Redmond, 13.06.2008 10:16 Uhr (redaktion)
Nach fünfmonatigem Fusionspoker ist die Übernahme des Internet-Portals Yahoo durch Microsoft gescheitert. Yahoo erklärte die Übernahmegespräche mit dem Softwareriesen für beendet und kündigte an, unabhängig seine eigene Firmenstrategie fortzusetzen.
Bei "Gesprächen in den vergangenen Tagen" habe Microsoft sein Angebot zurückgezogen, Yahoo oder Teile von Yahoo zu erwerben, teilte Yahoo in einer Erklärung mit. Kurz darauf kündigten Yahoo und Google eine Partnerschaft an.
Nach Angaben von Yahoo hatten die Microsoft-Unterhändler bei einem Treffen klar gemacht, dass sie nicht länger am Kauf des Gesamtunternehmens interessiert seien. Microsofts Wunsch, die Yahoo-Suchmaschine separat zu kaufen, sei abgelehnt worden. Microsoft hatte im Februar rund 45 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) für Yahoo geboten. Yahoo lehnte das als zu niedrig ab. Daraufhin zog Microsoft sein Angebot zurück, strebte dann aber zunächst eine "andere Form der Zusammenarbeit" an. Dies ist nun gescheitert.
Kurz nach Bekanntwerden der Nachricht über das Scheitern der Übernahmegespräche stürzte die Yahoo-Aktie um mehr als zwölf Prozent auf etwa 22 Dollar ab. Microsoft hatte zunächst 33 Dollar pro Aktie geboten.
Zwei Stunden später gaben die beiden führenden Online-Suchmaschinen Yahoo und Google bekannt, eine vier- bis zehnjährige Partnerschaft eingehen zu wollen. Yahoo erhofft sich Mehreinnahmen in Höhe von jährlich 800 Millionen Dollar durch Übernahme von Google-Werbebanner. Die Partnerschaft soll zunächst auf vier Jahre angelegt werden und sieht eine Verlängerungsoption auf bis zu zehn Jahre vor, sie ist auf die USA und Kanada begrenzt. Yahoo darf parallel ähnliche Partnerschaften mit anderen Anbietern eingehen. Sollte Yahoo in den kommenden zwei Jahren verkauft werden, erhält Google 250 Millionen Dollar.
Zunächst muss die Partnerschaft jedoch kartellrechtlich geprüft werden, daher wollen Yahoo und Google dreieinhalb Monate mit dem offiziellen Start ihrer Zusammenarbeit warten. Kartellrechtliche Bedenken bestehen, da Yahoo und Google mit mehr als 50 Prozent Marktanteil die Großverdiener auf dem weltweiten Online-Werbemarkt sind.
Google-Chef Eric Schmidt erklärte, die Unternehmensallianz werde dazu beitragen, die Dynamik und der Wettbewerb auf dem Online-Werbemarkt zu wahren. /AFP
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