Köln, 07.08.2008 09:47 Uhr (redaktion)
Die meisten Branchen in Deutschland werden stark vom Mittelstand geprägt. Insbesondere im Bereich der unternehmensnahen Dienste sowie im Gastgewerbe arbeiten mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in kleinen und mittleren Betrieben.
Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – so bezeichnen Politiker gern die mittelständischen Unternehmen hierzulande. Oft wird die Wirtschaftspolitik diesem Lippenbekenntnis aber nicht gerecht, ersinnt sie beispielsweise bürokratische Auflagen wie das Gleichbehandlungsgesetz, das Mittelständler teuer kommt und nur schwer einzuhalten ist. Anders betrachtet stimmt die Aussage vom Stützpfeiler indes ziemlich gut:
Von den knapp 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland gehören stolze 99,7 Prozent zum Mittelstand – sie haben weniger als 500 Beschäftigte und erwirtschaften einen Umsatz von maximal 50 Millionen Euro.
Nur rund 11.330 Firmen sind als groß einzustufen. Dies geht aus dem Unternehmensregister des Statistischen Bundesamtes hervor, das erstmals alle Unternehmen außerhalb des Agrarsektors vollständig erfasst. Der Wermutstropfen: Die aktuelle Datenlage spiegelt den Stand von 2005 wider. Zusätzliche Betriebe und Beschäftigte der beiden zurückliegenden Aufschwungsjahre sind noch nicht mitgezählt.
Die Mehrheit der Wirtschaftszweige ist der Statistik zufolge kleinbetrieblich strukturiert. Den höchsten Mittelständler-Anteil gibt es im Baugewerbe. Die lange Talfahrt dieser Branche hat nicht zu einer Konsolidierung geführt, sondern im Gegenteil nur wenige Großbetriebe übrig gelassen: Den 160 großen stehen 361.000 kleine und mittlere Firmen gegenüber. Sie beschäftigten im Jahr 2005 mehr als 93 Prozent aller in diesem Gewerbe Tätigen und fuhren auch 88 Prozent der Branchenumsätze ein.
Die meisten mittelständischen Unternehmen – die Statistik zählt 946.500 – bieten jedoch unternehmensnahe Dienste. Fast zwei Drittel der Umsätze dieser Branche gehen auf das Konto kleiner und mittlerer Firmen, den Rest erwirtschaften die gut 1.200 Großunternehmen. Im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung zählen Mittelständler hingegen kaum mehr als die Hälfte der Beschäftigten, und sie erzielen nur drei von zehn Umsatz-Euros.
Wirklich dominant sind Großunternehmen nur in wenigen Branchen, wie etwa im Kredit- und Versicherungsgewerbe. Die Großbanken und -assekuranzen beschäftigen mehr als sechs von zehn Mitarbeitern des Wirtschaftszweigs und erzielen 80 Prozent der Umsätze. Stark von Konzernen beherrscht sind zudem der Bergbau sowie die Energie- und Wasserversorgung. Im Bergbau arbeitet nur ein Drittel der Belegschaft bei Mittelständlern wie etwa den Betreibern von Kiesgruben. In der Energie- und Wasserversorgung hat sogar lediglich jeder vierte Beschäftigte einen Job bei einem solchen Betrieb, beispielsweise in kommunalen Versorgungsunternehmen oder in Windparkfirmen.
Das Verarbeitende Gewerbe ist ebenfalls keine Domäne des Mittelstands. Dort sind zudem die mittelständischen Firmen im Durchschnitt weniger produktiv als die großen Mitstreiter. So entfallen zwar 47 Prozent der Industriebeschäftigten auf kleine und mittlere Unternehmen, aber nur 27 Prozent der Umsätze. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Großunternehmen immer mehr Vorprodukte für ihre eigentlichen Erzeugnisse von anderen Betrieben zukaufen.
(Quelle: IW Köln)
(Foto: pixelio;Claudia35)
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