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Umfrage bestätigt -Bundesbürger erwarten weiter steigende Inflation

Düsseldorf, 07.07.2008 19:29 Uhr (redaktion)

Die Bundesbürger schnallen den Gürtel enger.Laut Umfrage der GFK im Auftrag der WGZ BANK sparen die Bundesbürger kräftig ein. Weniger Restaurantbesuche und mehr Einkäufe bei Discountern zählen dazu. Auch Sparleistungen werden reduziert. Hintergründe und Grafiken.

Angesichts einer Inflationsrate von über drei Prozent verspüren nahezu alle Bundesbürger (99%) den Anstieg der Verbraucherpreise und erwarten mehrheitlich sogar eine weitere Beschleunigung des Preisanstiegs.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der GfK von 1.000 Bundesbürgern im Auftrag der WGZ BANK. Als besonders schmerzhaft empfinden derzeit die Bürger die gestiegenen Kosten für den Kfz-Kraftstoff (69% der Befragten). Höhere Lebensmittelpreise beklagen 61% der Bürger und über ein Drittel (35%) leidet unter den gestiegenen Kosten für Heizenergie.

Verbraucherpreise
Spürbare Erhöhung der Verbraucherpreise

"Angesichts der zeitverzögerten Abrechnung wird möglicherweise der Anstieg der Heizkosten derzeit noch unterschätzt", so Sabine Könner, Marktforscherin der WGZ BANK. Vor diesem Hintergrund hat die Mehrzahl (57%) der Bürger ihren Konsum und ein Fünftel der Befragten auch die Sparleistungen eingeschränkt. Und auch für die zukünftige Entwicklung der Kaufkraft sind die Bürger überwiegend pessimistisch gestimmt. Während in den alten Bundesländern jeder Zweite einen Kaufkraftverlust erwartet, rechnen in den neuen Ländern sogar 70% der Befragten mit einer abnehmenden Kaufkraft.

Verbraucherpreise Bereiche
Verbraucherpreise: Anstieg in Bereichen

Konsumeinschränkung insbesondere in den neuen Bundesländern
Deutschland muss im laufenden Jahr bereits rund 80 Mrd. Euro und damit 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Ölimporte aufwenden. Die Verdoppelung der Ölpreise entzieht der heimischen Bevölkerung rund 1,5 Prozent ihres Budgets.

Wegen der steigenden Preise hat die Mehrzahl der Bundesbürger (57%) ihren Konsum seit Jahresbeginn bereits eingeschränkt. Besonders die Altersgruppe der 50-59jährigen (68%) übt sich in Konsumverzicht. Ein Vergleich unter den Berufsgruppen zeigt, dass zwei Drittel der Arbeiter (65%) sowie mehr als die Hälfte der Angestellten (57%) und der nicht Erwerbstätigen (55%) ihre Konsumausgaben gekürzt haben. Unter den Beamten und den Selbstständigen und Freiberuflern schränken sich dagegen weniger als die Hälfte (46%) ein.

Könner: "Bevölkerungsgruppen mit unterdurchschnittlichen Einkommen werden durch die steigenden Preise überproportional belastet und müssen ihren Konsum stärker einschränken." Während 59% der Verheirateten und 58% der Verwitweten sowie der Geschiedenen und getrennt Lebenden heute weniger konsumieren als noch im vergangenen Jahr, berichtet dies nur jeder zweite Ledige (51%). Unter den Ledigen konnte sogar jeder Zwanzigste (5,5%) seinen Konsum ausweiten – in der Gesamtbevölkerung berichtete nur jeder Vierzigste (2,4%) über höhere Konsumausgaben.

Ein unverändertes Konsumverhalten melden 41% aller Befragten. Zwischen den alten und neuen Bundesländern ist ein klares Gefälle zu erkennen. Während in den neuen Bundesländern zwei Drittel der Befragten (67%) weniger als noch vor einigen Monaten konsumieren, trifft dies in den alten Bundesländern nur für etwas mehr als die Hälfte (54%) der Befragten zu.

Konsumverhalten
Konsumverhalten in Bereichen

Weniger Restaurantbesuche und mehr Einkäufe bei Discountern
Zwei Drittel (67%) derjenigen, die seit Jahresbeginn weniger konsumieren, erledigen den Einkauf häufiger bei einem Discounter. Zudem greifen fast sieben von zehn Befragten verstärkt zu Sonderangeboten. Jeder Zweite schränkt seine Ausgaben in der Freizeit ein und besucht beispielsweise seltener ein Restaurant. Mehr als ein Drittel der Befragten (38%) schieben größere Anschaffungen wie Möbel oder ein neues Auto vorerst auf. Beinahe jeder Dritte spart bei den Urlaubsausgaben (31%). Fast ebenso viele (30%) verzichten auf stark verteuerte Lebensmittel (Süßigkeiten, Milchprodukte etc.) Von den Personen mit einem Haushalt-Nettoeinkommen bis 1.000 € leistet sich sogar fast jeder Zweite (48%) solche Güter gar nicht mehr. Jeder Achte (12%) nutzt häufiger öffentliche Verkehrsmittel anstelle des PKW. Jeder Fünfundzwanzigste (4,6%) verzichtet sogar gänzlich auf Fahrten mit dem eigenen Auto.

