Köln, 22.05.2008 15:32 Uhr (redaktion)
Die meisten deutschen Internetnutzer konsumieren nach wie vor bloß Webinhalte – selbst Seiten zu gestalten und eigene Inhalte hochzuladen, ist nicht unbedingt ihr Ding.
Wenn sie jedoch einmal aktiv werden, dann stellen sie am liebsten Fotos oder gleich ganze Diashows ins Netz. Diese werden von der Internetgemeinde auch gerne angesehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von TNS Infratest MediaResearch.
Seit einiger Zeit macht der Begriff vom Web 2.0 die Runde. Man könnte ebenso einfach vom Mitmachnetz reden, aber das wäre wahrscheinlich nicht anglizistisch genug. Das erste Web-2.0-Angebot überhaupt war das 1995 in Kalifornien gegründete Onlinehandelshaus „auctionweb“, das heute unter dem bekannteren Namen eBay firmiert. Es hat innerhalb kürzester Zeit den Einzelhandel aufgemischt. Denn erstmals konnten Privatleute gebrauchte und nagelneue Produkte außerhalb von Flohmärkten verscherbeln. Das virtuelle Auktionshaus setzte im Jahr 2007 bereits mehr als 7,6 Milliarden Dollar um und hat einen Börsenwert von 40 Milliarden Dollar.
Zu den wohl bekanntesten Mitmach-diensten gehört ferner das 2001 entstandene multilinguale Onlinelexikon Wikipedia. „Wiki“ steht auf Hawaiisch für schnell und „pedia“ für Enzyklopädie. Jeder kann dort Einträge vornehmen und bestehende Texte verändern. Derzeit umfasst das Lexikon über 10 Millionen Artikel; es existiert in mehr als 250 Sprachen.
Ein neueres Beispiel für das Mitmachnetz ist das Foto- und Videoportal YouTube – auf Deutsch „Du sendest“. Es wurde im Jahr 2005 ins Leben gerufen. Hier können Nutzer eigene Videos hochladen und von anderen bewerten lassen. Auch sogenannte Podcasts, also kleine Hörspiele oder Videoepisoden, kann man dort sowie auf vielen anderen Webportalen veröffentlichen. Diese Podcasts – der Name ist eine Wortkreuzung aus iPod und Broadcasting – kann sich wiederum jeder User auf den eigenen MP3-Player oder den Computer herunterziehen.
Die Möglichkeit, im Web 2.0 vom Konsumenten zum Produzenten zu werden, wird von der Bevölkerung in Deutschland bislang recht zögerlich und, wenn überhaupt, dann vorrangig von jüngeren Menschen genutzt (Grafik):
Nur knapp 9 Prozent der über 14-jährigen Deutschen mit Breitbandanschluss haben im September 2007 das Netzangebot aktiv mitgestaltet.
Vor allem die jüngeren DSL-Nutzer wollen nicht mehr nur das abrufen, was andere – meist Firmen und Organisationen – ihnen vorgeben. Sie möchten die Inhalte in den für alle offenen Portalen mitgestalten.
Dagegen beschränken sich die über 50-Jährigen fast nur aufs Surfen – möglicherweise kommen die Senioren mit der Technik nicht so gut klar.
Die Liste der am häufigsten hochgeladenen Dateien führen digitale Fotos an – gut 6 Prozent der DSL-Nutzer werden auf diesem Gebiet aktiv. Allerdings surfen immerhin 14 Prozent der Internetnutzer zumindest gelegentlich auf Fotosites wie flickr, snapfish oder MAGIX. Virtuelle Tagebücher – sogenannte Blogs – werden nur von 2 Prozent der Bevölkerung veröffentlicht, aber von 14 Prozent oder 9,1 Millionen Usern gelesen.
Großer Beliebtheit erfreuen sich ferner Videoportale wie YouTube, MyVideo oder Clipfish – jeder vierte Surfer besucht sie; doch nur 2 Prozent haben hier schon einmal eigene Videos oder Clips hochgeladen.
Wikis wie Wikipedia werden von gut 28 Prozent der User angesteuert. Aber lediglich 1,5 Prozent beteiligen sich am Lektorat solcher Cyber-Enzyklopädien. Insbesondere jüngere Bundesbürger – fast zwei Drittel der „Redakteure“ sind unter 30 Jahre – teilen anderen auf diesem Weg ihre Sicht der Dinge mit.
(IWKöln)
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