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Szenario der Konjunkturentwicklung 2009 aus Sicht der Nord/LB Volkswirte

Hannover, 12.09.2008 12:25 Uhr (redaktion)

Die NORD/LB Norddeutsche Landesbank rechnet für das kommende Jahr mit einer weiteren konjunkturellen Abkühlung.

Nach 2,5 Prozent im Jahr 2007 und erwarteten 1,9 Prozent in 2008 prognostizieren die Volkswirte der NORD/LB für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im Jahr 2009 nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Die Vorhersagen für das Euroland belaufen sich auf 1,4 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im kommenden Jahr.

Dass sich das Wachstum weiter verlangsame, habe mehrere Gründe, betont NORD/LB Chefvolkswirt Torsten Windels: "Infolge der weltwirtschaftlichen Konjunktureintrübung wird die Exportdynamik noch nachgeben. Das hat wiederum reduzierte Investitionstätigkeit zur Folge, zumal Sondereffekte bei Ausrüstungsinvestitionen auslaufen."

Und: Obwohl die Einkommensentwicklung anziehe, leide der private Konsum nach wie vor unter den stark steigenden Verbraucherpreisen. Eine leichte Erholung sei hier frühestens im vierten Quartal dieses Jahres zu erwarten, so Windels.

Technische Rezession kaum zu vermeiden
Im zweiten Quartal dieses Jahres nahm das Wachstum gegenüber dem Vorquartal erstmals seit dem Jahr 2004 einen negativen Wert an (-0,5 Prozent). "Auch im dritten Quartal rechnen wir mit roten Zahlen", verdeutlicht Windels. Schrumpft das BIP tatsächlich in zwei aufeinander folgenden Quartalen, wären die Bedingungen für eine technische Rezession erfüllt. Weiterhin im positiven Bereich liegen dagegen die Jahresveränderungsraten: So stieg das BIP von April bis Juni dieses Jahres - vergleichen mit dem Vorjahresquartal - um 3,1 Prozent. Dies sei ein bedeutendes Indiz, dass keine echte Rezession zu befürchten sei, erklärt Windels.

Dennoch gebe es besorgniserregende Entwicklungen, warnt der NORD/LB
Chefvolkswirt: "Der steile Fall des US-Dollars, die stark steigenden Öl- und Rohstoffpreise und auch die globalen Finanzmarktanspannungen zeigen deutlich Wirkung, auch wenn der US-Dollar zuletzt wieder stieg und der Ölpreis fiel." Hinzu komme, dass die Kapazitätsauslastung in Deutschland mit über 86 Prozent zwar noch recht komfortabel, doch in den vergangenen drei Monaten um 1,5 Prozentpunkte gesunken sei.

Windels weist zudem darauf hin, dass die Stimmungsindikatoren derzeit in hohem Maße einbrechen und sich neben Deutschland auch weitere wirtschaftliche Schwergewichte wie Frankreich, Spanien und Italien sowie ehemalige Boomregionen wie Irland in Abschwungphasen befinden. "Kompensierende Effekte aus Euroland sind also nicht zu erwarten."

Arbeitsmarkt bekommt Folgen konjunktureller Abkühlung zu spüren Im August 2008 sank die Arbeitslosenquote in Deutschland saisonbereinigt auf 7,6 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als 16 Jahren. "Der Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt überraschend robust, wird von der konjunkturellen Abkühlung im kommenden Jahr allerdings eingeholt werden", befürchtet Windels.

 

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