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Armut und Lohnungleichheit erstmals in 2006 gestoppt

Berlin, 16.09.2008 10:23 Uhr (redaktion)

Laut einer DIW-Studie ist die Ungleichheit bei der Verteilung der Markteinkommen im Jahr 2006 erstmals seit dem Mauerfall zurückgegangen. Nicht weiter zugenommen hat auch die Lohnspreizung - also das Auseinanderdriften hoher und niedriger Löhne.

Gleichzeitig ist das Armutsrisiko zurückgegangen – das erste Mal in den vergangenen zehn Jahren. Hauptursache ist der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit seit Beginn des letzten Konjunkturaufschwungs, der auch mit den Wirkungen der Arbeitsmarktreformen zusammenhängt. Dies berichtet das DIW Berlin in zwei heute veröffentlichten Studien.

Parallel zum Abbau der Arbeitslosigkeit seit 2006 gab es auch bei der Art der Beschäftigung positive Entwicklungen: So hat der Niedriglohnsektor nicht weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Arbeitnehmer in diesem Sektor blieb zwischen 2006 und 2007 konstant.

„Unsere Untersuchungen zeigen: Mehr Wachstum hat seit Beginn des Aufschwungs mit den Arbeitsmarktreformen zu mehr Beschäftigung und damit zu weniger Armut und weniger Ungleichheit geführt“, sagte DIW-Präsident Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann bei der Vorstellung der beiden Studien.

Die DIW-Studien beruhen auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels SOEP. Für diese Langzeiterhebung werden seit 25 Jahren jährlich mehr als 10.000 Haushalte befragt. Die heute veröffentlichten Untersuchungen basieren auf den Daten der neuesten auswertbaren, 2007 durchgeführten Erhebung. Da Statistiken zur Verteilung von Haushaltseinkommen immer nur mit zeitlichen Verzögerungen vorliegen, kann die Frage nach der jüngsten Entwicklung nicht beantwortet werden.

Hintergrund: Einkommensentwicklung
Die Einkommen der Haushalte in Deutschland haben sich von 1992 bis 2007 nur geringfügig erhöht. So stiegen die Haushaltsnettoeinkommen in diesem Zeitraum preisbereinigt um lediglich 11 Prozent, von 17.009 Euro auf 18.932 Euro. Trotz der guten Konjunktur in den zurückliegenden Jahren stagnieren die Einkommen derzeit vor allem wegen der hohen Teuerung.

Die Lohnquote – also der Anteil der Einkommen aus abhängiger Beschäftigung am Volkseinkommen – ist seit der Jahrtausendwende zurückgegangen. 2007 sank sie von 72 Prozent auf unter 65 Prozent.

Stark gestiegen sind hingegen die Vermögenseinkommen der privaten Haushalte. Ihr Anteil am Volkseinkommen stieg zwischen 2000 und 2007 von 14 Prozent auf 20 Prozent. Dieser Anstieg ist allerdings nicht ausschließlich als Ausdruck einer sich öffnenden Schere zwischen "Arm und Reich" zu werten: Auch der steigende Anteil alter, nicht mehr erwerbstätiger Menschen, die überdurchschnittlich oft auf Einkommen aus Vermögen zurückgreifen können, spielt hierbei eine Rolle.

(Quelle: DIW, Berlin)
(Foto: pixelio;geralt)

 

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