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US-Finanzsystem vor Zerreißprobe - Lehman Brothers beantragt Gläubigerschutz

New York, 15.09.2008 08:16 Uhr (redaktion)

Die US-Investmentbank Lehman Brothers will heute Insolvenzschutz beantragen. Das Unternehmen will damit nach eigenen Angaben seine "Vermögenswerte schützen und seinen Wert maximieren". Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen am frühen morgen.

Lehman Brothers ist eine der prominentesten Wall-Street-Banken. Die Immobilien- und Finanzkrise hat sie schwer mitgenommen. Die Bank of America gab unterdessen die Übernahme der US-Geschäftsbank Merrill Lynch bekannt. Angesichts der Turbulenzen bei Lehman Brothers kündigten die US-Notenbank und ein internationales Banken-Konsortium Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzmärkte an.

Lehman Brothers hatte am Mittwoch im Zuge der Immobilienkrise einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) im dritten Quartal bekannt gegeben. Die Aktie der Investmentbank verlor seit Wochenbeginn mehr als drei Viertel ihres Werts. Bereits im Vorquartal verzeichnete sie ein Minus von 2,8 Milliarden Dollar. Die Aktie von Lehman Brothers verlor seit Februar 88 Prozent ihres Wertes.

Als Kaufpreis für Merrill Lynch gab die Bank of America 50 Milliarden Dollar (34,7 Milliarden Euro) an. Ein von der Bank of America angeführtes Konsortium hatte bislang als möglicher Käufer von Lehman Brothers gegolten. Am Sonntag wurde bekannt, dass sich die britische Barclays Bank aus den Verhandlungen über einen Kauf der New Yorker Investmentbank zurückgezogen hatte. Sollte kein Käufer gefunden werden, dürfte ein Konkurs von Lehman Brothers unausweichlich sein. Die US-Regierung lehnt eine staatliche Rettungsaktion ab.

Mit Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzmärkte sollten "die potenziellen Risiken und die Störungen des Marktes abgeschwächt werden", erklärte US-Zentralbank-Chef Ben Bernanke. Unter anderem sollen die Arten von Sicherheiten für Notfall-Darlehen ausgeweitet werden, wie die Zentralbank mitteilte.

Ein Zusammenschluss von zehn großen Banken kündigte unterdessen an, 70 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen, um Liquiditätsengpässe von Banken abzufedern. Wie die Banken Bank of America, Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, Barclays, Morgan Stanley, Citibank, Goldman Sachs, JPMorgan und Merrill Lynch in einer gemeinsamen Mitteilung ankündigten, will jedes Institut sieben Milliarden Dollar in den Fond einzahlen. Außerdem wollten sie sich gemeinsam an einer "geordneten Lösung" der Probleme von Lehman Brothers beteiligen.

(AFP)

 

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