Wolfsburg/Stuttgart, 16.09.2008 17:29 Uhr (redaktion)
Der Sportwagenhersteller Porsche hat seine Beteiligung am VW-Konzern weiter ausgebaut und damit faktisch die Kontrolle in Wolfsburg übernommen: Das Unternehmen erhöhte seinen Stimmrechtsanteil an VW von bislang rund 31 Prozent auf nun 35,14 Prozent, wie Porsche in Stuttgart mitteilte.
Durch den Zukauf sichere sich Porsche "eine dauerhafte Mehrheit auf der VW-Hauptversammlung". VW sei fortan ein Tochterunternehmen Porsches im Sinne des Wertpapier- und Übernahmegesetzes.
Ziel bleibe jedoch weiterhin eine Mehrheitsbeteiligung an VW von über 50 Prozent. Diese werde "voraussichtlich im Laufe des Novembers" erreicht, sagte ein Porsche-Sprecher. Die Erhöhung der VW-Beteiligung auf gut 35 Prozent sei "ein weiterer Meilenstein" auf dem Weg zu einer vollständigen Kontrolle von VW, erklärte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Porsche freue sich "auf die Fortsetzung und Vertiefung der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Volkswagen-Vorstand". Da die Beteiligung nun die Schwelle von 35 Prozent überschritten habe, würden nun auch Vertreter des Stuttgarter Sportwagenherstellers in den Betriebsrat und den Aufsichtsrat von VW entsandt. Wiedeking erklärte, er hoffe auf eine rasche Lösung im Konflikt zwischen den Betriebsräten von Porsche und VW.
In dem seit Monaten schwelenden juristischen Streit geht es um die Mitbestimmung der VW-Mitarbeiter unter dem Dach der Porsche-Holding nach einer Übernahme von VW. Der VW-Konzernbetriebsrat befürchtet, die rund 329.000 Volkswagen-Beschäftigten könnten in einer künftigen gemeinsamen Arbeitnehmervertretung bei Porsche nur in gleicher Stärke repräsentiert sein wie die 11.000 Arbeitnehmer des Sportwagenbauers. Zuletzt hatte die IG Metall in dem Konflikt ein Vermittlungsgespräch zwischen den beiden Betriebsräten abgeblasen.
Mit der aufgestockten Beteiligung erhalte Porsche auch "mittelbar die Kontrolle" über die Volkswagen-Tochter Audi, teilte Porsche mit. Befürchtungen und Spekulationen von Arbeitnehmerseite, Porsche wolle sich nach der VW-Übernahme Audi einverleiben, erteilte der Sportwagenhersteller eine Absage. "Wir sehen Audi als integralen Bestandteil des Volkswagen-Konzerns und haben kein Interesse daran, das Unternehmen aus dem Konzernverbund herauszulösen", erklärte Wiedeking.
Aufgrund der erhöhten Beteiligung an VW sei Porsche jedoch gezwungen, ein Pflichtangebot für die restlichen Audi-Aktien abzugeben, die sich noch im Streubesitz befänden, erklärte der Konzern weiter.
(AFP)
» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen