München, 30.05.2008 16:29 Uhr (redaktion)
Der über die milliardenschwere Finanzkrise gestolperte Ex-Chef der BayernLB hat das lange Schweigen der Bank über ihre Gesamtbelastungen verteidigt.
"Eine Vorabmeldung beeinträchtigt immer die Frage der Liquiditätsbeschaffung", sagte Werner Schmidt am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Münchner Landtags, der die Vorgänge bei der halbstaatlichen Bank durchleuchtet. Die BayernLB hatte lange Zeit öffentlich nur von 100 Millionen Euro Verlusten aus der US-Hypothekenkrise gesprochen - und Mitte Februar von 1,9 Milliarden Euro an Belastungen. Wenige Tage später trat Schmidt zurück.
Die BayernLB gehört je zur Hälfte dem Freistaat und den bayerischen Sparkassen und wird von diesen kontrolliert. Den Verwaltungsrat leitet Sparkassenpräsident Siegfried Naser, Stellvertreter ist Landesfinanzminister und CSU-Chef Erwin Huber. Mit dem Untersuchungsausschuss will die bayerische Opposition Hubers Rolle in der Krise der Bank untersuchen. SPD und Grüne werfen ihm vor, Landtag und Öffentlichkeit monatelang über die realen Belastungen belogen zu haben.
Ex-Chef Schmidt sagte, der Vorstand habe das Aufsichtsgremium regelmäßig und umfassend über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Wertpapierportfolien der BayernLB informiert. Allen sei klar gewesen, dass zwischen echten Verlusten und der Veränderung von Marktpreisen unterschieden werden müsse. Ende Januar sei man intern von Gesamtbelastungen von 1,9 Milliarden Euro ausgegangen. "Von den Verlusten war bis dahin immer nur klar, dass es 100 Millionen sind", betonte der Bankkaufmann. "Jeder wusste, dass innerhalb der 1,9 Milliarden Euro Verschiebungen stattfinden können."
An die Öffentlichkeit gäben Banken üblicherweise nur endgültig geprüfte Zahlen, verteidigte Schmidt die Informationsstrategie des Vorstands. Angaben über Wertberichtigungen, die sich laufend änderten, hätten zu Verwirrung geführt. "Immer neue Zahlen hätten ein Informations-Gau sein können", sagte der Ex-Vorstandschef.
Als es am 12. Februar 2008 Pressemeldungen gegeben habe, wonach die BayernLB mit 2,5 Milliarden Euro belastet sei, habe der Vorstand seine Strategie geändert, um die Bank vor Schaden zu bewahren. "Solche Gerüchte kosten Geld." Einstimmig habe der Vorstand beschlossen, am 13. Februar mit Zahlen an die Öffentlichkeit zu gehen. Huber habe von der Entscheidung nicht sofort informiert werden können, weil er zur gleichen Zeit im Haushaltsausschuss des Landtags sprach. Dort berichtete der CSU-Chef, dass die BayernLB mehr als 100 Millionen Euro abschreiben müsse, aber noch keine belastbaren Zahlen vorlägen. Diese Aussagen seien voll zutreffend gewesen, sagte Schmidt.
Huber und Naser hätten sich beide düpiert gefühlt. Schmidt habe sich deshalb aus eigenen Stücken zur Kündigung entschlossen. "Meine Meinung war, dass ich damit der BayernLB sowohl nach innen als auch nach außen nutze."
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(ThomsonReuters)
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