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Altersvorsorgecheck: Wieviel Geld muss zurückgelegt werden?

Berlin, 20.05.2008 18:56 Uhr (redaktion)

Keiner kann sich im Alter allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Wer das macht, könnte einen kargen Ruhestand fristen. Wie viel Rente später wirklich fehlt, hat Finanztest an acht Modellfällen nachgerechnet. Um dieses Loch zu stopfen, bieten sich Riester- oder Rürupverträge an.

Wie weit die persönliche Rentenlücke klafft, hängt stark vom Alter und vom Familienstand ab. Bei Jüngeren und Verheirateten ist sie größer; bei Älteren und Alleinstehenden kleiner. Aus fast 450 Leserzuschriften an Finanztest geht hervor: Vielen Versicherten wissen, dass ihre gesetzliche Rente im Alter zu gering ist. Wie viel Geld sie für ihren Ruhestand zurücklegen müssen, um ihren Lebensstandard halten zu können, ist vielen nicht klar. Finanztest hat für typische Familien, Singles, Angestellte, Selbstständige, Beamte und Berufsanfänger ausgerechnet, wie viel Geld fehlt. Seine Rentenlücke kann jeder für sich selbst mit dem kostenlosen Rentenlückenrechner ermitteln. Die nötigen Daten sind in der letzten Gehaltsabrechnung und in der aktuellen Renteninformation zu finden. Beamte können ihren zusätzlichen Geldbedarf im Ruhestand mit dem Pensionsrechner kalkulieren.

Im Alter fehlen 900 Euro jeden Monat
Rentner haben meist weniger Ausgaben als in ihrem Berufsleben. Werbungskosten oder die finanzielle Unterstützung ihrer Kinder fallen weg. Die Tester gehen von der Faustformel aus: Im Alter sollen 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung stehen. Der Abstand zwischen diesem Bedarf und der gesetzlichen Nettorente oder der Nettopension ergibt die Versorgungslücke.

225 Euro monatlich zurücklegen
Modellfall ledige Berufsanfängerin: Eine seit zwei Jahren angestellte Architektin hat einen Nettoverdienst von 1 350 Euro. Will die 27-jährige ihren jetzigen Lebensstandard im Alter halten, muss sie dafür ab sofort 225 Euro Monat für Monat zurücklegen. Aus der gesetzlichen Rente würde sie im Alter nicht mal 200 Euro beziehen. Voraussichtlich 887 Euro monatlich fehlen. Aus zwei fondsgebundenen Rentenversicherungen mit jeweils 25 Euro Monatsbeitrag kann sie im Ruhestand rund 190 Euro erwarten. Wenn ihr Gehalt nicht steigt, fehlen noch 697 Euro. Hier empfiehlt Finanztest einen Riester-Fondssparplan, in den die ledige Architektin die nächsten 40 Jahre monatlich 175 Euro inklusive staatlicher Zulage einzahlt. Später kann sie mit 668 Euro mehr Rente rechnen. Berufsanfänger, die noch nicht wissen, wie es im Job weitergeht, sollten sich flexible Anlageprodukte aussuchen. Am besten geeignet sind gute Aktienfonds, die Finanztest im Produktfinder stets aktuell vergleicht. Sie sind zwar riskanter, an das Geld kann der Sparer aber jederzeit heran. Banksparprodukte und Bausparverträge mit sicheren Zinsen sind eine sichere Alternative. Weitere sieben Modellfälle hat Finanztest geprüft und Sparprodukte empfohlen.

Zuerst zum Riester-Vertrag greifen
Ein Riester-Vertrag passt für Familien mit Kindern, für Paare und Singles. Die staatliche Förderung für Riester-Produkte sollte jeder mitnehmen. Deshalb empfiehlt Finanztest allen, die sie abschließen können, zuallererst die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge. Dabei ist für jüngere Sparer ein Riester-Fondssparplan sinnvoll. Ältere und Sparer, die Wohneigentum erwerben wollen, sind mit einem Riester-Banksparplan gut bedient. Für Selbstständige kann eine Rürup-Rente sinnvoll sein, die steuerlich gefördert wird. Ob diese Anstrengungen ausreichen, muss jeder selbst ausrechnen.

Tipps:

Kontrolle. Überprüfen Sie sich von Zeit zu Zeit Ihre Altersvorsorge. Der Bedarf kann sich verändern.

Förderung. Nutzen Sie die Riester-Rente und die betrieblichen Altersvorsorge. Durch die Förderung vom Staat erzielen Sie mehr Rendite als mit einer vergleichbaren privaten Vorsorge. Wenn Sie selbstständig und nicht gesetzlich rentenversichert sind, ist die Rürup-Rente die einzige Möglichkeit, steuerlich gefördert für eine Altersrente zu sparen.

Mischung. Kombinieren Sie Sparformen angemessen. Als junger Mensch sollten Sie verstärkt auf Fondsprodukte setzen, um langfristige Renditechancen zu nutzen. Je älter Sie werden, desto mehr sollten Sie sichere Anlagen bevorzugen, denn Verluste können Sie schlechter aussitzen.

Flexibilität. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viel Geld in langfristigen Verträgen binden. Wählen Sie bei Versicherungen einen nicht zu hohen Beitrag. Sie sollten sicher sein, dass Sie ihn bis zum Rentenalter immer zahlen können. Eine Kündigung oder Beitragsfreistellung würde Sie viel Geld kosten.

Rentenkonto. Prüfen Sie, ob im Versicherungsverlauf Ihrer gesetzlichen Rente alle Versicherungszeiten erfasst sind. Wenn beispielsweise Zeiten der Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit auf dem Rentenkonto fehlen, beantragen Sie bei Ihrem Rentenversicherer eine Kontenklärung. Fragen beantworten die Rentenversicherungsträger unter der Telefonnummer 0 800/10 00 48 00.

Sicherheit.
Noch vor der Altersvorsorge kommt die Vorsorge für den Fall, dass Sie berufsunfähig werden, und die Absicherung Ihrer Familie. Deshalb sollten Sie in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen und Angehörige mit einer Risikolebensversicherung schützen.

Beratung.
Eine individuelle kostenpflichtige Beratung bekommen Sie bei den Verbraucherzentralen (Beratungsstellen finden Sie unter www.verbraucherzentralen.de) oder bei einem Rentenberater (Adressen unter www.rentenberater.de).

Die einzelnen Testergebnisse können Leser bei Stiftung Warentest abrufen.

 

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