Deutsche Innenstädte im Wandel. Das Gesicht großer Einkaufsstraßen, wie der Lloyd-Passage in Bremen, der Prager Straße in Dresden, der Schildergasse in Köln oder der Kaufinger Straße in München hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert.
Gründe für Veränderungen:
- Internationale und nationale Ketten treten in Konkurrenz zu örtlichen Anbietern.
- Die Flächennutzung wird von einer neuen Produktvielfalt bestimmt: Joghurt ist nicht mehr einfach Joghurt, unzählige Varianten werden angeboten – von Bio über Schoko und Vital bis zu Fettarm und Diät. Die Folge: Größere Verkaufsflächen. Zugleich entstehen meist auf kleinen Flächen Spezialläden: Asiamärkte, russische Spezialitäten, türkischer Obst- und Gemüsehandel.
- Der demografische Wandel macht sich ebenfalls bemerkbar: Es gibt vermehrt Angebote für die kaufkräftige Altersgruppe ab 55 Jahre (höhere Autos mit Offroad-Charme, Nordic- Walking-Ausstattung). Für physisch Beeinträchtigte entstehen barrierefreie Innenstädte.
- Büros statt Wohnungen sind heute vielfach über den Geschäften anzutreffen. Folge jahrelanger Abwanderung der Wohnbevölkerung an den Stadtrand.
Kosmos Stadt – die städtische Ordnung verlangt nach einer neuen Strategie
Diese Veränderungen wirken sich auch auf die soziale und technische Infrastruktur, wie Schulen oder Wasserleitungen, der Städte aus. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung diskutiert nun gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden, den Hochschulen und der IHK-Organisation über eine Nationale Stadtentwicklungspolitik. Gemeinsam werden Schwerpunktthemen festgelegt und nach beispielgebenden Projekten gesucht. Im Herbst sollen erste Ergebnisse präsentiert werden. Die Wirtschaft dringt auf Beteiligung an der Diskussion und kann dabei auf viele Erfolge verweisen.Wirtschaft einbeziehen kann viel bewegen…
- Die Wirtschaft gibt immer wieder mit kreativen Ideen Anstoß für die Entwicklung neuer Geschäftsstraßen: Die Hackeschen Höfe in Berlin oder die Neugestaltung der Haarenstrasse in Oldenburg sind aufgrund unternehmerischer Initiative entstanden. Ein weiteres Beispiel: Das dortmund-project. Informationstechnologien, Mikrotechnik und e-Logistik siedeln sich auf brachgefallenen Flächen an, die zuvor dem Kohleabbau dienten, bzw. von der Stahlindustrie und von Bierbrauereien genutzt wurden. Deshalb setzt sich der DIHK dafür ein, dass neben Schwerpunktthemen wie Stärkung der Zivilgesellschaft oder regionale Kooperationen auch Wirtschaft als Kooperationspartner in die Nationale Stadtentwicklungspolitik aufgenommen wird.
- Neues Projekt: Bei der IHK-Gründungsinitiative für Innenstädte erhalten Existenzgründer die Chance, zu günstigen Mieten ein Ladenlokal in der Innenstadt zu eröffnen. Die Initiative startet im Herbst in Flensburg, Herne, Ludwigshafen und Witten. Der DIHK hat sie dem Bundesministerium als beispielgebendes Projekt vorgeschlagen.
… wenn die Standortbedingungen stimmen!
Alle wollen die pulsierende und bunte Innenstadt, in der gewohnt, gelebt und gearbeitet wird. Aber wenn die Café- und Biergartenbesucher abends noch draußen reden und die Brauereien in Innenstädten Gerstengeruch verbreiten dann werden gleich Ausführungsbestimmungen zu Luft und Lärm erstellt. Dabei profitiert die Kaufinger Straße in München, die Lloyd-Passage in Bremen oder die Prager Straße in Dresden nicht von einseitigen Angeboten, sondern von einer Vielfalt, die die gewachsene europäische Stadt ausmacht. Hier brauchen wir einen fairen Interessenausgleich.(Tine Fuchs, DIHK Berlin)