das Yahoo-Direktorium zuletzt 37 Dollar je Aktie. Mit der Yahoo-Übernahme wollte Microsoft seine Internet-Präsenz stärken und Marktführer Google angreifen. Microsoft-Aktien zogen am Montag zunächst an, beendeten den Handel dann jedoch etwas tiefer, da Investoren die Internetstrategie des Softwarekonzerns nun gefährdet sehen. Yahoo-Aktien hatten am Montag 15 Prozent nachgegeben.

Analysten zufolge droht Yahoo nun eine Klagewelle durch seine Aktionäre und direkter Druck auf das Direktorium. Einige Anteilseigner haben die Verhandlungstaktik Yahoos bereits offen kritisiert. So erklärten die beiden größten Aktionäre gegenüber der "New York Times", sie hätten bereits für 34 Dollar je Aktie verkauft. "Ich bin extrem verärgert über Jerry Yang und das sogenannte unabhängige Direktorium", sagte Gordon Crawford von Capital Research Global Investors, dem größten Yahoo-Aktionär mit einem Anteil von rund 16 Prozent.

Als Hauptnutznießer der gescheiterten Verhandlungen gilt derweil Google. Der Suchmaschinenbetreiber befinde sich weiterhin auf der Überholspur, sagte ein Analyst. Weder Yahoo noch Microsoft schienen derzeit eine ernsthafte Konkurrenz für den Konzern darzustellen. Yahoo und Google beraten nach Angaben eingeweihter Personen weiterhin über eine Kooperation im Anzeigengeschäft und halten dabei auch Kontakt zu den Regulierungsbehörden. Yang betonte gegenüber Reuters, Yahoo werde bei allen weiteren Schritten den Erhalt seiner langfristigen Flexibilität im Auge behalten. Ballmer hatte am Wochenende in einem Brief an Yang gewarnt, eine Allianz Yahoos mit dem dominierenden Suchmaschinenbetreiber würde einen Kauf Yahoos für Microsoft nicht mehr wünschenswert machen.

Fazit:
Microsoft-Chef Ballmer hat bisher noch jeden verhauen, der sich ihm entgegengestellt hat.

04.05.2008
Die Übernahmeschlacht um den Internet-Konzern Yahoo ist beendet: Der US-Software-Gigant Microsoft zog sein Kaufangebot zurück. Dies teilte der weltgrößte Softwarekonzern in der Nacht zum Sonntag mit. Microsoft-CEO Steve Ballmer erklärte in einem Brief an seinen Yahoo-Kollegen Jerry Yang, sein Unternehmen sei bereit gewesen, das ursprüngliche Angebot von 31 Dollar je Aktie um fünf Milliarden Dollar auf 33 Dollar je Aktie - insgesamt 47,5 Milliarden Dollar - zu erhöhen. Yahoo habe jedoch 37 Dollar je Aktie verlangt. Yahoos Direktoriumsvorsitzender Roy Bostock erklärte in einer Stellungnahme, der Internetkonzern sei von Anfang an der Meinung gewesen, durch das Angebot Microsofts unterbewertet worden zu sein.

Nach eingehender Überlegung glauben wir, dass die von Yahoo verlangten wirtschaftlichen Forderungen für uns keinen Sinn ergeben", schrieb Ballmer. "Und wir denken daher, dass es im Interesse der Microsoft-Aktionäre, Mitarbeiter und der anderen Beteiligten ist, unser Angebot zurückzuziehen." Einige Microsoft-Aktionäre hatten die Fusion wegen der hohen Kosten und unklaren Vorteile infrage gestellt. Als weiteren Grund für den Rückzug nannte Ballmer Yahoos Pläne, mit dem Konkurrenten Google eine Allianz einzugehen. Ein derartiges Übereinkommen mit dem dominierenden Suchmaschinenanbieter würde einen Kauf Yahoos für Microsoft nicht mehr wünschenswert machen, schrieb Ballmer. Microsoft wollte mit dem Kauf Yahoos seine Position im Wettbewerb mit Google stärken.

Kreisen zufolge könnte Yahoo eine Partnerschaft mit Google im Anzeigengeschäft bereits in der kommenden Woche bekanntgeben. Bostock erklärte, Yahoo verfolge "strategische Chancen". Einzelheiten dazu nannte er jedoch nicht. Yahoo hat auch mögliche Übereinkommen mit Time Warners Internetsparte AOL und News Corps Internetnetzwerk Facebook in Betracht gezogen.

Analysten gehen davon aus, dass Yahoo mit seiner abwehrenden Haltung gegenüber Microsoft überzogen hat und erwarten, dass der Konzern dies mit einem Wertverlust seiner Aktien von 30 Prozent bezahlen wird. "Wow. Ich bin geschockt, dass Yahoo nicht vernünftiger war", sagte Walter Price von der RCM-Vermögensverwaltung in San Francisco, die sowohl Microsoft- als auch Yahoo-Aktien hält. Es sei zudem überraschend, dass Ballmer keine feindliche Übernahme für 33 Dollar je Aktie versucht habe.

Andere Analysten glauben indes, dass Microsoft sein Gebot aus strategischen Gründen zurückgezogen haben könnte. Damit verstärke der Softwarekonzern den Druck auf Yahoo, ein künftiges Angebot anzunehmen. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge brachte Microsofts Drohung mit einer feindlichen Übernahme Yahoo bereits dazu, seine ursprüngliche Forderung von 40 Dollar je Aktie auf 37 Dollar je Aktie zu senken. Der Preis sei jedoch nicht das einzige Hindernis in den Verhandlungen gewesen, sagte die Person. Microsoft habe zudem kartellrechtliche Bedenken Yahoos nicht ausräumen können. Zudem habe Yahoo eine Garantie dafür gefordert, dass das Angebot Microsofts bis zu einer möglichen Übernahme gleichhoch bleibe.

(ThomsonReuters)

 

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