Freising, 27.05.2008 10:53 Uhr (redaktion)
Von heute an wollten Mitglieder des Verbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) aus Protest gegen die niedrigen Preise keine Milch mehr liefern. Hier lesen sie die Hintergründe.
BDM-Chef Romuald Schaber habe bereits bei einer Großveranstaltung des Verbandes am Montag (26.05.08) mit rund 9000 Teilnehmern angekündigt, er liefere ab Dienstag keine Milch mehr, und mehrere weitere Milchviehhalter hätten sich ihm angeschlossen.
Der Verband empfahl Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Altenheimen, sich rechtzeitig mit Frischmilch einzudecken, da es zu Versorgungsengpässen kommen könne. Bereits in einer Abstimmung im April hatten sich dem BDM zufolge 88 Prozent der Verbandsmitglieder für den Lieferstopp ausgesprochen.
In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" forderte Schaber mehr Geld für die Milch. Er sagte: "Wir verlangen von den Molkereien einen Basispreis von 43 Cent pro Liter." Die Molkereien trügen eine Mitschuld am Preisverfall: "Seit Januar ist der Literpreis runtergepurzelt - von über 40 Cent auf 28 bis 34 Cent", dabei habe es die norddeutschen Betriebe härter als die süddeutschen getroffen. Wie die rund 33.000 BDM-Mitglieder, "die 45 bis 50 Prozent der deutschen Milch liefern", mache auch er beim Lieferstopp mit. Die Milch verfüttere er an seine Jungtiere: "Und was die nicht saufen, kommt in die Gülle."
Hintergrund
Die Milchpreise sind seit Beginn des Jahres stark unter Druck. Mit immer neuen positiven Prognosen für Marktentwicklung und Milchpreise haben viele Molkereien und landwirtschaftliche Berater die Milcherzeuger dazu animiert, ihre Kapazitäten auszuweiten und sehr viel mehr Milch zu produzieren, da der Markt diese Milch benötigen und „aufsaugen“ würde.
Statt diesem Mengendruck gegenzusteuern, hat der EU-Ministerrat die Situation für die Milcherzeuger zusätzlich verschärft, indem er zu einem Zeitpunkt, in dem ohnehin in elf Mitgliedsstaaten eine Erhöhung der Quoten um 0,5% in Kraft tritt, eine (vorzeitige) weitere Quotenerhöhung um 2% ab 1. April 2008 beschlossen hat.
Dies bedeutet eine zusätzliche Milchmenge von rund 2,8 Mio. t gegenüber einem prognostizierten Verbrauchswachstum von gerade mal knapp 1 Mio. t. Angesichts dieses Mengendrucks haben einige Molkereien bei den im April/Mai stattgefundenen Preisverhandlungen für Trinkmilch mit dem Lebensmitteleinzelhandel um bis zu 15 Cent niedriger als im Vorjahr abgeschlossen.
Die im letzten Jahr hart erkämpften Milchpreissteigerungen für die Landwirte sind dringend notwendig, um die stetig steigenden Produktionskosten decken zu können. Die Betriebskosten sind zwischenzeitlich um ca. 7 Cent je Kilo Milch gestiegen.
Nachdem alle Versuche einer gütlichen Einigung mit den Milchverarbeitern gescheitert sind, hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) keine andere Alternative geshen, als sich gegen den Erzeugerpreisverfall mit einer „Milchpreisoffensive 2008“ zu wehren.
(Quelle: AFP; BDM)
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