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DIHK Thema der Woche: Gründungsflaute im Konjunkturaufschwung

Berlin, 01.08.2008 10:14 Uhr (redaktion)

Deutschland paradox: Die Konjunktur läuft, die Geschäftsperspektiven sind besser – doch das Gründungsinteresse erlahmt zusehends. Geht es so weiter, wird es im Jahr 2050 mehr als eine halbe Million weniger Selbstständige geben – und damit verbunden rund 2 Millionen weniger Arbeitsplätze.

Der DIHK-Gründerreport 2008 nennt Gründe für die Flaute und Wege, wie mehr erfolgreiche Existenzgründungen initiiert werden können:

Immer weniger Existenzgründer
7 % weniger Gespräche mit Gründern führten die IHKs im Jahr 2007 - insgesamt 349.037. Dies ist der dritte Rückgang in Folge und der geringste Wert seit Erhebung der IHK-Statistik im Jahr 2002.

… wegen sinkender Arbeitslosigkeit ...
Furcht vor Erwerbslosigkeit ist das Hauptgründungsmotiv in Deutschland - für 60 % der Existenzgründer. Mit der guten Konjunktur verbessern sich Job-Perspektiven - vor allem auch für qualifizierte Fachkräfte – und sinken Anreize zu „Gründungen aus der Not“.

… und schärferen Förderbedingungen.
30 % weniger Arbeitslose ersuchten im Jahr 2007 ihre IHK um eine fachkundige Stellungnahme zu ihrem Förderantrag. Grund: Mit Ablösung von Ich-AG und Überbrückungsgeld durch den neuen Gründungszuschuss zur Jahresmitte 2006 wurden die Anforderungen für den Förderbezug verschärft.

Aber: Gründer besser vorbereitet.
Aufgrund schärferer Förderbedingungen, aber auch dank passgenauer Beratungs- und Qualifizierungsangebote etwa von Arbeitsagenturen und IHKs bereiten sich Gründer besser auf ihre Selbstständigkeit vor. Doch noch immer können 30 % ihre Produktidee nicht klar beschreiben – nach sogar 36 % vor drei Jahren. Mit Statistikentlastungen und GmbH-Reform hat die Bundesregierung einige Erleichterungen für Existenzgründer auf den Weg gebracht. Gleichzeitig aber wurden mit der Reform der Unternehmensteuern neue Hürden errichtet. 5 wichtige Weichenstellungen für mehr Gründungsdynamik aus DIHK-Sicht:

1. Unternehmensteuerreform nachbessern. Die Begrenzung des Verlustvortrages muss verschwinden, um gerade für Technologiegründer, deren kapitalintensive Projekte oft lange Vorlaufzeiten bis zur Marktreife überstehen müssen, die Chancen auf Beteiligungskapital zu erhöhen. Zudem müssen viele Gründer wegen der ausgeweiteten Besteuerung von Kosten bei der Gewerbesteuer damit rechnen, selbst ohne geschäftlichen Gewinn Steuern an den Fiskus abführen zu müssen. Die Hinzurechnungen von Miet-, Pacht- und Leasing-Anteilen müssen daher entfallen.

2. Formular „Einnahme-Überschussrechnung“ für Kleinunternehmer abschaffen. Das Pflichtformular ist ohne Steuerberater kaum zu bewältigen.

3. Kommunale Satzungen gründerfreundlich gestalten. Gebühren etwa für die Parkplatzablöse von 10.000 ¤ und mehr pro Stellplatz sind kein Ausweis von Gründerfreundlichkeit.

4. IHKs die rechtsgültige Gewerbeanzeige ermöglichen. Seit 2007 dürfen die IHK-Starterzentren in Rheinland-Pfalz und in Hamburg einen solchen Service anbieten. Dort erhalten Gründer einen Service aus einer Hand – von der Erstauskunft über den Businessplan-Check bis zur Gewerbeanmeldung.

5. Am wichtigsten: Mehr „Selbstständigkeit“ ins Bildungssystem. Ohne unternehmerisches Bewusstsein gelingt kaum ein Start in eine tragfähige Selbstständigkeit. Daher gehört das Thema „Selbstständigkeit“ durchgehend in die Lehrprogramme – von der Grundschule bis in die Universität. Nur so bestimmt künftig nicht mehr Furcht vor Erwerbslosigkeit das Gründungsgeschehen in Deutschland, sondern die Freude an der eigenverantwortlichen Umsetzung neuer Ideen.

(DIHK Berlin; Dr. Marc Evers)

 

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