Berlin, 17.05.2008 11:05 Uhr (redaktion)
Unerwartet hohe Ausgaben für Arzneimittel und medizinische Behandlungen haben bei den beiden größten bundesweiten Krankenkassen Barmer und DAK in den ersten drei Monaten für ein kräftiges Defizit gesorgt.
Mit 150 Millionen Euro bei der Barmer und 80 Millionen Euro bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) lag das Minus höher als im selben Quartal 2007. Die Kassen rechneten am Freitag allerdings damit, dass sich die Zahlen in den nächsten Monaten verbessern werden. Barmer-Chef Johannes Vöcking wollte sich ebenso wie andere Kassenexperten dennoch nicht festlegen, ob am Jahresende ein Überschuss wie 2007 stehen wird.
Damit ist unklar, unter welchen Voraussetzungen der Gesundheitsfonds 2009 starten kann. Den Beitrag für diese Geldsammelstelle muss die Bundesregierung im Herbst bundesweit einheitlich festsetzen. Die Basis bildet die Finanzentwicklung in den ersten beiden Quartalen. Bei einer schlechten Ausgangsposition würde der Beitrag entsprechend hoch ausfallen. Vor allem Mitglieder von bisher preiswerten Kassen müssten dann draufzahlen. Oder aber einzelne Kassen mit dünnem Finanzpolster würden gezwungen, eine Zusatzprämie zu erheben.
Ingesamt lagen die gesetzlichen Kassen Ende 2007 mit 1,8 Milliarden Euro in den schwarzen Zahlen. Die Barmer hatte das Jahr mit einem Überschuss von 298 Millionen Euro abschließen können, die DAK mit 206 Millionen Euro. Im ersten Quartal hatten beide Kassen ebenfalls im Minus gelegen - mit 121 Millionen Euro (Barmer) und 75 Millionen Euro (DAK) aber in geringerem Umfang.
Vöcking sagte Reuters, das Ergebnis der ersten drei Monate liege üblicherweise im Minus, da die Barmer mit ihren rund sieben Millionen Versicherten durch hohe Zahlungen in den Kassen-Finanzausgleich belastet werde. Dieses Geld bekomme sie im Jahresverlauf zurück. Zudem seien noch Bundeszuschüsse und Einnahmen aus den 13. Monatsgehältern zu erwarten. Ähnlich äußerte sich DAK-Chef Herbert Rebscher. Der Haushalt seiner Kasse entspreche den Erwartungen und sei sauber kalkuliert.
Vöcking ließ offen, wie die Situation am Jahresende aussehen wird. Zunächst müsse die weitere Ausgabenentwicklung abgewartet werden. "Ich bin in der Prognose sehr zurückhaltend." Auch die Kaufmännische Krankenkasse (KKH), die im ersten Quartal ein Plus von acht Millionen Euro erwirtschaftete, bleibt vorsichtig. "Wir haben da einige Kostentreiber im System", sagte Sprecherin Daniela Friedrich.
Große Sorge bereiten den Kassen die steigenden Ausgaben für Arzneimittel. Für alle gesetzlichen Kassen zusammen lagen sie nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) im ersten Quartal im Schnitt bei 5,2 Prozent. Preistreiber seien Originalpräparate, für die es keine Nachahmerprodukte gebe, sagte Vöcking. Ebenfalls bemerkbar machten sich die Ausgaben für Schutzimpfungen, die per Gesetz in das Leistungsspektrum der Kassen aufgenommen worden waren.
Auch für Krankenhausbehandlungen müssen die Kassen tiefer in die Tasche greifen. Allein bei der Barmer waren es 5,4 Prozent im ersten Quartal zusätzlich. Vöcking warf den Kliniken vor, angesichts der jüngsten Tarifabschlüsse "wieder mehr in die Menge zu gehen" und möglichst viele Behandlungen abzurechnen. Festzustellen sei ein Drehtüreffekt: "Der Patient geht nach einer Behandlung raus und kommt wieder rein, und dann wird neu abgerechnet."
(ThomsonReuters -Thorsten Severin)
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