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UPDATE Gesine Schwan für Bundespräsidentin nominiert - wer ist diese Frau?

Berlin, 22.05.2008 20:55 Uhr (redaktion)

Gesine Schwan wird bei der Bundespräsidentenwahl in einem Jahr für die SPD erneut gegen den Unionskandidaten Horst Köhler antreten. Der SPD-Parteivorstand werde die Hochschulprofessorin am Montag als Kandidatin nominieren, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler.

"Die wird morgen nominiert", sagte er wörtlich. Die "Berliner Zeitung" berichtet, die engere Parteiführung um SPD-Chef Kurt Beck habe sich darauf bei einem Treffen am Wochenende verständigt. Die Debatte um die mögliche Nominierung Schwans gegen Köhler belastete das Koalitionsklima deutlich.

Stiegler betonte im Bayerischen Fernsehen, die SPD sei "durch nichts gebunden". "Wir sind frei, und dass die SPD keinen Kandidaten stellen wird, das kann ich mir auch schlecht vorstellen. Und wir werden es ja morgen machen", fügte er hinzu. In der Sitzung des Parteivorstands am Montag in Berlin seien keine Gegenstimmen zu erwarten, zitierte die "Berliner Zeitung" ein Mitglied der SPD-Spitze.

Führende Unionspolitiker hatten die Sozialdemokraten zuvor vor Bündnissen mit der Linkspartei. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von einem "Wortbruch" von SPD-Chef Beck, der für die Koalition eine neue Belastung bedeute. Im "Tagesspiegel am Sonntag" warnte er die SPD davor, sich bei der Bundespräsidentenwahl zur "Marionette der Linkspartei und der NPD" zu machen.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hielt Beck mangelnde innerparteiliche Autorität vor. In die Frage der Bundespräsidentenwahl sei eine "Wahlkampfatmosphäre" hineingetragen worden. Bei der Frage, ob Schwan als Gegenkandidatin zu Köhler nominiert werden solle, gehe es "erkennbar nicht" darum, wer "der beste Bundespräsident" sei.

Dagegen bekräftigte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, die SPD bestimme "als traditionsreiche und selbstbewusste Volkspartei ihre Position selbst". Unterstützt wird eine Nominierung auch von einer klaren Mehrheit der SPD-Landesvorsitzenden, wie eine Umfrage der "Bild"-Zeitung unter den Landesverbänden ergab.

Die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles betonte im Deutschlandradio Kultur, eine mögliche Kandidatur von Schwan signalisiere keine Annäherung zwischen der SPD und der Linken. Die Linke knüpfte Bedingungen an eine mögliche Unterstützung Schwans. "Wenn die SPD will, dass wir Gesine Schwan mitwählen, gehört es zum Grad der Zivilisation, dass sie mit uns redet", sagte Fraktionschef Gregor Gysi der "Welt". (AFP)

Kurzprofil
Die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Prof. Dr. Gesine Schwan, will auch Präsidentin des Bundes werden. Sie macht dafür mächtig viel Eigenwerbung.
Geboren am 22. Mai 1943 in Berlin; verheiratet in zweiter Ehe mit Prof. Dr. Peter Eigen, 2 Kinder,katholisch.

1953 - 1962 Besuch des Französischen Gymnasiums in Berlin (Abitur 1962)

1962 - 1970 Studium der Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin und Freiburg/Breisgau. Studienaufenthalte in Warschau und Krakau zur Vorbereitung der Dissertation über den polnischen Philosophen Leszek Kolakowski

1970 Promotion: Leszek Kolakowski. Eine politische Philosophie der Freiheit nach Marx, Stuttgart/Berlin/Köln u.a. 1971.
Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.

1971 Assistenz-Professorin am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin

1975 Kumulative Habilitation mit 2 Buchmanuskripten: Die
Gesellschafts-kritik von Karl Marx. Philosophische und
politökonomische Voraussetzungen, Stuttgart/Berlin/Köln u.a. 1974 sowie Sozialdemokratie und Marxismus [zus. m. Alexander Schwan], Hamburg 1974.

Seit 1977 Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere für Politische Theorie und Philosophie (Arbeitsgebiete: Politische Philosophie, Demokratie-theorien, Theorien des Sozialismus; Politische Psychologie und Politische Kultur) am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin.

1985 - 1987 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DVPW); 1994 - 2000 Mitglied des Vorstands.

1993 - 1995 Dekanin des Fachbereichs Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin.

Seit Oktober 1999 Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), Wiederwahl im Juli 2005. Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Politische Ämter
1977 - 1984 Mitglied der Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD; seit 1996 erneut Mitglied der Grundwertekommission.

Seit 2004 Mitglied der Programmkommission der SPD

Seit 2002 Vorsitzende des Deutsch-Polnischen Forums (gem. m. Janusz Reiter)

2004 Kandidatin von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen für das Amt der Bundespräsidentin

Seit Januar 2005 Koordinatorin der Bundesregierung für die grenznahe und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit der Republik Polen

 

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