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Hessischer Friedenspreis 2008 geht an Sam Nunn

Wiesbaden, 20.05.2008 18:28 Uhr (redaktion)

Der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, und der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis der Albert Osswald-Stiftung, Staatsminister a.D. Karl Starzacher gaben heute in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass der Hessische Friedenspreis des Jahres 2008 an den früheren US-amerikanischen Senator Sam Nunn verliehen wird.

„Mit Sam Nunn wird in diesem Jahr ein Mann geehrt, der sich in den letzten 15 Jahren beharrlich dafür eingesetzt hat, eine kriegerische Auseinandersetzung mit atomaren Waffen und einen nuklearen Terrorismus zu verhindern", erklärte Kartmann. Auch in seinem Ruhestand habe Sam Nunn sich von diesem Ziel seines unermüdlichen und teilweise aufreibenden Engagements nicht abhalten lassen. Die Laudatio im Rahmen der Preisverleihung am 11. Juni 2008 im Hessischen Landtag wird, so der Landtagspräsident, der Friedenspreisträger des Jahres 2004, Dr. Hans Blix, ehemaliger Chef der UN-Abrüstungskontrollkommission im Irak, halten.

Karl Starzacher erläuterte, dass die diesjährige Preisverleihung nach George Mitchell, US-Senator a.D., der im Jahre 1999 für seine Vermittlungsbemühungen um die Beendigung des Nordirland-Konfliktes ausgezeichnet wurde, wieder einen Amerikaner ehre. „In einer Zeit eines ausgeprägten Antiamerikanismus setzt das Kuratorium damit bewusst ein positives Signal in Richtung nukleare Abrüstung“, betonte Starzacher. Mit vier Aufsehen erregenden Reden im U.S. Senat habe Nunn 1987 den Bruch des ABM-Vertrags verhindert. „Dies“, so Starzacher, „war eine wesentliche Voraussetzung für die nachfolgende Ost-West-Entspannung, da das Einfrieren des SDI-Projekts die Stellung Gorbatschows gegenüber den Hardlinern in Moskau entscheidend stärkte.“

Professor Dr. Harald Müller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung und Mitglied des Kuratoriums, erklärte, dass Sam Nunn sich 1992 gemeinsam mit seinem republikanischen Kollegen Richard Lugar dafür eingesetzt hatte, die waffenfähigen Spaltmaterialien in der zerfallenden Sowjetunion vor dem Zugriff durch Unbefugte zu schützen. „So gelang es, die amerikanische Regierung zur Auflage eines Hilfsprogramms für den Nuklearkomplex des ehemaligen Feindes zu bewegen. Dieses Programm sorgt seither dafür, dass die Kontrolle über Plutonium und hochangereichertes Uran in Russland und den anderen Nachfolgerepubliken der Sowjetunion schrittweise verlässlicher wird“, betonte Müller.

Der am 8. September 1938 in Macon, Georgia geborene Samuel Augustus Nunn war viele Jahre verteidigungspolitischer Sprecher der Demokraten und Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im U.S. Senat. Seit 1999 ist er Co-Chairman der Nuclear Threat Initiative, einer von Ted Turner geförderten Nichtregierungsorganisation, die sich demselben Zweck widmet wie das regierungsoffizielle Nunn-Lugar-Program. Im Januar 2007 verfasste Nunn zusammen mit Henry Kissinger, George Schultz und William Perry einen programmatischen Artikel im konservativen Wall Street Journal, in dem die vier „elder statesmen“ die Regierung der USA aufforderten, zielführend auf die vollständige nukleare Abrüstung hinzuarbeiten.

Der Hessische Friedenspreis wurde am 16. Oktober 1993 von Albert Osswald und der von ihm begründeten Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die bisherigen Preisträger des Hessischen Friedenspreises:
1994 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995 John Hume, Nord-Irland
1996 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997 Hans Koschnik, Deutschland
1998 Alexander Lebed, Russland
1999 George J. Mitchell, USA
2000 Martti Ahtisaari, Finnland
2001 Max van der Stoel, Niederlande
2003 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004 Hans Blix, Schweden
2005 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006 Daniel Barenboim, Israel
2007 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland

 

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