Insbesondere die mittlere Altersgruppe der 30-39jährigen reduziert ihren Konsum. So kaufen drei von vier Befragten (75%) dieser Altersgruppe heute häufiger bei einem Discounter ein als noch im vergangenen Jahr. Zwei Drittel (66%) haben ihre Ausgaben für Freizeitaktivitäten zurückgefahren und mehr als jeder Zweite (55%) hat größere Anschaffungen vorerst auf Eis gelegt. Neben der Ausgabenbeschränkung haben die 30-39jährigen eine zusätzliche Einnahmequelle für sich entdeckt: Den Verkauf von Dingen, die sie nicht mehr benötigen. Fast jeder Dritte (30%) aus dieser Altersgruppe bessert beispielsweise durch den Verkauf von Möbeln und Kleidungsstücken sein Budget auf.

Sparverhalten
Sparverhalten hat sich verändert

Auch Sparleistungen werden reduziert
Der schmalere Geldbeutel der Bürger führt nicht nur zu einem geringeren Konsum, sondern schränkt auch die Sparfähigkeit ein. Jeder fünfte Bürger (20%) hat seine Sparleistung seit Jahresbeginn verringert. Nur jeder Siebzehnte (6%) spart mehr als im vergangenen Jahr. Unter den verschiedenen Berufsgruppen heben sich die Arbeiter deutlich ab. Hier hat sogar mehr als jeder Vierte (27%) sein Sparverhalten reduziert. Ein unverändertes Sparverhalten zeigen bundesweit fast drei Viertel der Befragten (74%). Von den Gutverdienenden mit einem Nettoeinkommen je Haushalt über 3.500 € konnten sogar 87% ihre Sparleistungen unverändert fortsetzen. Während in den alten Bundesländern 7,1 Prozent der Befragten die Sparleistung erhöht und 19 Prozent diese gesenkt haben, fällt das Verhältnis in den neuen Bundesländern ungünstiger aus: 2,5 Prozent sparen mehr und 22 Prozent sparen aktuell weniger als früher.

Beschleunigung des Preisanstiegs und abnehmende Kaufkraft befürchtet
"Das veränderte Sparverhalten dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass viele Bürger eine weitere Beschleunigung der Inflation befürchten", so Könner. Jeder Dritte (34%) rechnet mit einem Anstieg der Inflationsrate auf bis zu 4 Prozent. Vier von zehn Befragten (40%) befürchten sogar eine Teuerungsrate über 4 Prozent.

Eine gleich bleibende Inflationsrate von 3 Prozent erwartet lediglich jeder Sechste (17%). Trotz der höheren Tarifabschlüsse in einigen Branchen bezweifeln vier von fünf Bürgern (82%), dass die Kaufkraft der Verbraucher in den nächsten Monaten steigen wird. Vielmehr erwartet die Mehrheit (54%) eine weiter abnehmende Kaufkraft. Mit einer positiven Kaufkraftentwicklung rechnen lediglich 15% der Befragten. Unter den Älteren (40-69 Jahre) sowie in den Berufsgruppen der Arbeiter und der Angestellten ist der Anteil der Pessimisten besonders hoch.

Deutlich positiver als alle anderen Einkommensgruppen betrachten die Gutverdienenden mit einem Nettoeinkommen je Haushalt von über 3.500 € die künftige Kaufkraftentwicklung: Mehr als jeder Vierte (27%) geht von einer steigenden Kaufkraft aus. Die pessimistische Einschätzung der Einwohner der neuen Bundesländer zur Entwicklung der Inflationsrate geht mit einer entsprechenden Skepsis bezüglich der zukünftigen Kaufkraft einher: Während in den alten Bundesländern jeder Zweite einen Kaufkraftverlust erwartet, rechnen in den neuen Bundesländern 70% mit einer abnehmenden Kaufkraft. Von einer positiven Entwicklung ihrer Kaufkraft gehen in den neuen Ländern lediglich 6,9% der Befragten aus. In den alten Ländern zeigen sich immerhin 17% der Bürger optimistisch für ihre zukünftige Kaufkraft.

 

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