Berlin, 26.06.2008 15:37 Uhr (redaktion)
Der Deutsche Bundestag hat heute das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) beschlossen. Demnach benötigt die "UG" nur ein Euro Startkapital. Somit können sich Unternehmensgründer in Deutschland künftig schneller in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft selbstständig machen.
Ein Kernanliegen der GmbH-Novelle ist die Erleichterung und Beschleunigung von Unternehmensgründungen. Hier wird häufig ein Wettbewerbsnachteil der GmbH gegenüber ausländischen Rechtsformen wie der englischen Limited gesehen, denn in vielen Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden geringere Anforderungen an die Gründungsformalien und die Aufbringung des Mindeststammkapitals gestellt.
Die neue "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" (UG) ist ein Kernelement der größten GmbH-Reform seit 1892, die der Bundestag am Donnerstag verabschiedete. Mit der Novelle wird außerdem der grassierende Betrug bei Firmenpleiten wirkungsvoller bekämpft. Bundesjustizminister Brigitte Zypries (SPD) lobte eine "massive Entrümpelung" des Rechts. FDP und Linke warnten dagegen, die neuen Mini-GmbHs böten keinen ausreichenden Gläubigerschutz.
Entgegen der ursprünglichen Planung der großen Koalition bleibt es bei der klassischen "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" (GmbH) dabei, dass die Gesellschafter ein Grundkapital von 25.000 Euro aufbringen müssen. Sie bekommt aber mit der UG eine kleine Schwester, die unkompliziert und preiswert ins Leben gerufen werden kann. Wird ein notariell beglaubigtes Musterprotokoll verwendet, fallen Gesamtkosten von nur 120 Euro an. Wegen der fehlenden Kapitalausstattung muss eine UG aber ein Viertel ihres Jahresgewinns ansparen. Erreicht sie die Schwelle von 25.000 Euro, kann sie zur klassischen GmbH umfirmieren.
Mit der Einstiegsvariante wird eine Alternative vor allem zur britischen Rechtsform "Limited" geschaffen, die auch in Deutschland immer beliebter wird. Zypries sagte, die UG werde die Innovationskraft der Wirtschaft stärken. Zurzeit gibt es rund eine Million GmbHs. Der rechtspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jürgen Gehb, sagte, es wäre keine Alternative gewesen, die klassische GmbH mit einem Kapital von nur 10.000 Euro zu einer "eierlegenden Wollmilchsau" zu machen, um allen Bedürfnissen in einem modernen Wirtschaftsleben zu entsprechen.
Die FDP und die Linke warfen der Koalition vor, dem Standort zu schaden. Das Stammkapital sei seit über 100 Jahren ein Signal für die Wirtschaftskraft und Seriosität einer GmbH und damit auch für den Gläubigerschutz, sagte die FDP-Rechtsexpertin Mechthild Dyckmans. Wer nicht bereit sei, mehr als einen Euro in seine Firma einzubringen, der scheitere. "Sie öffnen dem Missbrauch Tür und Tor", sagte Sabine Zimmermann von der Linken.
(BMJ; ThomsonReuters)
Einzelheiten zum Gesetz können sie hier kostenlos downloaden
» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen